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06.12.2013

15:47 Uhr

Industrie

Stärkstes Auftragsminus seit einem Jahr

Im Oktober hat die Industrie 2,2 Prozent weniger Aufträge erhalten. Vor allem die Bestellungen von Investitionsgütern gingen stark zurück. Tendenziell soll die Nachfrage aber wieder steigen.

Die Bestellungen für Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und andere Investitionsgüter gingen um 5,2 Prozent zurück. dpa

Die Bestellungen für Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und andere Investitionsgüter gingen um 5,2 Prozent zurück.

BerlinUnerwarteter Rückschlag für die deutsche Industrie: Ihre Aufträge sanken im Oktober so stark wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Wegen der geringeren Nachfrage nach Maschinen und anderen Investitionsgütern fielen sie um 2,2 Prozent zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang von 0,6 Prozent gerechnet. Im September waren die Bestellungen - vor allem wegen vieler Großaufträge für den Flugzeugbauer Airbus - noch um 3,1 Prozent gestiegen. Diesmal gab es weniger Großaufträge als üblich. Die Regierung geht aber von einer grundsätzlich anhaltenden Erholung aus.

„Die aktuell schwächere Entwicklung geht ausschließlich auf die Abnahme der Bestellungen an Investitionsgütern zurück, die sich im Monat zuvor im selben Umfang erhöht hatten“, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. „Hier machen sich die starken Schwankungen der Großaufträge bemerkbar.“ Tendenziell ziehe die Nachfrage weiter an. "Dies deutet auf eine fortgesetzt positive Entwicklung der Industriekonjunktur in den kommenden Monaten hin", so das Ministerium.

EU-Kritik am Reformvorbild Deutschland

Krise als Dauerzustand

Viele der jüngsten Empfehlungen zur deutschen Wirtschafts- und Finanzpolitik seitens der EU-Kommission ähneln denen der vorherigen Reformperiode. „Damit hat die schwarz-gelbe Regierung eine Ehrenrunde im Europäischen Semester gedreht und einen Reformstau verursacht“, sagte der Finanz- und Wirtschaftsexperte der Grünen, Sven Giegold, Handelsblatt Online.

Autor: Thomas Ludwig

Haushalt

Die Kommission ist der Meinung , „dass die öffentlichen Finanzen Deutschlands insgesamt solide sind und das mittelfristige Haushaltsziel erreicht worden ist. Das den Haushaltsprojektionen des Programms zugrunde liegende makroökonomische Szenario ist plausibel.“ Weiter so.

Schuldenbremse

Bei der Umsetzung der in der Verfassung niedergelegten Regel des ausgeglichenen Haushalts („Schuldenbremse“) wurden nach Ansicht der Kommission seit der letztjährigen Empfehlung einige Fortschritte erzielt: „Allerdings scheinen in den meisten Bundesländern noch die spezifischen Durchführungsbestimmungen erforderlich zu sein, um eine wirksame Anwendung der Schuldenbremse im jährlichen Haushaltsverfahren sicherzustellen.“

 

Mehrwertsteuer

Brüssel kritisiert, Deutschland schöpfe wachstumsfreundliche Einnahmequellen nicht in ausreichendem Maße aus: „Die Anwendung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes (von derzeit sieben Prozent) auf ein inzwischen recht breit gefächertes Spektrum von Waren und Dienstleistungen könnte eingeschränkt und die MwSt-Verwaltung geprüft werden, um die Effizienz, die Steuererhebung und die Betrugsbekämpfung zu verbessern.“

Öffentliche Aufträge

Was die öffentliche Auftragsvergabe anbelangt, ist der Wert der von den deutschen Behörden gemäß den EU-Vorschriften veröffentlichten Aufträge sehr gering.

