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14.09.2013

09:57 Uhr

Interview

Evangelische Kirche ruft Deutsche zum Wählen

Der EKD-Ratsvorsitzende Schneider lässt Politikverdrossenheit nicht als Ausrede gelten, nicht zur Wahl zu gehen. Es gibt eine Verantwortung der Regierten, sagt er. Sein Appell: „Nehmt Euer Wahlrecht wahr!“

EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider ist wichtig: „Achtet auch bei der Wahl auf den Zusammenhalt in der Gesellschaft!“ dpa

EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider ist wichtig: „Achtet auch bei der Wahl auf den Zusammenhalt in der Gesellschaft!“

BerlinDie Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) fordert die Bundesbürger auf, zur Wahl zu gehen. Von der künftigen Regierung erwartet EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider, dass sie die Gesellschaft im Inneren zusammenhält. Im dpa-Interview appelliert er zugleich an Bund und Länder, mehr Flüchtlinge aufzunehmen.

Am übernächsten Sonntag ist Bundestagswahl, an diesem Wahl in Bayern. Was wollen Sie den Bundesbürgern, was wollen Sie insbesondere den 25 Millionen evangelischen Christen mit auf den Weg zur Wahlurne geben?

Nikolaus Schneider: Nehmt Euer Wahlrecht wahr und wählt eine demokratische Partei! Denn es gibt nicht nur eine Verantwortung der Regierenden, sondern es gibt auch eine Verantwortung der Regierten - das schärft uns Protestanten schon die „Barmer Theologische Erklärung“ von 1934 ein. Eine Demokratie fällt nicht vom Himmel, sie muss immer wieder neu errungen und gestaltet werden. Die Demokratie wurde in der Geschichte unseres Landes einmal verspielt. Wir haben eine große Verpflichtung gegenüber den Menschen, die in der Nazi-Diktatur ihr Leben eingesetzt haben, unsere demokratische Ordnung zu bewahren und fortzuentwickeln. Ich bin davon überzeugt, dass Demokratie nach wie vor die beste Form der Regierung ist. Ich rufe dazu auf: Macht die Ränder nicht stark, das tut unserer Demokratie nicht gut. Achtet auch bei der Wahl auf den Zusammenhalt in der Gesellschaft!

Was erwarten Sie von der künftigen Bundesregierung?

Ich erwarte, dass eine künftige Bundesregierung den Zusammenhalt der Gesellschaft fördert und im Blick behält, dass keiner verloren geht. Zudem erwarte ich, dass sie Schwerpunkte setzt, etwa in der Sozialpolitik. Aber auch in der Bildungspolitik: Hier muss sie in Zusammenarbeit mit den Bundesländern sich für die Verwirklichung von gleichen Bildungschancen einsetzen. Ich erwarte des weiteren, dass sie in den Fragen Europas weiter am Zusammenwachsen Europas arbeitet. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in Zukunft mehr und nicht weniger Europa brauchen. Schließlich habe ich die Erwartung, dass die künftige Bundesregierung eine überzeugende Friedenspolitik betreibt. Es ist sehr erfreulich, dass die Bundesregierung sich in der jetzigen Situation bemüht, nicht dem Militärischen den Vorrang zu geben.

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Ungeachtet der diplomatischen Bemühungen geht der Bürgerkrieg in Syrien weiter. Was erwarten Sie von der internationalen Politik und was von der deutschen?

Von der internationalen Politik erwarte ich, dass sie die Konfliktparteien an den Verhandlungstisch holt. Und dass sie Gewalt eindämmt, indem vor allem nicht immer neu Waffen geliefert werden. Von der Bundespolitik erwarte ich darüber hinaus, dass sie auf die humanitären Katastrophen reagiert und die nötigen Hilfen bereitstellt, damit Menschen Zuflucht auch in unserem Land finden. Außerdem ist es nötig, alle humanitären Hilfsbemühungen in Syrien und in den Nachbarländern, die ja die Hauptlast zu tragen haben, durch Sachmittel und Geld zu unterstützen. Zum Beispiel ist es notwendig, in den Flüchtlingslagern Schulen einzurichten.

Man geht von 5000 Flüchtlingen aus, die nach Deutschland kommen sollen. Hat Deutschland damit sein Kontingent ausgeschöpft, oder geht da noch mehr?

Da geht noch mehr, auf jeden Fall! Die Zahl 5000 berücksichtigt jedoch nicht, dass viele Bundesländer offen sind für den Familiennachzug. Und ich hoffe sehr, dass möglichst viele Bundesländer mit einer großzügigen humanitären Geste Zufluchtsmöglichkeiten in unserem Land eröffnen.

Von

dpa

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

14.09.2013, 10:11 Uhr

@Santos

Ist dein armer Papagei gestorben?

Account gelöscht!

14.09.2013, 10:17 Uhr

Die Kirche hat genug Gründe erst einmal Demokratie bei sich selber einzufordern. Dann kann sie beweisen wie eine
friedliche Vereinigung zwischen Katholiken und Protestanten
erreicht wird.

Was Flüchtlinge betrifft, ist der Platz vor dem Vatican so groß, dass er locker 50 000 Tausend Syrer aufnehmen kann. Man muss es nur wollen und nicht von anderen fordern, wie Russen,Amerikaner Vatican und EU und alle denken fürsorglich an Deutschland und denken selber nicht daran, auch nur einen Syrier aufzunehmen.

Account gelöscht!

14.09.2013, 10:24 Uhr

"Da geht noch mehr, auf jeden Fall! Die Zahl 5000 berücksichtigt jedoch nicht, dass viele Bundesländer offen sind für den Familiennachzug. Und ich hoffe sehr, dass möglichst viele Bundesländer mit einer großzügigen humanitären Geste Zufluchtsmöglichkeiten in unserem Land eröffnen."
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Vielleicht sollten Sie mal die BEVÖLKERUNG fragen, ob sie das will, Herr Schneider! Ich befürchte, die Antwort würde sie von ihrem hohen Roß holen! Es ist leicht, großzügig zu sein, wenn man selber die Folgen dieser Großzügigkeit nicht tragen muß!

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