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14.08.2016

11:19 Uhr

Integrationskurse für Flüchtlinge

Starthilfe für Neu-Deutsche

Flüchtlinge sollen im Integrationskurs Deutsch lernen und Grundkenntnisse über die Bundesrepublik erhalten. Doch reicht das bisherige Angebot aus, um in Deutschland Fuß zu fassen? Was Forscher sagen.

Ein syrischer Flüchtling steht vor einer Landkarte Deutschlands. Reichen die Integrationskurse aus, um in Deutschland klar zu kommen? „Nein“, ist die Antwort vieler. dpa

Integrationskurs in Hannover

Ein syrischer Flüchtling steht vor einer Landkarte Deutschlands. Reichen die Integrationskurse aus, um in Deutschland klar zu kommen? „Nein“, ist die Antwort vieler.

NürnbergEs scheint eine relativ einfache Hörübung zu sein. Ein Anrufbeantworter gibt kurze Texte wieder: Ein Freund berichtet über Pläne für einen gemeinsamen Wanderausflug, eine Bekannte lädt zum Kinobesuch ein. Den Teilnehmern des Integrationskurses in Nürnberg fällt es jedoch schwer, die Anrufer zu verstehen. Lehrerin Gülsen Landshuter zeigt viel Geduld und spielt ihren Schülern die Übung mehrfach vor. Am Ende muss die 42-Jährige aber doch noch viel helfen, damit alle begreifen, worum es geht.

Die etwa 15 Teilnehmer – Flüchtlinge und EU-Ausländer – sind im vierten von sechs Sprachmodulen. Seit Februar läuft ihr Kurs. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bezeichnet die Integrationskurse als „Erfolgsmodell“. Doch reichen sie aus, um sich in Deutschland wirklich integrieren zu können?

Kritiker bezweifeln das. Denn nur etwa die Hälfte der Teilnehmer nehme überhaupt an den vorgesehenen Abschluss-Tests teil, sagt etwa Christoph Schroeder. Er leitet den Arbeitsbereich Deutsch als Fremdsprache an der Universität Potsdam und ist Mitglied im Rat für Migration. Von den Teilnehmern der Tests wiederum bestünden nur etwa 60 Prozent das Sprachlevel „B1“, das ihnen „ausreichende Sprachkenntnisse“ bescheinigt.

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Nach Zahlen der Forscher haben seit der Einführung vor elf Jahren mehr als eine Million Menschen einen Integrationskurs begonnen. Abgeschlossen haben ihn demnach jedoch nur etwa 660.000. Und den Test absolvierten noch weniger. Schroeders Schluss: Zwei Drittel der Teilnehmer fallen aus dem System heraus. „Die Kurse sind offensichtlich nur bedingt in der Lage, auf die Herausforderungen zur Integration von Flüchtlingen und Migranten angemessen zu reagieren“, sagt der Forscher.

Seiner Ansicht nach das größte Problem: Neben anerkannten Flüchtlingen sowie Asylbewerbern mit guten Bleibechancen sind die Kurse auch für Ausländer gedacht, die schon länger in Deutschland leben. Manche Teilnehmer hätten daher bereits gute Deutschkenntnisse, andere gar keine. Und manche Flüchtlinge sind traumatisiert, andere Teilnehmer wollen am liebsten bald schon studieren.

Sonja Ziyal vom Nürnberger Bildungszentrum sieht das positiv: „Etwas Heterogenität ist unserer Erfahrung nach gut. Je bunter die Mischung bei den Teilnehmern, desto größer ist der Lerneffekt im Sozialen.“ Hier erlebten die Teilnehmer, was ihnen auch im realen Leben begegne.

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