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19.02.2006

17:12 Uhr

In der Tourismusbranche geht die Angst um

Rügen im Ausnahmezustand

Nach dem Ausbruch der Vogelgrippe herrscht auf der Urlauberinsel Rügen Ausnahmezustand. Doch nach den zum Teil haarsträubenden Pannen zu Beginn des Seuchenausbruchs auf Rügen beginnt sich das Räderwerk zu drehen. Gleichzeitig geraten Medienvertreter in die Kritik, weil sie bei ihrer Berichterstattung zu leichtfertig vorgehen.

Auf dem Geflügelhof Kliewe wurden am Sonntag 2000 Tiere getötet. Foto: ap

Auf dem Geflügelhof Kliewe wurden am Sonntag 2000 Tiere getötet. Foto: ap

HB BERGEN. Wer die Ostseeinsel auf dem einzigen Landweg über den Rügendamm verlassen will, kann dies seit Sonntagmittag nur noch über ausgelegte Seuchenmatten tun. Speziell ausgebildete Bundeswehrsoldaten der ABC-Abwehr überwachen den Fahrzeugfluss an der Brücke. Feuerwehrtrupps eilen über die Insel auf der Suche nach weiteren toten Wildvögeln. Vorsorglich hat der Landkreis nach Absprache mit der Landesregierung die Tötung von Haustieren wie Hühnern, Enten, Gänsen und Puten in besonders gefährdeten Regionen der Insel angeordnet.

Doch die Bilder von hungrigen Möwen, die sich an Kadavern möglicherweise infizierter Schwäne laben, machen deutlich, dass längst nicht alle Infektionswege abgeschnitten werden können. „Die Lage ist ernst“, musste so auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag nach ersten Gesprächen mit Vertretern des Krisenstabes in Bergen feststellen. Am Samstag hatte sich bereits Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) über die Situation auf der Insel informiert.

Polizisten riegelten schon kurz nach der Tötungsanordnung am Sonntagvormittag die betroffenen Höfe mit rot-weiß gestreiften Plastikbändern ab. Fernsehteams können nun nur noch von Ferne ihre Kameras auf die Ställe richten, in denen nun die vorsorgliche Tötung von tausenden Hühnern, Enten und Puten beginnt. Die Arbeit der Medien war in die Kritik geraten.

„Das Problem ist, dass Journalisten sehr nahe an die toten Tiere herangehen und auch das Aufsammeln der Kadaver filmen, teilweise bis in die Kadaversäcke hinein“, sagte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit, Thomas Mettenleiter, im MDR-Fernsehen. „Anschließend gehen die Kamerateams mit ihrer kontaminierten Ausrüstung und Kleidung unmittelbar in die Geflügelbestände hinein. Das ist völlig unverantwortlich und genau das, was wir verhindern wollen.“

Auch das Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern forderte von den Medien bei der Berichterstattung über die Vogelgrippe auf Rügen verantwortungsbewussteres Verhalten. „Es kann nicht sein, dass Reporter überall rumrennen, Plastiksäcke von toten Tieren aufreißen und dann ohne Desinfektion weiter fahren und so womöglich den Virus auf das Festland tragen“, sagte die Sprecherin von Landwirtschaftsminister Till Backhaus am Sonntag.

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