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30.09.2013

18:28 Uhr

Internet-Attacken

AfD weist eigene Anhänger in die Schranken

VonDietmar Neuerer

Die Anhängerschaft der Euro-Gegner-Partei AfD nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Vor allem im Internet giften unbekannte User gegen vermeintliche Kritiker. Das geht nun auch der Bundespartei zu weit.

Bernd Lucke, Chef der Partei Alternative für Deutschland (AfD): Die Anhänger der Partei gehen mit Journalisten hart ins Gericht. dpa

Bernd Lucke, Chef der Partei Alternative für Deutschland (AfD): Die Anhänger der Partei gehen mit Journalisten hart ins Gericht.

BerlinDie euro-kritische Alternative für Deutschland (AfD) hat ihre Anhänger zur Mäßigung bei der Meinungsäußerung im Internet aufgefordert. Hintergrund sind heftige Attacken auf den stellvertretenden Chefredakteur der "Welt"-Gruppe Ulf Poschardt auf seiner Facebook-Pinnwand. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum einige wenige die ungeschriebenen Gesetze einer klugen Streitkultur hinter sich lassen und im Netz völlig unterhalb der Gürtellinie einzelne Journalisten angreifen“, erklärt die Bundespartei in einer Mitteilung. „Insbesondere distanziert sich der Bundesvorstand von den Beleidigungen gegen Dr. Ulf Poschardt auf dessen Facebook-Profil.“

Die Anfeindungen waren offenbar so massiv, dass Poschardt bei Facebook von einem „Fluten“ seines Email-Accounts sprach: „niveau sinkend, stets beleidigend und selbst irre beleidigt. erschütternde dokumente eines verängstigenden kleinbürgertums, das gerne zu einem herrn professor aufschaut.“

Was Poschardt erlebt, scheint im Netz der Normalfall zu sein. Auch Artikel bei Handelsblatt Online werden oft mit heftigen Leserkommentaren vermeintlicher AfD-Anhänger überzogen und die Autoren als „Systemschreiber“ oder „Mietmaul der Blockparteien“ verunglimpft.

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Auch die Printausgabe des Handelsblatts war ins Kreuzfeuer von AfD-Anhängern geraten, nachdem es berichtet hatte, dass Parteichef Bernd Lucke ernsthaft Wähler vom rechtsextremen Rand für sich gewinnen will. „Grundsätzlich ist es gut, wenn jemand uns wählt und nicht die NPD“, hatte Lucke im Gespräch mit dem Handelsblatt gesagt. „Ohne uns gäbe es die Gefahr, dass enttäuschte Wähler, die eigentlich gar nicht rechts sind, aus Protest extremistische Parteien wählen“.

Die Berichterstattung, die auch bei Handelsblatt Online stattfand, entfachte einen regelrechten Shitstorm im Netz, woraufhin Chefredakteur Oliver Stock einen offenen Brief an die AfD-Sympathisanten veröffentlichte und darin unter anderem erklärte: "Ich meine, die Anti-Euro-Partei und ihr Chef sollten sich deutlich von diesen falschen Freunden distanzieren. Das habe ich als Leser des Gesprächs mit Herrn Lucke vermisst."

Kommentare (174)

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Fordler

30.09.2013, 18:45 Uhr

Wie will man denn feststellen, ob es sich um AfD Anhänger handelt?

LB_Brandt@web.de.

30.09.2013, 18:47 Uhr

Die Personen, die sich hier daneben benehmen werden, sollte es zu Neuwahlen kommen bzw. bei der Europawahl und den Landtagswahlen, der AfD schweren Schaden zufügen. Für mich ist die AfD z. Zt. die letzte rechtsliberale Partei und wir brauchen sie dringend um die linkslastige Politik der BRD in die Mitte zu führen.

Beratung

30.09.2013, 18:51 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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