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08.01.2004

13:32 Uhr

In der Fraktion hat der Badener viele Gegner

Schäuble: Der Stratege als Schachfigur

VonRüdiger Scheidges

Wolfgang Schäuble will Bundespräsident werden. Doch selbst seine Unterstützer wanken. Für Angela Merkel ist er ein hohes Risiko. Und dann ist da noch Klaus Töpfer.

KREUTH. Der Mann im Rollstuhl ist Fachmann für Äußeres. Das Kinn auf die Hände aufgestützt, referiert er seine Themen: Europa, transatlantische Beziehungen, Türkei. Doch in Wildbad Kreuth, bei der Klausurtagung der CSU, interessiert das keinen. So war es auch vor zehn Jahren in Kreuth, als sich niemand für den Rechtsgelehrten in Roman Herzog interessierte. Der wurde bald darauf Bundespräsident. Und Wolfgang Schäuble?

Möglicherweise sind in Wildbad Kreuth die letzten großen Ambitionen des einstmals mächtigsten, doch gestürzten Politikers der Union zusammengeschmolzen wie gestern der frische Schnee vom Vortag. Denn noch bevor der Außenexperte Wolfgang Schäuble am Dienstagabend in der Idylle am Fuße der Blauberge eintrifft, hat die CSU von Edmund Stoiber und Michael Glos längst die Notbremse gezogen. Heimliche Kandidatenkür? Nein, doch nicht mit uns! „Es gibt keine Vorwegfestlegungen, auch wenn hier immer wieder Verbindungen hergestellt werden“, ergreift Stoiber die Rückwärtsinitiative, nachdem die CSU lange eine angebliche Festlegung auf Schäuble wuchern ließ. Nun soll erst im März, also nach der Landtagswahl in Hamburg, entschieden werden.

Schäuble lässt alles offen. „Ich beteilige mich nicht an dieser Debatte,“ dementiert er sein Interesse nicht. „Was immer ich sage, es wird heißen: Das hätte er besser nicht gesagt“, lässt er einen Blick in seine Strategie zu. Er will gerufen werden.

Doch davon ist er weit entfernt. „Wir müssen das Thema Bundespräsident vor den Wahlen in Hamburg ganz schnell ganz tief hängen. Weder Ole von Beust noch der FDP ist eine Schäuble-Diskussion zumutbar. Wir empfangen hier keinen Bundespräsidenten in spe“, sagt einer aus der ersten Reihe der CSU, auch wenn zugleich betont wird, dass Schäuble für die Bayern weiter der geeignete Kandidat ist.

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