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09.01.2015

04:53 Uhr

Industriepräsident Grillo

Migranten sind unverzichtbar

Deutschland ohne Einwanderer? Für Industriepräsident Grillo undenkbar. Migranten seien ein unverzichtbarer Teil der deutschen Wirtschaft. Claudia Roth sieht das ähnlich. Der Vorsitzende des Islamrats bleibt besorgt.

Zuwanderer werden gebraucht: Industriepräsident Ulrich Grillo warnt vor einer Instrumentalisierung des Terrors. dpa

Zuwanderer werden gebraucht: Industriepräsident Ulrich Grillo warnt vor einer Instrumentalisierung des Terrors.

LüneburgNach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag von Paris stellt sich die deutsche Wirtschaft vor Muslime und Migranten in Deutschland. Auch mit Blick auf die Anti-Islamisierungs-Bewegung Pegida und die rechtskonservative Partei AfD sagte Industriepräsident Ulrich Grillo der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: „Terror darf nicht instrumentalisiert werden, um jetzt eine ganze Religion zu verunglimpfen.“ Zuwanderer seien willkommen und würden gebraucht.

„Deutschland ist längst ein Einwanderungsland und muss es auch bleiben“, unterstrich der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), der die Interessen von mehr als 100 000 Unternehmen vertritt. Migranten seien als Mitbürger, Nachbarn und Freunde „ein unverzichtbarer Teil unseres wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens“.

Grillo verurteilte den Angriff auf das religionskritische Satiremagazin „Charlie Hebdo“, bei dem am Mittwoch in Paris zwölf Menschen ermordet worden waren. „Wir sind tief betroffen und gedenken der Opfer und Angehörigen. Das war ein grausamer Anschlag auf unsere Werte und unsere Gesellschaft.“

Roth fordert „klare Kante gegen jede Stimmungsmache“

Auch Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) hat sich strikt gegen alle Versuche einer politischen Instrumentalisierung des Terroranschlags von Paris gewandt. Das schreckliche Verbrechen dürfe nicht als Vorwand für den Ruf nach Vorratsdatenspeicherung, mehr staatlicher Repression oder nach einem Abbau demokratischer Freiheiten genommen werden, sagte Roth der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Der rechtskonservativen Alternative für Deutschland (AfD) warf Roth vor, von der Situation profitieren zu wollen. „Das finde ich unverantwortlich.“

Die Realitäten in Deutschland müssten deutlich anerkannt werden. „Deutschland ist schon sehr lange ein Einwanderungsland“, betonte die ehemalige Grünen-Chefin. „Wir brauchen klare Kante gegen jede Stimmungsmache und ein Schüren von Ressentiments.“ Politik und Gesellschaft müssten sich Gruppierungen entgegenstellen, die die Gesellschaft spalten wollten und nichts mit Integration und Inklusion zu tun hätten.

Die Köpfe der Pegida-Bewegung

Köpfe und Wortführer

Wer sind die Köpfe und Wortführer der islamfeindlichen Pegida-Demonstrationen in Dresden und anderswo? Einige Beispiele:

Kathrin Oertel

Sie ist die einzige Frau im zwölfköpfigen Organisationsteam von Pegida Dresden, die öffentlich in Erscheinung tritt. Laut Medienberichten ist sie 36 Jahre alt und arbeitet als Wirtschaftsberaterin. Neuerdings fungiert sie als Pegida-Sprecherin und Schatzmeisterin – und trat als Gesicht von Pegida bei Günther Jauch auf. In ihren Ansprachen schlägt Oertel vergleichsweise moderate Töne an, persönliche Angriffe überlässt sie anderen.

Sebastian Nobile

Veranstalter der Kögida-Demo in Köln und Pressesprecher der Pegida NRW, nennt sich „freiheitlich-christlicher Patriot“. Medienberichten zufolge war er Aktivist der „German Defence League“, die islamfeindlich und rechtsextrem ist. Laut Polizei hat er mehrfach Demos mit rechtsradikalen Anliegen angemeldet.

