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04.06.2012

19:39 Uhr

Industriestudie

Der Strom fällt in Deutschland öfter aus

VonKlaus Stratmann

Die Stromversorgung deutscher Unternehmen wird einer Industriestudie zufolge künftig häufiger unterbrochen werden. Grund ist die Abschaltung von acht Kernkraftwerken im Zuge der Energiewende.

Schon jetzt gibt es kleine Stromausfälle durch die Energiewende - mit großen Folgen. dapd

Schon jetzt gibt es kleine Stromausfälle durch die Energiewende - mit großen Folgen.

BerlinDie Industrie bekommt die Energiewende zu spüren: Kurze Unterbrechungen der Stromversorgung stören immer häufiger die Produktionsabläufe. Eine Untersuchung des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Zahl der monatlichen Kurzunterbrechungen von weniger als einer Sekunde Dauer seit der Abschaltung von acht Kernkraftwerken im März vergangenen Jahres im Vergleich zu den Monaten Januar und Februar 2011 verfünffacht hat.

Der VIK hat dazu 45 große Stromverbraucher aus den Branchen Chemie, Papier, Zement und Nahrungsmittel befragt. Der VIK sieht sich als Interessenvertretung der industriellen und gewerblichen Energiekunden. Die VIK-Mitgliedsunternehmen stehen für 80 Prozent des industriellen Energiebedarfs in Deutschland.

Herkulesaufgabe Energiewende

Mammutprojekt Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) erbt von Norbert Röttgen eine Menge Probleme. Diese sind aber weniger Röttgens Arbeit geschuldet als der Tatsache, dass die Energiewende ein Mammutprojekt ist. Ein Jahr nach dem Start drängt die Zeit: Weichenstellungen für Investitionen in neue Netze, mehr Energiespeicher und neue Gaskraftwerke sind dringend nötig.

Solarstrom-Reform

Im Vermittlungsausschuss muss Altmaier wegen des Widerstands gerade der ostdeutschen Länder die Pläne für die Kürzung der Solarförderung wohl etwas abmildern lassen. Dadurch drohen aber steigende Belastungen für die Bürger. Sie zahlen die Förderkosten über den Strompreis.

Die Regierung will, dass die Bürger nicht mehr als die derzeit 125 Euro (bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden) pro Jahr für die Ökostromförderung zahlen. Das auch im Bundestagswahljahr 2013 zu schaffen, wird immer schwerer.

Ökoenergie-Kosten und fehlende Kraftwerke

Bisher gibt es kein tragfähiges Modell, um erneuerbare Energien wettbewerbsfähig zu machen, also die Subventionierung massiv zurückzufahren. Und wegen des Einspeisevorrangs für Wind- und Sonnenstrom lohnen sich zum Beispiel neue Gaskraftwerke kaum noch. Die braucht man aber, wenn es keine Sonne oder Wind gibt und die Atomkraftwerke abgeschaltet sind.

Daher müssen hier Anreize oder Regelungen geschaffen werden, damit diese jetzt bald gebaut werden, denn bis 2022 sollen die restlichen neun Atomkraftwerke abgeschaltet werden.

Speicher und Netze

Die Regierung investiert in Speicherforschung, doch schnelle Lösungen sind nicht zu erwarten. Immer mehr Wind- und Solarparks bringen nur etwas, wenn überschüssiger Strom eines Tages auch gespeichert werden kann. Zudem können die Netze mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien (Stromanteil schon rund 20 Prozent) kaum noch mithalten.

Tausende Kilometer an neuen Leitungen sind nötig. Hier muss Altmaier mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) Lösungen finden, in Kürze soll ein Bundesnetzplan vorliegen. Besonders der Anschluss der See-Windparks muss beschleunigt werden.

Koordinierung

Jedes Bundesland hat sein Energiekonzept, hinzu kommen hunderte kommunale Pläne. Hier ist dringend mehr Abstimmung und eine einheitliche Koordinierung nötig, damit neue Wind- und Solarparks da entstehen, wo sie gebraucht werden und wo es Netze gibt.

