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18.08.2014

13:05 Uhr

Innenminister de Maizière

Regierung plant Cyberschutzschirm für die Wirtschaft

VonDietmar Neuerer

Cyberattacken auf deutsche Unternehmen können aus Sicht von Innenminister de Maizière „dramatische Folgen“ nach sich ziehen. Dem Ernstfall will der CDU-Politiker nun vorbeugen – mit verschärften Sicherheitsvorschriften.

Cyberterroristen nehmen zunehmend IT-Infrastrukturen ins Visier. Dagegen will die Politik nun die Unternehmen absichern. Reuters

Cyberterroristen nehmen zunehmend IT-Infrastrukturen ins Visier. Dagegen will die Politik nun die Unternehmen absichern.

BerlinDie Wirtschaft in Deutschland ist nach Einschätzung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière nur unzureichend gegen Cyberattacken im Netz gewappnet. Die Sicherheitslücken will der CDU-Politiker mit einem neuen IT-Sicherheitsgesetz schließen. In einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ kündigt de Maizière branchenweite Standards für die IT-Sicherheit in den Bereichen der Wirtschaft an, „die für das Wohl unserer Gesellschaft von elementarer Bedeutung sind“.

Adressat seien somit Unternehmen aus den Bereichen Energie, Informationstechnik und Telekommunikation, Transport und Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung sowie aus dem Finanz- und Versicherungswesen. „Das IT-Sicherheitsniveau ist hier noch sehr unterschiedlich“, klagt der Minister und skizziert, was Deutschland dadurch im Ernstfall blühen könnte. „Ausfälle der von diesen kritischen Infrastrukturen genutzten IT-Systeme könnten weitreichende, schlimmstenfalls sogar dramatische Folgen für unsere Gesellschaft haben“, schreibt er.

„Es leuchtet daher unmittelbar ein, dass hier höhere Anforderungen an die IT-Sicherheit gelten müssen als in anderen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens“, betonte der CDU-Politiker. Auf freiwilliger Basis bestehende Angebote und Initiativen in Anspruch zu nehmen reichten nicht mehr aus. „Früher haben wir die Pflicht zum Anschnallen beim Autofahren geregelt. Heute brauchen wir Sicherheitsgurte für die IT der kritischen Infrastrukturen“, unterstreicht der Minister.

Die schlechtesten Passwörter 2013

Diverse Ziffernfolgen

Das häufigste Passwort ist „123456“, auf Platz 3 steht „12345678“, auf Platz 9 „123456789“: Ziffernfolgen sind beliebt. Auch „123123“ taucht in der Liste auf.
Quelle: Splashdata. Das US-Unternehmen hat gehackte und im Internet veröffentlichte Nuzterkonten analyisert.

Eine Ziffer mal sechs

Noch einfacher machen es sich Nutzer mit Passwörtern wie „111111“ (Platz 7) und „000000“ (Platz 25). Beide dürften Cyberkriminelle auf dem Zettel haben.

Problem erkannt

Etlichen Nutzern ist das Problem offenbar klar: Auf Platz 24 steht das Passwort „trustno1“, deutsch: Vertraue niemandem. Sicher ist es indes nicht.

Liebesgrüße im Browser

Unsicher, aber zumindest romantisch sind Passwörter wie „iloveyou“ (Platz 9) und „princess“ (Platz 22) – sofern sie sich auf den Partner beziehen.

Affe im Schatten

Warum die Begriffe als Passwörter beliebt sind, ist zwar unklar. Dennoch: „shadow“, deutsch: Schatten, und „monkey“, deutsche: Affe, stehen auf den Plätzen 18 und 17.

Firmenname als Hilfe

In der diesjährigen Auswertung ergibt sich eine Besonderheit: Da 38 Millionen Passwörter von Adobe-Kunden eingeflossen sind, tauchen sowohl der Firmenname als auch Produkte des Unternehmens auf, etwa in „adobe 123“ (Platz 10) und „photoshop“ (Platz 15).

Im Zentrum seiner Überlegungen stehe daher das Verhältnis zwischen Risiko, Schutz und Verantwortung nach dem Maßstab: „Wer durch den Einsatz von IT Risiken für andere schafft, hat auch die Verantwortung für den Schutz vor diesen Risiken.“ Zudem gelte, „je gravierender diese Risiken für unsere Gesellschaft sind, desto höhere Anforderungen sind an die erforderlichen Schutzvorkehrungen zu stellen“.

Das IT-Sicherheitsgesetz soll in dieser Woche in die Ressortabstimmung gegeben werden, gleichzeitig legen de Maizière, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Mittwoch die Pläne der Bundesregierung für eine „Digitale Agenda“ vor.

Von einem stärkeren ordnungspolitischen Eingriff des Staates verspricht sich de Maizière eine Vorreiterrolle Deutschlands. Die IT-Systeme und digitalen Infrastrukturen Deutschlands sollen nach seinen Vorstellungen zu den sichersten Systemen weltweit werden. „Profitieren werden davon alle, vor allem aber auch der Wirtschaftsstandort Deutschland“, ist er überzeugt. Zumal Deutschland mit dem IT-Sicherheitsgesetz international auch Vorbild für die Entwicklung in anderen Ländern sein und so nicht zuletzt auch die deutschen IT-Sicherheitsunternehmen stärken und ihnen verbesserte Exportchancen eröffnen wolle.

Kommentare (5)

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Herr Delete User Delete User

18.08.2014, 13:36 Uhr



Ausgerechnet De Maiziere!? Der hat ja schon mit seinem Drohnenprojekt ausreichend demonstriert, dass ihm neue Abwehrtechniken reichlich Kopfzerbrechen bereiten.

Für die Kanzlerin ist das Internet Neuland. Dobrindt versucht die Netzinfrastruktur auszubauen und scheitert schon mit seinem Mautprojekt und dann kommt De Maiziere, der vermutlich noch mit Wählscheibentelefon und Schreibmaschine sein Ministerium führt daher und will die deutsche Wirtschaft mit einem Cyber-Schutzschirm protegieren.

Vielleicht träumt Dobrindt gar schon von einer Internetmaut?

Da sind die Unternehmen doch besser beraten, sich selbst zu schützen.

Herr Fred Meisenkaiser

18.08.2014, 13:36 Uhr

Solange es die Cloud mit Daten in den USA gibt, ist das doch alles nur Geschwätz.

Übrigens, die Bürger bleiben außen vor. Die haben das Problem bei Online-Banking usw.

Herr Manfred Zimmer

18.08.2014, 14:16 Uhr

Nicht nur das!

Die Regierung hat doch jeden Kredit verspielt. Ist nicht zu befürchten, dass danach erst recht spioniert wird?

Was wäre denn, wenn nicht die NSA sondern der BND im Inland spioniert und seine "Erkenntnisse" der NSA mitteilt, um diese dann als "Reimport" im Inland wieder zu nutzen?

Es ist doch nichts mehr auszuschließen.

Man sollte den affigen Eid der Regierung abschaffen. Es ist doch alles nur ein Schein, ein Theater was den Bürgern vorgespielt wird.

Diesen Eid jetzt auch noch vor einem Pastor abzulegen, passt voll in das aufgeklärete Weltbild unserer Zeit.

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