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31.01.2017

17:30 Uhr

Insa-Meinungstrend

Schulz-Kandidatur treibt SPD auf 26 Prozent

Schulz zieht: Seit klar ist, dass der Ex-Europa-Politiker statt Sigmar Gabriel die SPD in den Wahlkampf führt, ist die Partei auf dem Weg aus dem Umfragekeller. Im aktuellen Insa-Meinungstrend erreicht sie 26 Prozent.

Der ehemalige Präsident des EU-Parlaments möchte Bundeskanzler werden. dpa

SPD-Kanzlerkandidat

Der ehemalige Präsident des EU-Parlaments möchte Bundeskanzler werden.

BerlinNach der Entscheidung für Martin Schulz als Kanzlerkandidat steigt die SPD weiter in der Wählergunst. Die Sozialdemokraten erreichen im aktuellen Insa-Meinungstrend mit 26 Prozent das beste Ergebnis seit zweieinhalb Jahren, wie die „Bild“-Zeitung am Dienstag berichtete. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche.

Auch in den anderen Umfragen legte die SPD zuletzt deutlich zu, nachdem der noch amtierende Parteichef Sigmar Gabriel seinen Verzicht zugunsten von Schulz bekanntgegeben hatte. Die Union ist aber klar in Führung. Bei Insa kommen CDU und CSU unverändert auf 32,5 Prozent, andere Institute sehen die Union bei bis zu 37 Prozent.

Schulz will ungeachtet des großen Rückstands die SPD bei der Bundestagswahl am 24. September zur stärksten Kraft machen. Die größten Chancen Kanzler zu werden, hätte er voraussichtlich nur mit einer rot-rot-grünen Koalition. Oskar Lafontaine, Ex-SPD-Chef, Ex-Bundesvorsitzender der Linken und nun ihr Fraktionschef im saarländischen Landtag, dämpfte erneut Überlegungen in diese Richtung.

„Bis jetzt ist nicht erkennbar, dass SPD und Grüne ihre Politik so ändern wollen, dass eine gemeinsame Regierung möglich wird“, sagte Lafontaine der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken. „Solange SPD und Grüne für Interventionskriege sind, für Waffenlieferungen, für Sozialabbau und für ein ungerechtes Steuersystem und für eine Europapolitik, die im Süden Europas zu sozialen Verwerfungen führt, sehe ich keine Möglichkeit der Zusammenarbeit“, sagte Lafontaine. Er gebe die Hoffnung auf Veränderungen bei der SPD aber noch nicht ganz auf. Am 26. März wird im Saarland ein neuer Landtag gewählt.

Dafür steht SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz

Präsenz

Schulz verdankt seinen Aufstieg in Brüssel Eigenschaften, die ihm Freunde und Gegner gleichermaßen zuschreiben: Ehrgeiz, Arbeitseifer, klare Sprache, Machtbewusstsein. Vor allem als EU-Parlamentspräsident und als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten bei der Europawahl 2014 schärfte er nicht nur sein eigenes Profil, sondern gab Europa eine starke Stimme. Der Christsoziale Manfred Weber würdigte Schulz zum Abschied aus Brüssel als kraftvollen und durchsetzungsstarken Europäer.

Klare Botschaften

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat gilt als Politiker, der Streit nicht aus dem Weg geht. Zuletzt übte er zum Beispiel heftige Kritik am EU-Mitgliedsland Ungarn und dessen Referendum zur Flüchtlingspolitik. Wachsenden Nationalismus und Rechtspopulismus verurteilte er scharf und verlangte Einsatz für das europäische Gesellschaftsmodell gegen die „Feinde der Freiheit“. Seine eigene Partei mahnt er, normalen Menschen zuzuhören und auf ihre Nöte einzugehen. Die Krise der EU trieb ihn um – wobei er gerne die Brüsseler Perspektive einnahm und vor allem den Streit der Mitgliedsstaaten kritisierte.

Anpacken

Obwohl das Amt als EU-Parlamentspräsident eher zeremoniell angelegt ist, präsentierte sich Schulz als Macher. Ein Beispiel: der Handelspakt Ceta mit Kanada. Im Herbst überzeugte er die vom Streit mit der Wallonie völlig entnervte kanadische Ministerin Chrystia Freeland, ihre Abreise zu verschieben und sich noch ein letztes Mal mit ihm zu treffen. Fernsehkameras standen bereit, das Überraschungsgespräch im Morgengrauen zu dokumentieren. Letztlich wartete Kanada die europäischen Kapriolen dann geduldig ab, und das Abkommen kam doch noch zustande.

Allianzen

In Brüssel und Straßburg stand Schulz für die informelle große Koalition mit der Europäischen Volkspartei und deren Vorsitzendem Weber. 2014 unterzeichneten beide einen Pakt, der Schulz bei der Wiederwahl zum Parlamentspräsidenten EVP-Stimmen sicherte. Dafür sollte er im Januar 2017 seinen Posten für einen EVP-Kandidaten räumen. Es ging aber nicht nur um Personal: Die beiden größten Fraktionen sahen den Pakt als Mittel, in Europa stabil und effizient Politik zu machen und der EU-Kommission zu Mehrheiten zu verhelfen.