Die Kommission empfiehlt der Bundesregierung daher, dass sie im Zeitraum 2013/2014 „dringend Maßnahmen ergreift, um den Wert der im öffentlichen Auftragswesen vergebenen Aufträge signifikant zu steigern.“

Gesundheit

Die  Effizienz bei der Verwendung der öffentlichen Ausgaben für Gesundheit und Pflege lässt nach Ansicht der Kommission zu wünschen übrig. Zwar gebe es Fortschritte. Diese seien aber begrenzt: „Die bisherigen Reformanstrengungen im Gesundheitssektor und die diesjährige Pflegereform scheinen nicht ausreichend, um die erwarteten künftigen Kostensteigerungen zu dämpfen.“

Bildung

Die Kommission sieht Deutschland auf einem gutem Wege, das nationale Ziel für Bildungs- und Forschungsausgaben einzuhalten. Aber: „Deutschland sollte sich noch ehrgeizigere Folgeziele setzen, um mit den innovativsten Volkswirtschaften gleichzuziehen.“ Bei der Anhebung des Bildungsniveaus benachteiligter Menschen sei die Bundesrepublik voran gekommen. Doch alle Bundesländer sollten weiter ehrgeizig daran arbeiten, ein Schulsystem zu schaffen, das gleiche Chancen für alle bietet, fordert die Kommission.

Berufstätige Frauen

Zufriedenheit klingt anders. „Deutschland hat keine Maßnahmen ergriffen, um die signifikanten Fehlanreize für Zweitverdiener abzuschaffen, und die Fortschritte beim Ausbau der Verfügbarkeit von Ganztagskindertagesstätten und -schulen bleiben begrenzt“, schreibt die Kommission der Bundesregierung ins Arbeitsheft.

Arbeitsmarkt

Die politischen Maßnahmen zur Verringerung der hohen Steuer- und Abgabenlast für Geringverdiener und zur Verbesserung der Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt halten die Experten in Brüssel für begrenzt. „Deutschland sollte mehr tun, um die auf Niedriglöhne erhobenen hohen Steuern und Sozialabgaben zu verringern. Es sind weitere Anstrengungen notwendig, um die Umwandlung von bestimmten Beschäftigungsverhältnissen, z. B. Minijobs, in nachhaltigere Beschäftigungsformen zu verbessern und damit eine Segmentierung des Arbeitsmarkts zu vermeiden.“

Löhne

Die Reallöhne liegen der Kommissionsanalyse zufolge unter dem Stand von 2000. Das habe zum strukturellen Rückgang der Arbeitslosenquote von acht Prozent auf 5,5 Prozent beigetragen. Zuletzt aber habe bei den Reallöhnen ein dynamisches Wachstum eingesetzt, ohne dass die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt würde. Gleichzeitig aber wächst die Schere bei den Einkommen: „Die Lohndisparitäten haben zugenommen“, schreibt die EU-Kommission.

Energie

Hier sieht Brüssel enormen Handlungsbedarf. „Deutschland strebt an, die gesamtwirtschaftlichen Kosten des Umbaus des Energiesystems so gering wie möglich zu halten. Bislang hat dies keine greifbaren Ergebnisse gezeitigt und nach wie vor bestehen größere Risiken und potenzielle Ineffizienzen. Die Koordinierung seiner nationalen Energiepolitik mit den Energiepolitiken der Nachbarländer ist unzureichend.“

Finanzsektor

Der Regulierungs- und Aufsichtsrahmen wurde gestärkt. Brüssel würdigt das als „signifikante Anpassungen“. Die Entscheidungen der Kommission über staatliche Beihilfen, unter anderem der WestLB, hätten die Umstrukturierung der Landesbanken weiter vorangetrieben. „Nach wie vor scheinen jedoch einer marktgetriebenen Konsolidierung im Bankensektor Governance-Hindernisse entgegenzustehen, die die Gesamteffizienz des Finanzsektors beeinträchtigen.“

