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28.07.2012

11:11 Uhr

Interview

„Die Regierung muss endlich von der Bremse runter“

VonBarbara Gillmann

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast fordert strengere Klima-Auflagen und höhere Strompreise für Großkunden. Für die Politikerin steht fest: Schwarz-Gelb hat viel Zeit bei der Energiewende verplempert.

Fraktionschefin von Bündnis 90/Die Grünen, Renate Künast: „Wir brauchen viel Industrie“. dpa

Fraktionschefin von Bündnis 90/Die Grünen, Renate Künast: „Wir brauchen viel Industrie“.

BerlinHandelsblatt: Frau Künast, soll Deutschland in 20 Jahren noch Industrieland sein, mit allem, was raucht und qualmt?

Deutschland kann sogar ein führendes Industrieland sein, mit einer modernisierten Chemieindustrie, einer Automobilindustrie, die vernetzte Mobilität anbietet, und einem Maschinenbau, der bei allem, was dampft und klappert, den Ressourcenverbrauch minimiert hat. Plus der vierten Schlüsselindustrie Umwelttechnik. Wir brauchen einen hohen Industrieanteil.

Aber mehr Industrie bedeutet immer noch mehr Strombedarf.

Das muss sich weiter entkoppeln und das geht auch. Wir stellen in Deutschland mit hohem Energie- und Ressourcenverbrauch Autos her, die dann 23 Stunden am Tag ungenutzt parken. Die Autokonzerne müssen ihre Palette erweitern und Mobilitätskonzepte anbieten. Hier liegt die Zukunft im Car-to-go, dem flexiblen Leihauto. Junge Leute in Städten haben schon heute kein Auto mehr. Ihnen geht es um Bewegung, nicht um Statussymbole.

Der Umweltminister sagt, zehn Prozent weniger Strom bis 2020 ist zu anspruchsvoll.

Ist es nicht. Wir müssen nur endlich damit anfangen. Diese Regierung hat bei der Energiewende viel Zeit verplempert - vor allem der Wirtschaftsminister, der Amt und Aufgabe gar nicht verstanden hat. Viele Unternehmen sind längst weiter und fühlen sich von dieser Regierung alleingelassen.

Wie Netzagentur und Betreiber den Netzausbau stemmen

Ausbau ist zentrales Thema

Der Ausbau der Stromnetze ist ein zentrales Thema der Energiewende. In Zukunft muss verstärkt Strom transportiert werden, etwa von den Windkraftanlagen an der Nordsee zu den Verbrauchern in Süddeutschland. Die Planung des Stromnetzes der Zukunft ist ein komplizierter Prozess, an dem die Bundesnetzagentur und die vier großen Übertragungsnetzbetreiber beteiligt sind.

Am Dienstag informierte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über den Stand des Ausbaus der Stromnetze.

Netzplanung

Die Planungen zum Netzausbau konzentrieren sich derzeit auf bestehende und künftig notwendige Stromautobahnen, die nötig sind, um Energie durchs Land zu transportieren. Dabei handelt es sich um das sogenannte Höchstspannungsnetz. Die vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Tennet, Amprion und TransnetBW haben den Bedarf an Leitungen für die nächsten zehn Jahre ermittelt.

Sie überreichten der Kanzlerin nun den Entwurf eines "nationalen Netzentwicklungsplans", mit dem das Netz für die Zukunft gerüstet werden soll. Der Plan soll am Mittwoch vorgestellt und danach öffentlich diskutiert werden.

Transporttrassen

Ist die grobe Planung des künftigen Netzes fertig, schlagen die Netzbetreiber dann im Detail vor, wo und wie das Netz verstärkt oder ausgebaut werden soll. Die Firmen müssen Korridore festlegen, in denen sie Stromtrassen verlegen wollen, und Alternativen vorstellen. Auch die erwartbaren Folgen für Mensch und Umwelt müssen aufgezeigt werden.

Die Netzbetreiber verfeinern dann immer weiter ihre Pläne - etwa bis auf die Ebene der Standorte einzelner Strommasten -, stellen diese öffentlich zur Diskussion und müssen sie zudem von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen.

Stromleitungen

Bislang bestehen die Höchstspannungsnetze nach Angaben der Bundesnetzagentur ausschließlich aus Überlandleitungen. Diese sind vergleichsweise kostengünstig und einfach zu warten. Nachteil ist allerdings, dass sie das Landschaftsbild durch ihre Größe beeinträchtigen und Tiere verschrecken können.

Zudem sind sie witterungsanfällig. Derzeit wird auch die Verlegung unterirdischer Erdkabel erprobt. Diese sind zwar wetterunempfindlich und stören nicht in der Landschaft. Dafür ist das Verlegen aufwändig, Reparaturen kompliziert sowie die Kosten deutlich höher.

Was erwarten sie vom Zehnpunkteplan, den der Umweltminister diese Woche vorlegen will?

Die Regierung muss endlich von der Bremse runter.

Konkret?

Wir müssen uns in Europa für minus 30 Prozent CO2 bis 2020 einsetzen. Das schafft sanften Druck auf andere Mitgliedstaaten. Wir brauchen eine Effizienzkampagne: nicht nur für Autos und Kühlschränke, sondern auch für die Produktionsprozesse. Ein Klimaschutzgesetz muss bei Verkehr, Wärme und Strom scharfe Vorgaben machen, um einen Innovationsschub auszulösen.

Für große Energieverbraucher will Peter Altmaier weiter Ausnahmen.

Das ist ein fataler Fehler. Ohne Anreiz gibt es keine Innovation.

Aluwerke sind wegen der Strompreise pleitegegangen - sind das die Verlierer der Energiewende?

Wir müssen die Ausnahmeliste kritisch durchgehen, wer was leisten kann. Zementwerke etwa stehen nicht im internationalen Wettbewerb. Aluminiumwerke eher, aber auch dort müssen wir checken, was geht. Wenn wir den Klimawandel stoppen wollen, müssen wir anders wirtschaften.

Kommentare (10)

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Tilly

28.07.2012, 11:23 Uhr

Die widerlichen Grünsozen wollen Deutschland deindustrialisieren. Sie werden Erfolg haben.

Account gelöscht!

28.07.2012, 12:09 Uhr

Auch die Schulpolitik in NRW steht hier für ein Beispiel "Rot/Grüner" Misswirtschaft, die Zustimmung zum Fiskalpaket vom Bonus-Meilen Flieger Herrn Ö. legt geradezu offen das "Vergemeinschaftungs-Prinzip" Grüner Ideolgen auf den Tisch.
Wer künftig hierfür noch votiert kann nur unter Demenz oder Verbrämtheit erkrankt sein, - leider breiten sich diese Krankheitsbilder in der deutschen Bevölkerung seuchenartig immer mehr aus. Ein Antidot ist nicht in Sicht,Deutschland auf dem Weg in eine Bananenrepublick, am Abgrund seiner Daseiensberechtigung.

Froschretter

28.07.2012, 12:16 Uhr

Die grüne Schraube hat dafür gesorgt daß:
Ackerflächen vernichtet werden,
Lebensmittel verbrannt werden,
Strom us Kernkraft importiert wird,
die Chinesen die Solarindustrie ruinieren,
.....

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