Machtanspruch

Kleinere Parlamentsfraktionen wie die Grünen oder Linken fühlten sich in der Ära Schulz an den Rand gedrängt und ignoriert. Auch wurden Schulz Eigenmächtigkeiten vorgeworfen – sowohl inhaltlich, wenn er für das Parlament sprach, als auch bei der Besetzung von Spitzenposten im Haus. Etliche Abgeordnete zeigen sich nun erleichtert, dass neue Zeiten anbrechen.

Auf Bundesebene bemühte sich die SPD zuletzt um eine Lockerung ihres Verhältnisses zur Linken. So gab es Gespräche zwischen Noch-SPD-Chef Gabriel und Fraktionschef Thomas Oppermann etwa mit Linken-Spitzenkandidatin und Lafontaine-Ehefrau Sahra Wagenknecht. Gabriel nahm zudem an einem Treffen von Bundestagsabgeordneten teil, die Rot-Rot-Grün wollen.

Der Kanzlerkandidat der SPD wird im sozialen Netzwerk Reddit kräftig hochgejubelt. Die Fans des Ex-Europa-Politikers (61) verkünden dort etwa stolz, dass sie ein Parteibuch der Sozialdemokraten beantragt haben („Ich tat es“) und schreiben vom „Gottkanzler“, der Brücken baut.

Alles hart an der Grenze zur Satire, aber dem künftigen SPD-Chef gefällt's. Per Videobotschaft bedankte er sich bei den „lieben Reddit-Usern“, das sei „ja eine richtige Welle“ und eine „riesige Hilfe“. Und nutzte den knapp zwei Minuten langen Clip gleich für eine Mini-Wahlkampfrede, die inzwischen immerhin mehr als 30.000 mal auf YouTube angeklickt wurde.

Das dort eingerichtete Schulz-Konto hat nach Parteiangaben nicht die SPD selbst eingerichtet. Neben Schulz' Dankesworten gibt es da seit einigen Tagen auch den „Schulzzug“ zu hören: „Glück auf, der Schulzzug rollt“, erklingt es im schönsten Humptata-Stil auf die von der SPD geliebte Steigerlied-Melodie, „und er hat keine Bremsen, fährt mit voller Kraft ins Kanzleramt“. Das Video endet mit einem der beliebtesten Motive des Online-Fanclubs: Schulz' Antlitz im Stil von Barack Obamas blau-roten Plakaten aus der US-Wahl 2008.

Einen Wahlkampfslogan hat die kleine Schulz-Bewegung sich für den „hochenergetischen“ Hoffnungsträger auch schon ausgedacht. „Make Europe Great Again“, das sich praktischerweise „MEGA“ abkürzen lässt. Bei allem Augenzwinkern: Auf der Reddit-Seite „the_schulz“ feiern die Nutzer europäischen Zusammenhalt und sozialdemokratische Werte.

Von

dpa

Kommentare (8)

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Herr Vinci Queri

31.01.2017, 10:25 Uhr

>> Die Ernennung von Martin Schulz als Kanzlerkandidaten lässt die SPD weiter zulegen. >>

Diese NICHTSSAGENDEN Pseudoumfragen bringen mehr Verwirrung als Nutzen um den Capo-Schulz.

http://www.focus.de/finanzen/doenchkolumne/sein-lieblingsspruch-ihr-seid-alle-entlassen-eu-parlamentspraesident-schulz-unser-groesster-wichtigtuer-in-bruessel_aid_937381.html

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/03/29/eu-kontrollausschuss-vorwurf-der-vetternwirtschaft-gegen-martin-schulz/

https://www.youtube.com/watch?v=OYEk748GlxI


Herr Günther Schemutat

31.01.2017, 11:55 Uhr

Gestern war die Union noch bei 37 % heuet ist die Union bei 32,5 % und die SPD bei 26%. Man könnte glauben, dass hier ein Wetterbericht vorliegt und keine seriösen Umfragen. Aber es ist Wahlkampf und mit Faks und Manipulation wird sich auf die Bevölkerung eingeschossen. Von allen Seiten selbstverständlich und theoretisch braucht es keine Wahlveranstaltung, alles könnte im Netz und im Staatsfernsehen sich abspielen.

Auch Pressesprecher wie von Merkel z.B sind solange unglaubwürdig, bis Merkel
die Aussagen hier von Seibert persönlich bestätigt.

Herr Peer Kabus

31.01.2017, 12:12 Uhr

@Herr Vinci Queri

"Ihr seid Alle entlassen"

Bei dem Spruch müsste ihm Trump doch glatt sympathisch sein.

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