Zudem muss ein Ausufern von Subventionen vermieden werden, denn der Netzausbau treibt in diesem Jahr stark die Netzentgelte, die wie die Ökoförderkosten über den Strompreis zu zahlen sind.

Geld für Energiewende-Projekte

Damit die Einnahmen aus dem Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten wieder anziehen, wäre eine Anhebung des EU-Klimaziels auf 30 Prozent weniger Treibhausgasemissionen bis 2020 (im Vergleich zu 1990) notwendig. Doch das Kohleland Polen blockiert. Die Einnahmen sind nötig zur Finanzierung von Energiewende-Projekten. Bleiben diese weiter aus, könnten bis zu fünf Milliarden Euro in den kommenden Jahren fehlen.

Besonders Maßnahmen für Energieeinsparungen würden darunter leiden. Wird weniger Energie verbraucht, werden auch weniger Netze und Kraftwerke gebraucht - ein Schlüssel zum Erfolg.

Atom-Endlager

Röttgen hat viel Vorarbeit geleistet für eine neue Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Doch geklärt werden muss noch, wie der bisher favorisierte Standort Gorleben in das Suchverfahren integriert wird und wer das Sagen bei der Suche haben soll.

Bis zum Sommer soll das Problem abgeräumt werden und mit SPD und Grünen ein Suchgesetz erarbeitet werden.

Asse

Altmaier muss klären, wie das Problem in dem maroden Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle bei Wolfenbüttel gelöst werden soll, wo 126.000 Atomfässer geborgen werden sollen.

Es kommt aber zu ständigen Verzögerungen, und die Zweifel wachsen, ob eine Bergung angesichts mangelnder Stabilität des Lagers noch möglich ist.

Deutschland gilt noch immer als Land mit besonders hoher Stromversorgungssicherheit. Immer wieder hat die Bundesnetzagentur der Energiewirtschaft in den vergangenen Jahren bescheinigt, die Verbraucher zuverlässig mit Strom zu versorgen. Die Versorgungsqualität drückt sich im System-Average-Interruption-Duration-Index (SAIDI) aus. In die Berechnungen fließen allerdings nur ungeplante Unterbrechungen ein, die länger als drei Minuten dauern.

Die Netzbetreiber sind verpflichtet, solche Unterbrechungen an die Bundesnetzagentur zu melden. 2010 summierten sich die Unterbrechungen nach Angaben der Bundesnetzagentur auf durchschnittlich 15 Minuten je Endverbraucher. Das ist im weltweiten Vergleich ein sehr guter Wert.

Doch aus Sicht der Industrie ist der Index nicht aussagekräftig. Denn vor allem die sich häufenden Unterbrechungen im Bereich von einer Sekunde und weniger bereiten den Unternehmen wachsende Probleme. Diese Störungen tauchen aber im Index nicht auf, da er erst Ausfälle von drei Minuten und mehr erfasst.

Kommentare (16)

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04.06.2012, 19:57 Uhr

Fauler Zauber!

Account gelöscht!

04.06.2012, 20:47 Uhr

Die Konzerne sollen dann mal zuerst der Merkel und dem gesamten Reichstag das Licht ausknipsen

Account gelöscht!

04.06.2012, 20:47 Uhr

ach neeee....stromausfälle - echt oder? warum haben die vorher nicht gesagt, dass es in einem netz eine frequenz gibt - und dass man die auch noch halten muss?! komsich??

..und überhaupt, was sind eigentlich fahrpläne, lastprognosen, regelzonen?

ach egal - wir haun alles mit pv voll sowie windräder (die der arme bürger zahlt) und lügen die leute mit irgend einem CO2 mist voll (damit sie es auch zahlen) - anschließen reiten wir alle im ponyhof im kreis !!

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