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25.05.2016

14:13 Uhr

Integrationsgesetz

Koalitionsspitzen loben Entwurf als „Meilenstein“

Die Koalition lobt sich kräftig für ihr Integrationsgesetz. „Wenn du dich reinhängst, dann wird hier was aus dir“, laute die Botschaft im Umgang mit Flüchtlingen. Kritiker halten den Entwurf aber für konterproduktiv.

Gabriel zum Integrationsgesetz

Klare Botschaft: „Du kannst hier aus deinem Leben was machen, wenn du dich anstrengst“

Gabriel zum Integrationsgesetz: Klare Botschaft: „Du kannst hier aus deinem Leben was machen, wenn du dich anstrengst“

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Meseberg/BerlinMit gezielten Angeboten zur Eingliederung auf der einen Seite und mehr Strenge für Integrationsverweigerer auf der anderen will die Bundesregierung den Flüchtlingsandrang bewältigen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht das am Mittwoch vom schwarz-roten Kabinett beschlossene Integrationsgesetz als „Meilenstein“, für Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) ist es „ein echter Paradigmenwechsel in Deutschland“.

Merkel sagte nach Abschluss der zweitägigen Kabinettsklausur auf Schloss Meseberg bei Berlin, der Staat mache Schutzsuchenden gute Integrationsangebote und verbessere ihren Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Integrationskursen. Der Staat erwarte aber auch, dass Flüchtlinge diese Angebote annähmen, damit Integration besser gelingen könne. Gabriel ergänzte, die Botschaft an Flüchtlinge sei: „Wenn du dich reinhängst, dann wird hier was aus dir.“ Das Integrationsgesetz sei ein erster Schritt Richtung Einwanderungsgesetz.

In dem Gesetzentwurf enthalten sind zahlreiche Verschärfungen wie Leistungskürzungen bei einer Verweigerung von Integrationsangeboten. Besonders umstritten ist die sogenannte Wohnsitzzuweisung. Geplant ist, dass der Staat anerkannten Flüchtlingen künftig unter bestimmten Bedingungen für einen Zeitraum von drei Jahren den Wohnort vorschreiben kann. Eine unbefristete Niederlassungserlaubnis sollen Flüchtlinge in Zukunft nur noch dann bekommen, wenn sie ausreichende „Integrationsleistungen“ vorweisen können.

Was das Integrationsgesetz beinhaltet

Wohnsitzzuweisung

Die Länder sollen die Möglichkeit bekommen, auch anerkannten Flüchtlingen für eine bestimmte Zeit den Wohnort vorzuschreiben. Ausgenommen sind jene, die einen festen Job haben oder eine Ausbildung machen.

Niederlassungserlaubnis

Wer eine unbefristete Niederlassungserlaubnis in Deutschland bekommen will, muss seinen Lebensunterhalt überwiegend selbst bestreiten können und ausreichend Sprachkenntnisse vorweisen.

Vorrangprüfung

Wenn sich ein Asylbewerber auf eine Stelle bewirbt, wird bislang immer erst ermittelt, ob sich nicht auch ein geeigneter Kandidat mit deutschem oder EU-Pass für den Job findet. Erst nach 15 Monaten fällt diese „Vorrangprüfung“ weg. Die Regelung soll nun befristet für drei Jahre ausgesetzt werden, allerdings nur in „Regionen mit unterdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit“.

Aufenthalt bei Ausbildung

Wer als Flüchtling eine Ausbildung anfängt, soll für deren gesamte Dauer in Deutschland bleiben dürfen - und sofern er danach einen passenden Job findet, im Anschluss noch zwei weitere Jahre („3+2-Regel“).

Integrationskurse

Das Angebot soll ausgebaut und die Wartezeit auf einen Platz im Integrationskurs verkürzt werden. Künftig sollen auch Flüchtlinge, die schon einfache Sprachkenntnisse haben, zur Teilnahme verpflichtet werden können.

Integrationsverweigerung

Gesetzlich soll festgeschrieben werden, dass jene, die zum Beispiel einen Integrationskurs abbrechen, mit einer Kürzung ihrer Sozialleistungen rechnen müssen.

Die Regierung will Mädchen und Frauen besser vor Übergriffen in Flüchtlingsheimen schützen, wie aus der vom Kabinett beschlossenen „Meseberger Erklärung“ hervorgeht. Man werde rasch mit den Ländern prüfen, ob der Bund ein eigenes Gesetz dazu vorlegt oder die Länder selbst Maßnahmen beschließen. „Übergriffe auf Frauen, Kinder und andere Schutzbedürftige werden wir nicht akzeptieren, ganz gleich ob sie gegen Bürger unseres Landes oder gegen Flüchtlinge gerichtet sind“, heißt es. Die SPD hatte Schutzkonzepte gefordert, nachdem es vermehrt Berichte unter anderem über sexuelle Übergriffe durch andere Flüchtlinge gab. Die Union legte sich zunächst quer.

Außerdem beschäftigte sich das Kabinett in Meseberg nach Merkels Worten intensiv mit der Digitalisierung in Deutschland, bei der viele Experten noch erheblichen Nachholbedarf sehen. Es ging um „eine Bestandsaufnahme dessen, wo wir bei der Umsetzung der Digitalen Agenda stehen“, sagte die Kanzlerin. So werde „das Thema Autonomes Fahren sehr schnell zu Rechtsveränderungen führen“.

Merkel und Gabriel beschrieben das Klima in der großen Koalition als gut und effizient. Es gebe „keine gigantischen Konfliktfelder abzuarbeiten“, man habe sich jetzt um „zwei wichtige Zukunftsfragen für dieses Land“ gekümmert. Gabriel räumte auf Nachfrage ein, es gebe zwar Streitthemen wie die Regelung der Erbschaftssteuer und den Umgang mit dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat - die in Meseberg besprochenen Bereiche Flüchtlingsintegration und Digitalisierung hätten jedoch viel größere Bedeutung. „Man konnte auch mal lachen“, fasste Merkel die Stimmung bei der Kabinettsklausur zusammen.

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