Dienstleistungen

In diesem Sektor hat sich die Situation seit dem vergangenen Jahr nicht signifikant verändert. Im Hinblick auf den Zugang zu bestimmten Berufen und deren Ausübung gibt es nach wie vor zahlreiche Beschränkungen. Rat der Kommission: „Deutschland sollte stärker an der Öffnung des Dienstleistungssektors arbeiten, indem ungerechtfertigte Beschränkungen und Marktzutrittsschranken abgeschafft werden, was das Preisniveau senken und Dienstleistungen für die unteren Einkommensgruppen bezahlbarer machen wird.“

Freie Berufe

Viele freiberufliche Dienstleistungen unterliegen Anforderungen an die Rechtsform und in Bezug auf die Gesellschafter. Deshalb fordert die Kommission Deutschland dazu auf, zu prüfen, ob sich die gleichen im öffentlichen Interesse liegenden Ziele nicht durch eine weniger strikte Reglementierung erreichen ließen: „Die verschiedenen Regelungen auf Länderebene weisen ebenfalls darauf hin, dass Spielraum für weitere Anstrengungen besteht, um die mit dem geringsten Aufwand verbundenen regulatorischen Ansätze zu ermitteln und deren Anwendung bundesweit auszudehnen und auf diese Weise den Verwaltungsaufwand für Unternehmen zu verringern.“

Ökonomen sind etwas vorsichtiger. „Es gibt in der Industrie derzeit keine allzu große Dynamik“, sagte Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim. „Das Wachstum kommt eher von der Inlandsnachfrage wie durch den Konsum und Bauinvestitionen, weniger vom Export.“ Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist enttäuscht, dass aus dem Inland den zweiten Monat in Folge weniger Investitionsgüter nachgefragt wurden. „Das Anspringen der Investitionskonjunktur in Deutschland ist beileibe noch kein Selbstläufer“, sagte DIHK-Konjunkturexperte Dirk Schlotböller.

Die Bestellungen für Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und andere Investitionsgüter gingen um 5,2 Prozent zurück. Die Nachfrage nach Vorleistungsgütern wie Chemikalien zog hingegen um 2,2 Prozent an, die nach Konsumgütern um 0,6 Prozent. Die Aufträge aus dem Inland schwächten sich mit 2,0 Prozent etwas weniger stark ab als die aus dem Ausland mit 2,3 Prozent.

Von

rtr

Kommentare (1)

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DieJapanerSindAnAllemSchuld

06.12.2013, 17:15 Uhr

Bei diesem Dollarkurs wird es eben schwieriger mit dem Export. Der Dollar ist seit über einem Jahr kontinuierlich an abwerten bzw. der Euro am aufwerten.

Wird mal wieder Zeit, dass einer der PIGGS-Staaten im EURO-Raum für Negativschlagzeilen sorgt und über die Klinge springt. Dann fällt der EURO erwartungsgemäß wieder, der PIGGS-Staat hält die Hand auf. Der Rettungsschirm rettet, Deutschland exportiert wieder und zahlt und alle sind wieder zufrieden und wurschteln so vor sich hin, ein circulus vitiosus.

Anschließend sind wieder die USA mit Negativnachrichten dran. Sie werden dann wieder vehement über die verfassungsrechtliche Schuldengrenze schlechte Nachrichten verbreiten und Behörden schließen - Honey because It's Showtime! Oh Wunder, der Dollar fällt wieder, die USA ist wieder exportfähig, hurra.

Und so geht das Spiel abwechselnd immer weiter, wäre da nicht...

...tja, bis eines Tages Japan dran ist mit den Export schlechter Nachrichten, frei nach dem Motto: "Leider haben wir den Staat hoffnungslos überschuldet." (http://de.statista.com/statistik/daten/studie/157855/umfrage/laender-mit-der-hoechsten-staatsverschuldung/)

Der Planentwurf sieht vor, dass dann alle auf Japan mit dem Finger zeigen und "bad boy" rufen: Nun gibt es endlich einen Schuldigen für die Geschichtsschreibung, weil der Yen die Währung eines Staates ist, der international als Währung eines Einzelgängers aufzufassen ist. Wer will schon die Währung eines Einzelgängers retten?

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