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28.02.2011

13:37 Uhr

Integrationsdebatte

Düsseldorfer Erdogan-Rede sorgt für Unmut

Erst kommt die Türkei, dann Deutschland - diese Ansage des türkischen Premiers an seine Landsleute in Deutschland sorgt für Unmut in Berlin. Außenminister Westerwelle wies die Einlassungen Erdogans zurück.

Erdogan: Integration ja, Assimilation nein

Erdogan: Integration ja, Assimilation nein

BerlinAußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat der Forderung des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan widersprochen, Kinder aus türkischen Familien in Deutschland sollten zuerst ihre Muttersprache lernen. "Die Kinder, die in Deutschland groß werden, müssen zuallererst Deutsch lernen", erklärte Westerwelle am Montag in Berlin. Ohne die deutsche Sprache kämen sie in der Schule nicht mit und hätten später schlechtere Chancen als andere. "Die deutsche Sprache ist für die, die in Deutschland groß werden, der Schlüssel zur Integration."

Erdogan hatte seine Landsleute am Sonntagabend bei einem Auftritt in Düsseldorf zur Integration aufgerufen, sich aber erneut gegen eine kulturelle Verschmelzung ("Assimilation") gewandt. "Niemand wird in der Lage sein, uns von unserer Kultur loszureißen", sagte Erdogan. "Unsere Kinder müssen Deutsch lernen, aber sie müssen erst Türkisch lernen." Mit einer ähnlichen Rede vor drei Jahren in Köln hatte Erdogan heftige Kritik in der deutschen Politik geerntet. "Wir werden nicht erlauben, dass meine Worte in den deutschen Medien verdreht werden", sagte er nun.

Die CSU forderte die Einbestellung des türkischen Botschafters in Deutschland wegen der Rede. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte am Montag in München, Erdogan habe die Türkei als Schutzmacht sowohl für die in Libyen als auch für die in Deutschland lebenden Türken bezeichnet. Dieser Vergleich von Libyen und Deutschland sei unzulässig. Dobrindt kritisierte ferner, der Auftritt von Erdogan habe die Integrationsbemühungen um Jahre zurückgeworfen. Es sei ein "bemerkenswerter Vorgang", wenn ein ausländischer Regierungschef den Besuch in Deutschland dazu nutze, seine hier lebenden Landleute "aufzuwiegeln". Dobrindt lehnte zugleich einen EU-Beitritt der Türkei strikt ab. Auch die Bürger wüssten, dass dieser Schritt eine Überforderung der Europäischen Union bedeuten würde. Man sei nicht bereit, auch noch "die Schulden der Türkei zu übernehmen".

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

28.02.2011, 11:16 Uhr

Nicht nur Außenminister Westerwelle muss sich gegen diesen Herrn stellen, sondern die Kanzlerin vor allem hat bis jetzt noch nichts verlauten lassen. Auch die Bundestagsabgeordneten, halten sich bedeckt. Warum nur frage ich mich???? Sind alle sogenannten Volkvertreter schon innerlich der Türkei beigetreten???
Schande über diese Volksverräter in der BRD.
Danke

Account gelöscht!

28.02.2011, 11:47 Uhr

Erdogan führt sich auf wie ein Kronprinz von Deutschland und hier genau ist auch das Problem. Den Türken wurde immer zuweit entgegen gekommen in Deutschland und keine Partei kämpft wirklich gegen Nachzug-Betrug und Schein-Ehe.

Und jetzt tut Erdogan so, als wenn er aber grosse Rechte hat bei den Deutschen und will partout nicht den Fuß aus der Tür ziehen, die Schröder/Fischer im aufgetan hatten.

Immer den Beleidigten oder Enttäuschten spielen, das ist schon Methode in der Kultur des Orient. Merkel und Sarkozy sollten da weiter freundlich ablehnend bleiben, bis Erdogan es endlich begreift, mit EU-Vollmitgliedschaft wird nichts.

bernie999

28.02.2011, 11:54 Uhr

Ich kann meinen Vorredners nur Beipflichten. Klar, wir sind die Gastgeber und Gäste verdienen auch eine entsprechende Behandlung. Aber, es sind Gäste in einem fremden Haus. Und in eben diesem Haus gilt es auch die Regeln des Hausherrn zu respektieren und Folge zu leisten. Es scheint mir hier einiges aus dem Ruder zu laufen mit all der Integrationstümelei die wie eine Krake um sich greift und immer neue Stilblüten treibt. Wo ist mein Land geblieben?

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