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13.01.2009

11:08 Uhr

Interview

„Autoindustrie muss durch ein Tal gehen“

Renate Künast ist Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/ Die Grünen. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht Künast über grüne Wirtschaftskompetenz, die Automobilindustrie in der Krise und Schnittmengen mit der FDP.

Renate Künast: "Die Autoindustrie muss sich jetzt sofort ökologisch umstellen, wenn sie in einigen Jahren noch wettbewerbsfähig sein will." Foto: AP ap

Renate Künast: "Die Autoindustrie muss sich jetzt sofort ökologisch umstellen, wenn sie in einigen Jahren noch wettbewerbsfähig sein will." Foto: AP

Was ist die grüne Botschaft zum Jahresauftakt?

Wir brauchen Konjunkturstützung, aber sie muss sich an Arbeit, Bildung, Klima und Gerechtigkeit ausrichten.

Ihre Ideen sind vor allem mittelfristig angelegt - das hilft Kurzarbeitern bei Mercedes nichts.

Wir fordern seit langem einen Energiesparfonds. Der würde sofort Arbeitsplätze schaffen, ebenso wie mehr Gebäudesanierung, die Kraft-Wärme-Kopplung und die Auflösung des kommunalen Investitionsstaus. Mit Verlaub, jetzt Milliarden für Altes wie eine Abwrackprämie auszugeben und so die Schulden für Kinder und Enkel hochzutreiben, ist nicht okay. Man muss handeln, aber so, dass neue Industrien und Arbeitsplätze entstehen und ein Nutzen bleibt für die, die es bezahlen müssen.

Die Automobilindustrie muss sich eben gesundschrumpfen?

Zumindest muss sie durch ein Tal gehen, weil sie Autos produziert hat, die keiner will. Abwrackprämien wären nur legitim, wenn als Ersatz Autos mit einem CO2-Ausstoß von maximal 120 Gramm gekauft werden. Die Autoindustrie muss sich jetzt sofort ökologisch umstellen, wenn sie in einigen Jahren noch wettbewerbsfähig sein will.

Bisher traut der Wähler Ihnen wirtschaftspolitisch nichts zu...

Falsch, die Leute merken, dass wir uns Gedanken machen, wie aus Blue-Collar-Jobs Green-Collar-Jobs werden, und dass das die Jobs der Zukunft sind. Und durch erneuerbare Energien haben wir schon viele Jobs geschaffen - wir, und nicht andere.

Das Bankenrettungspaket haben die Grünen abgelehnt.

Und wir hatten recht. Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Steinbrück haben es so miserabel gemacht, dass die Kreditvergabe weiter klemmt und sie deshalb jetzt mit dem Deutschlandfonds mühsam nachsteuern müssen.

Warum wollen Sie eine Ampel, obwohl Ihnen die FDP so fremd ist?

Im Fünfparteiensystem müssen wir uns auch auf neue Konstellationen einstellen. Es geht nicht darum, was uns auf ewig verbindet, sondern darum, ob wir ein Programm auflegen können, das Deutschland in der nächsten Wahlperiode voranbringt. Da sehe ich gute Chancen sowohl in der Bildung als auch bei der Ökologisierung der Energie- und Automobilbranche.

Die Fragen stellte Barbara Gillmann.

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