Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.03.2013

06:31 Uhr

Initiative gegen Abzockerei

SPD-Politiker fordert EU-Richtlinie zu Manager-Gehältern

Nach dem erfolgreichen Volksentscheid zur Begrenzung von Managergehältern in der Schweiz drängen deutsche Politiker auch hierzulande auf entsprechende Regeln. SPD-Fraktionsvize Joachim Poß fordert eine EU-Richtlinie.

SPD-Fraktionsvize Joachim Poß sieht die Schweiz als gutes Beispiel. dpa

SPD-Fraktionsvize Joachim Poß sieht die Schweiz als gutes Beispiel.

Berlin, OsnabrückNach dem Ja der Schweizer zu einer Begrenzung von Managergehältern fordert die SPD entsprechende Schritte auch in Deutschland und der EU. "Der Volksentscheid ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um der Abzockerei im Management auch andernorts zu begegnen", sagte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Joachim Poß der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Montagsausgabe). "Das Resultat sollte als Ermutigung für die Einführung der europäischen Richtlinie verstanden werden."

So sollten etwa Bonuszahlungen nicht höher sein als das Grundgehalt, sagte Poß. Zwar könne die Entwicklung in der Schweiz nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen werden. Aber es gehe um den Grundsatz: "Die Menschen akzeptieren dieses perverse Boni-System nicht nur bei Banken, sondern auch in der Realwirtschaft nicht mehr." Ihn persönlich erfülle es mit Genugtuung, dass selbst in der wirtschaftsliberalen Schweiz die Menschen gegen das System mobil machten.

Gehälter der Wall-Street-Größen

John Stumpf

Streng genommen ist John Stumpf kein Wall-Street-Banker. Doch mit einer Jahresvergütung von 19,3 Millionen Dollar hat Wells Fargo mit Hauptsitz an der Westküste der USA ihren Chef an die Spitze der Finanzindustrie katapultiert. Während Branchengrößen wie JP-Morgan-Chef Jamie Dimon Einbußen hinnehmen mussten, stieg das Einkommen von Stumpf 2012 um acht Prozent. Nach Rekordgewinnen im vergangenen Jahr stockte Wells Fargo Stumpfs Grundgehalt von 2,8 Millionen Dollar mit einem Bonus von vier Millionen Dollar und Aktien im Wert von 12,5 Millionen Dollar auf.

Brian Moynihan

Der Chef der Bank of America hat im Jahr 2012 stolze 12,1 Millionen Dollar verdient. Damit rückt er in die Liga der bestbezahlten Manager der US-Bankenwelt ein. Die Vergütung von Brian Moynihan stieg gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent. Doch die Spitzenverdiener, Loyd Blankfein von Goldman Sachs und John Stumpf von Wells Fargo, überholt er nicht überholen.

James Gorman

Morgan-Stanley-Chef James Gorman verdiente 2012 mit 9,75 Millionen Dollar sieben Prozent weniger als im Vorjahr.

Jamie Dimon

Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, nimmt eine Halbierung seines Bonus für 2012 hin. Er kassiert 11,5 Millionen Dollar. Das Institut wurde von einem Händlerskandal erschüttert. Ein Mitarbeiter mit dem Spitznamen „Londoner Wal“ hatte mehr als sechs Milliarden Dollar verzockt.

Michael Corbat

Der neue Citigroup-Vorstandschef Michael Corbat streicht für 2012 ein sattes Gehalt von 11,5 Millionen US-Dollar ein. Corbat übernahm den Spitzenposten erst im Oktober vergangenen Jahres und stellte die Weichen für den Abbau von 11.000 Stellen.

Auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles zeigte sich aufgeschlossen gegenüber der Schweizer Initiative. "Ich bin sicher, dass es solche Mehrheiten auch in Deutschland gäbe", sagte sie der "Bild"-Zeitung.

Der Wirtschaftsexperte Michael Hüther warnte hingegen vor einer gesetzlichen Regelung von Managergehältern nach Schweizer Vorbild. Es sei gut, dass über eine öffentliche Debatte Druck auf Unternehmen ausgeübt werde, sagte der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe). "Aber statt mehr Gesetzen brauchen wir mehr Aufsichtsräte und Vorstände, die selbst Verantwortung übernehmen."

Mehr als zwei Drittel der Schweizer stimmten bei der "Volksinitiative gegen die Abzockerei" am Sonntag mit Ja. Die Initiative will erreichen, dass künftig die Aktionäre eines Unternehmens über die Gehälter an der Spitze entscheiden. Ein "Goldener Handschlag" beim Weggang aus einem Konzern und Begrüßungsmillionen vor dem Beginn eines Arbeitsverhältnisses sollen verboten werden. Auch Prämien bei Firmenkäufen oder -verkäufen soll es nicht mehr geben.

Umfrage: Mehrheit der Deutschen will feste Grenze für Managergehälter

Umfrage

exklusivMehrheit der Deutschen will feste Grenze für Managergehälter

Die Schweizer stimmen am Wochenende über eine Obergrenze für Managergehälter ab. Auch die Mehrheit der Deutschen würde sich eine ähnliche Regelung wünschen, zeigt eine exklusive Umfrage.


Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

stop_den_staatssozialismus

04.03.2013, 08:57 Uhr

Die ganze Politik ist nur noch pervers hier in Deutschland und in Europa. Bin mal gespannt, ob die "dummen" Deutschen im Herbst den rot-grünen-schwarzen-gelben Staatssozialismus wählen oder es doch mal viele gibt, die ihr Kreuz auch mal an anderer Stelle machen.

milo

04.03.2013, 09:07 Uhr

Wie durchsichtig ist das denn? Schon sehr peinlich was sich die SPD hier leistet. Es geht gar nicht darum, ob und von wem Steinbrueck wieviel fuer fragwuerdige Vortraege bekommen hat, fragwierdig weil wharscheinlich platt oder populistisch, sondern um die grundsaetzliche Glaubwuerdigkeit der SPD. Hartz IV hat erhebliche soziale Schwaechen, die koennte die SPD benennen und versuchen abzuschaffen. Ausser Worte gibt es dazu bisher nicht viel. Die SPD hat bisher jedem "alternativlosen" Eurorettungspacket der Fr. Merkel und des 100,000 DM Spendenschaeuble zugestimmt und zwar ohne Bedingungen, wie etwa Bankerugulierung oder grundsaetzliche Finanzmarktregulierung. So eine Partei kann sagen was sie will, zu was auch immer, glaubwuerdig ist sie mit wem auch immer an der Spitze so nicht.

mono

04.03.2013, 09:36 Uhr

Wenn man sich anschaut, wie die SPD Made sich über Jahrzehnte im West LB Speck geriert hat, ist es unwahrscheinlich, dass diese Partei urplötzlich die Interessen Ihrer "Untertanen" und der Steuerzahler vertreten wird.
Steinbrück ist der typische Vertreter der "Wir hier oben, Ihr da unten" Mentalität.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×