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26.08.2013

10:56 Uhr

Institut sieht Besserung

Der Lehman-Effekt

VonDietmar Neuerer

Als Lehman vor fünf Jahren pleiteging, geriet das Bankensystem ins Wanken. Als Konsequenz haben die EU-Staaten den Finanzmärkten Zügel angelegt. Es gibt erste Erfolge, doch lassen sich damit weitere Krisen verhindern?

Die Zentrale von Lehman Brothers in New York: Die Pleite der Bank hat die Politik aufgerüttelt - massive Finanzmarktregulierungen wurden in Gang gesetzt. dpa

Die Zentrale von Lehman Brothers in New York: Die Pleite der Bank hat die Politik aufgerüttelt - massive Finanzmarktregulierungen wurden in Gang gesetzt.

BerlinDer Staat blieb stur, und Lehman Brothers brach zusammen: Nachdem Gespräche über eine Finanzspritze gescheitert waren, musste die Investmentbank wegen missglückter Spekulationen auf dem US-Hypothekenmarkt am 15. September 2008 Insolvenz anmelden. Es war der Höhepunkt der Finanzkrise. Schockwellen gingen um die Welt und bewirkten ein Umdenken bei den Verantwortlichen in Notenbank und Regierung. Von nun an griffen die USA ein, wenn ein Finanzkonzern zu kippen drohte. Und auch die Europäer zogen Konsequenzen – mit Erfolg. Teilweise zumindest.

Die internationalen Finanzmärkte sind heute weitaus besser gegen Krisen gewappnet als noch vor fünf Jahren beim Zusammenbruch der US-Bank. Zu diesem Ergebnis kommt eine an diesem Montag in Berlin vorgelegte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Demnach trägt vor allem die verschärfte Eigenkapitalrichtlinie dazu bei, dass Banken ihre Geschäfte künftig besser absichern. Das wiederum macht das Finanzsystem als Ganzes robuster. „Durch die neuen Regeln ist das Geld der Steuerzahler bei Bankenkrisen besser geschützt als bisher“, sagt IW-Chef Michael Hüther. „Jetzt kommt es darauf an, dass sich die Finanzaufsicht als Schiedsrichter nicht scheut, bei Verstößen konsequent die Rote Karte zu ziehen.“

Neben einer verbesserten Aufsicht hält Hüther eine verbesserte Eigenkapitalausstattung und einen effektiven Abwicklungsmechanismus für unabdingbar, um Bankenkrisen weniger wahrscheinlich zu machen. Die Forderungen kommen nicht von ungefähr. Denn ab 2008, dem Jahr der Lehman-Pleite, bis 2011 stellten die EU-Staaten den Banken insgesamt fast 3,2 Billionen Euro zur Verfügung – vor allem in Form von Garantien und zusätzlichem Eigenkapital.

Dass soll sich nicht wiederholen. Um staatliche Finanzhilfen, für die am Ende der Steuerzahler geradestehen muss, künftig möglichst gering zu halten oder ganz zu vermeiden, wurden die Finanzmärkte in Europa zwar bereits kräftig umgekrempelt. Allerdings sind viele Maßnahmen aus IW-Sicht noch „zu vage oder zu sanft“. Dabei brächte ein härteres und vor allem frühzeitiges Durchgreifen gegen marode Geldinstitute durchaus Vorteile.

Bislang war die Insolvenz einer Bank eine rein nationale Angelegenheit. Das führte zu Rechtsunsicherheiten – im Fall der belgischen Dexia-Bank etwa musste die Europäische Kommission erst die Vereinbarkeit des Rettungsplans mit den EU-Beihilfevorschriften prüfen. Das habe Geld und Zeit gekostet, so die IW-Experten. Dabei sei rasches Handeln in Krisenfällen wichtig. „Ein Blick auf die Euro-Staaten zeigt, dass die Finanzkrise gerade in jenen Ländern recht schnell überwunden wurde, die ihre Problembanken konsequent abgewickelt haben – wie Deutschland und Österreich“, heißt es in der IW-Studie. Die Forscher räumen allerdings ein, dass die Daten über Bankenabwicklungen nur bis 2010 reichten – in vielen Ländern sei die Krise aber auch danach noch akut gewesen.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

26.08.2013, 11:44 Uhr

welche zügel ? das muss man mal den WS Goldjungen erklären,
die lachen sich scheckisch

Account gelöscht!

26.08.2013, 12:02 Uhr

Es ist absurd, dass es Geschäftsbanken erlaubt ist, nur minimal Eigenkapital vorzuhalten. Es spielt keine Rolle, ob es, je nach Rechentrick, 3% oder 7% sind - es ist der wesentliche Ursachenkern aller Finanzkrisen der vergangenen hundert Jahre.

Und man lernt nichts daraus. Wenn sich die Anlagen, in den die Bank investiert ist, im Wert auch nur etwas weiter sinken, ist die Bank von jetzt auf gleich pleite. Und reißt sofort ander Player im Markt mit. Und sinken kann der Wert dieser Anlagen - vornehmlich Finanzprodukte - indem andere Spieler im Casino ihre Computer so programmieren, dass diese ihnen einen geringeren Wert zumessen, worauf ander Player wieder reagieren. Ein Crash dauert heute nicht mehr Tage sondern nur noch Minuten und ist JEDERZEIT möglich.

Preise werden mittels Computer-Giralspielgeld festgesetzt, inzwischen mehrheitlich mittels Hochfrequenzhandel, Giralgeld kann die Bank (fast)nach Belieben selber "herstellen" :
Das ist der zweite Systemfehler, ein selbstebzügliches, virtuelles, globales Casino ohne Verankerung in der realen Welt. Aber mit der Kraft einer nuklearen Kettenreaktion, falls die virtuellen Wetten eingelöst werden müssen.

Entweder man setzt die EK-Quote der Banken auf 100% hoch oder man entzieht den Banken die Lizenz zur Giralgeldschöpfung. Beides vernünftige Ansätze, vorausgedacht von klugen Menschen vor langer Zeit. Nur aufgrund der Pervertierung unseres Finanzsystems und dessen SCHEINBAREN Erfolges erscheinen diese Ansätze heute als radikal. Sie sind aber die EINZIGEN, die nachhaltig sind.

"Systemrelevante Banken" dürfen nicht pleite gehen, haben wir ja zuletzt wieder von Lucke gehört und der CDU-Mann im Handelsblatt-Interview hat ihm nicht widersprochen. Der Weg zurück zur Vernunft ist unbegehbar.

Es kann morgen zuende sein, in einem Jahr oder auch in fünf. Sicher ist nur eins: Das System wird nicht überleben.

pro-D

26.08.2013, 12:03 Uhr

wow, die Ameise will dem Elefanten die Flügel anlegen???

Auch wenn die Bankster inzwischen das selbe Image haben, wie Staubsauger Vertreter und Nutten, so halten sie noch immer die Zügel fest in der Hand und wer ihnen in die Quere kommst, den schlachtet man (wie Herrn Wulff, H. Köhler). Noch ist die Zeit nicht reif für ein Umdenken. Und so lange werden in deutschjen Mastbetrieben die Tiere zu Tode gequält und der Ami kann in aller Ruhe seinen syrischen Krieg starten.

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