Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2014

12:30 Uhr

Institut für Arbeitsmarktforschung

Experten stellen Nahles' Rentenpläne infrage

ExklusivEine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, das zur Bundesagentur für Arbeit gehört, kommt zu dem Ergebnis: Weit mehr Menschen als erwartet werden Anspruch auf die abschlagfreie Rente mit 63 haben.

Stolz auf ihre Rentenpaket: Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. dpa

Stolz auf ihre Rentenpaket: Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles.

Die Kritik aus der Wirtschaft und vom Koalitionspartner CDU an den Rentenplänen von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) erhält neue Nahrung. Nun durch eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, die dem Handelsblatt (Freitagausgabe) vorliegt. Das IAB hat bei einem Abgleich der Leistungsdaten der Arbeitsämter festgestellt, dass weit mehr Menschen Anspruch auf die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren haben werden als bisher erwartet.

Grund ist die Absicht von Nahles, bei den 45 Beitragsjahren, die Voraussetzung für die neue Rentenleistung sind, auch Bezugszeiten von Arbeitslosengeld und vergleichbaren Entgeltersatzleistungen in unbegrenzter Höhe anzuerkennen. Die SPD-Politikerin hat sich damit über eine Absprache bei den Koalitionsverhandlungen mit der Union hinweggesetzt, maximal fünf Jahre Arbeitslosigkeit zu berücksichtigen. Nun ergibt die Untersuchung des IAB, dass allein in den alten Bundesländern mehr als 65.000 Versicherte, für die die neue Rentenleistung wahrscheinlich infrage kommt, zum Teil auf deutlich mehr als fünf Jahre Arbeitslosengeldbezug kommen. Die längste Bezugsdauer liege bei 4.433 Tagen, das sind gut zwölf Jahre, schreibt das IAB.

In der Union sorgt dies für Unmut. „Wenn zwölf Jahre Arbeitslosigkeit anerkannt werden, wird die ganze Idee der Rente mit 63 ad absurdum geführt. Wir wollten doch Menschen einen früheren Ausstieg ohne finanzielle Einbußen ermöglichen, die 45 Jahre geschuftet haben “, sagte Carsten Linnemann, Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung der CDU, dem Handelsblatt. Die Daten der IAB belegten klar, „wie richtig es war, uns bei den Koalitionsverhandlungen darauf zu verständigen, Zeiten der Arbeitslosigkeit maximal bis zu fünf Jahre anzuerkennen.“

Gleichwohl zeigt der Wirtschaftsflügel der Union Verständnis für das Ansinnen der SPD, durch die Anerkennung von Zeiten der Arbeitslosigkeit auch dafür zu sorgen, dass Opfer des Strukturwandels in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung früher abschlagsfrei in Rente gehen sollen. In Ostdeutschland ist der Anteil älterer Arbeitnehmer mit mehrfach unterbrochenen Erwerbsbiografien besonders hoch.

Wer soll das bezahlen?

Altkanzler Schröder kritisiert Rentenpaket

Wer soll das bezahlen?: Altkanzler Schröder kritisiert Rentenpaket

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Von

pt

Kommentare (20)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

DEUFRA2011

30.01.2014, 12:39 Uhr

Ich habe noch eine Idee für Frau Nahles: für jeden Arbeitslosen müssten alleine die Unternehmen und Arbeitgeber die Zahlungen in die RV übernehmen zu den dann gelten mittleren Beiträgen. Das würde bedeuten dass die Unternehmen ein Interesse hätten soviele Menschen wie möglich zu beschäftigen, den Arbeitslose würde für sie teuer. Dann ist das Problem mit der Rente gelöst. Absurd? Fragen Sie mal Frau Nahles.

DEUFRA2011

30.01.2014, 12:45 Uhr

Das Verständnis des Wirtschaftsflügels für die Arbeitslosen in Ost-Deutschland in Ehren, aber das muss dann nicht aus der RV (Versicherung !!) bezahlt werden sondern aus dem allgemeinen Steueraufkommen. Wieso müssen eigentlich immer nur die Arbeitnehmer für allgemeine Aufgaben zahlen? Nur weil die RV jetzt etwas in der Kasse hat? Komische Logik.

Marc

30.01.2014, 12:49 Uhr

Anscheinend beherrschen Frau Nahles und ihre Staatssekretäre das kleine Einmaleins nicht. Bei älter werdender Bevölkerung und somit längerem Rentenbezug und dem demografischen Wandel in Deutschland müssen immer weniger Arbeitende für die Rentner aufkommen. Es ist doch wirklich ein Unding, dass derartig kleingeistige Personen das Rentensystem zugrunde richten bzw.unserer jungen Generation Mühlsteine um den Hals hängen. Was geht in solchen Köpfen vor?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×