Melanie Dittmer

Sie organisierte zuletzt die Bonner „Bogida“-Demos. Medienberichten zufolge war die 36-Jährige im Landesvorstand der NPD-Nachwuchsorganisation „Junge Nationaldemokraten“. Dem „Spiegel“ sagte sie jüngst, es sei für sie unerheblich, ob es den Holocaust gegeben habe. Dittmer sitzt im Vorstand von Pro NRW. Pegida NRW teilte am Dienstag mit, wegen „inhaltlicher Differenzen“ sei die Zusammenarbeit mit Dittmer beendet.

Udo Ulfkotte

Ex-Journalist und Autor des Bestsellers „Gekaufte Journalisten“, gibt den „Lügenpresse“-Rufern Futter und sieht auch schon seit langem Europa von fanatischen Muslimen bedroht. Schon 2003 erschien dazu sein Buch „Der Krieg in unseren Städten“. In diese Richtung argumentierte auch das Buch „Heiliger Krieg in Europa“.

Karl Schmitt

Er organisiert in Berlin die Bärgida-Bewegung. Der promovierte Ingenieur (60) war 14 Jahre bei der CDU kommunal aktiv, trat 2008 aus und gründete die rechtspopulistische Partei „Die Freiheit“ mit. Die CDU habe zu wenig Distanz zur Linken gezeigt und die Gefahr der muslimischen Parallelgesellschaft in Deutschland nicht erkannt. Die „Freiheit“ verließ Schmitt auch nach einem Jahr.

Lutz Bachmann

Er war das Gesicht von „Pegida“ in Dresden: Bachmann rief die Facebook-Gruppe ins Leben, die das islamkritische Bündnis begründete. Er sei kein Rassist, betonte der wegen Diebstahls und Drogendelikten vorbestrafte 41-Jährige stets – doch er musste zurücktreten, da gegen ihn wegen Volksverhetzung ermittelt wird. Zuvor waren ein Foto Bachmanns mit Hitler-Bart und ausländerfeindliche Facebook-Einträge öffentlich geworden.

Der Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, hat unterdessen nachdrücklich für einen Dialog mit den Mitläufern der Pegida-Demonstrationen geworben. „Klar ist, dass immer dann widersprochen werden muss, wenn Grundrechte in Frage gestellt werden und gehetzt wird.“ Aber: „Nötig ist, das Gespräch zu suchen, so schwierig dies auch scheint“, sagte er der „Landeszeitung Lüneburg“ (Freitag). Zuvor hatte es am Dienstag eine erste von der Landeszentrale organisierte Gesprächsrunde mit Demonstranten gegeben.

Kommentare (39)

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Herr Günther Schemutat

09.01.2015, 07:43 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Woifi Fischer

09.01.2015, 07:51 Uhr

Industriepräsident Grillo Migranten ist unverzichtbar.

Was ist diese scheinheilige Aussage wert?
Vor Jahren war der große Renner in der groß Industrie das Wort „Rationalisierung“ sonst sind wir nicht mehr wettbewerbsfähig?

Nun also das neue Zauberwort „Migranten“!

Es geht doch nur um eines, der Profit darf nicht geschmälert werden, deshalb sehr gut ausgebildete Migranten zu einem niedrigeren Lohn /Gehalt die Rettung der Großindustrie und des Mittelstandes?

Haben diese Lügnerischen Manager aus der Vergangenheit nichts gelernt???

In wessen Auftrag fordert Herr Ulrich Grillo die ungeregelte Zuwanderung???

Wurde nicht schon einmal Lebensraum im Osten gesucht, und der einheimischen Wirtschaft mit Zwangsarbeitern bedient???

Herr Markus Bullowski

09.01.2015, 08:01 Uhr

Wenn Migration, dann bitte Migranten, die zu uns passen (nicht noch mehr Islam bitte), die legal nach Deutschland kommen (das ist eine bessere Basis für ein Zusammenleben) und die auch etwas können, was gebraucht wird.

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