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23.07.2016

20:45 Uhr

Internationale Reaktionen zu München

Verunsicherung in Europa

„Solidarisch, bewegt und erschüttert“: Die europäischen Nachbarn sind schockiert und fassungslos vom Amoklauf in München. Manche hatten diese Tat in Deutschland für kaum möglich gehalten. Die internationalen Reaktionen.

Viele europäische Nachbarn kennen diese Sicherheitslagen, doch in Deutschland hatten es manche nicht erwartet. AP

Sperrzone München

Viele europäische Nachbarn kennen diese Sicherheitslagen, doch in Deutschland hatten es manche nicht erwartet.

Der Amoklauf in München ist nicht nur in Deutschland das alles bestimmende Thema. Die europäischen Nachbarn sind schockiert und nehmen Anteil an der Trauer in der bayerischen Landeshauptstadt. Einige Politiker legten sich etwas vorschnell aus einen Terroranschlag fest. Doch gerade in Frankreich ist das nach den frischen Erinnerungen an die Toten von Nizza nachvollziehbar. Die gesammelten Eindrücke der Handelsblatt-Korrespondenten.

In Frankreich wird ausführlich über die Entwicklungen in München berichtet. Alle Medien sind voll von Artikeln. Seit gestern Nachmittag gab es Livestreams und Liveberichte in den Radios. Obwohl noch niemand die Hintergründe kennt, gibt es schon politische Reaktionen. Staatspräsident Hollande hat schon in der Nacht ein Kommuniqué veröffentlicht. „Der Terroranschlag von München, der zahlreiche Opfer gefordert hat, ist ein neuer scheußlicher Akt, der Grauen in Deutschland verbreiten soll, wie zuvor in anderen europäischen Ländern. Deutschland wird dem entgegentreten. Es kann auf die Freundschaft und Zusammenarbeit Frankreichs zählen. Der Präsident der Republik drückt dem deutschen Volk seine Sympathie und Unterstützung aus in diesen schweren Stunden. Er hat der Kanzlerin schon in den ersten Stunden eine persönliche Botschaft geschickt. Am Samstag morgen wird er sich mit ihr unterhalten.“

Premier Valls erklärt: „Wir sind bewegt und völlig solidarisch mit unseren deutschen Freunden.“ Nicolas Sarkozy sprach auch schon von einem Terrorakt: „Wir sind sehr bewegt angesichts des gewaltsamen Terroranschlag, der München und das deutsche Volk trifft. Wir stehen an der Seite unserer deutschen Freunde.“ Thomas Hanke, Paris

Amokläufe in Deutschland

10. Juli 2015: Ansbach

Ein 47-jähriger Mann erschießt bei einer fast zweistündigen Amokfahrt im fränkischen Landkreis Ansbach eine 82-jährige Frau und einen 72 Jahre alten Fahrradfahrer, danach beschießt oder bedroht er weitere Menschen, bevor er an einer Tankstelle gefasst wird. Ein Gutachter bescheinigt bei ihm eine „akute Psychose“.

28. Februar 2014: Düsseldorf/Erkrath

Der 48-jährige Koch Yanqing T. tötet in zwei Anwaltskanzleien in Düsseldorf und dem benachbarten Erkrath zwei Frauen und einen 54-jährigen Anwalt. Dann legt er in den Büroräumen Feuer und fährt zu einer Pizzeria nach Goch an der deutsch-niederländischen Grenze, um seine Ex-Chefin zu töten und deren Restaurant anzuzünden. Er wird überwältigt und sieben Monate später zu lebenslanger Haft verurteilt. Auslöser der Taten war laut Gericht ein Rachefeldzug gegen Anwälte, von denen er sich in einem Rechtsstreit mit seiner Ex-Chefin schlecht vertreten fühlte.

19. September 2010: Lörrach
17. September 2009: Ansbach

17. September 2009: Ein 18-Jähriger dringt mit Molotow-Cocktails, einem Beil und Messern bewaffnet in ein Gymnasium im mittelfränkischen Ansbach ein. Dabei verletzt er 15 Schüler und Lehrer, einige davon schwer. Er wird später wegen versuchten Mordes in 47 Fällen verurteilt.

11. Mai 2009: Sankt Augustin

Ein geplanter Amoklauf einer 16-jährigen Schülerin an einem Gymnasium in Sankt Augustin wird gerade noch vereitelt. Bei der Vorbereitung der Bluttat wird die mit Molotowcocktails, einer Schreckschusswaffe und einem Kurzschwert bewaffnete Jugendliche auf der Schultoilette von einer 17-jährigen Mitschülerin überrascht. Die 16-Jährige attackiert sie mit dem Schwert und verletzt sie schwer. Die Täterin flieht, stellt sich aber später der Polizei.

1. März 2009: Winneden

Bei einem Amoklauf in Baden-Württemberg sterben 16 Menschen. In einer Realschule in Winnenden erschießt der 17-jährige Täter drei Lehrerinnen und neun Schüler, auf der Flucht tötet er drei Passanten, bevor er in einem Schusswechsel mit der Polizei selbst stirbt.

20. November 2006: Emsdetten

Bei einem Amoklauf eines schwer bewaffneten Ex-Schülers einer Realschule in Emsdetten im Münsterland werden insgesamt 37 Menschen verletzt, sechs davon durch Schüsse des Täters. Der 18-Jährige zündet zudem mehrere selbst gebaute Rohrbomben und Rauchkörper, bevor er sich in dem Schulgebäude mit einem Kopfschuss selbst tötet.

26. April 2002: Erfurt

Ein 19-jähriger Amokläufer erschießt 16 Menschen am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Zu den Opfern zählen zwölf Lehrer, zwei Schüler, die Schulsekretärin und ein Polizist. Nach der Tat tötet sich der Schütze selbst.

1. November 1999: Bad Reichenhall

Ein 16-Jähriger schießt in Bad Reichenhall aus seinem Elternhaus wahllos auf Passanten. Zwei sind sofort tot, einer stirbt später. Bevor er sich selbst tötet, bringt der Täter auch seine 18-jährige Schwester um. Er hatte die Waffen, aus denen er die tödlichen Schüsse abfeuerte, aus dem Waffenschrank seines Vaters geholt.

Der britische Außenminister Boris Johnson hat sich „zutiefst schockiert“ und „traurig“ über die tödlichen Schüsse in München geäußert. Johnson reagierte mit einem Tweet auf den Anschlag, der sich im Olympiaeinkaufszentrum in München ereignete. „Meine Gedanken sind bei den Opfern, deren Liebsten und ganz Deutschland zu dieser Zeit“, schrieb Johnson. Carsten Herz, London

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