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03.03.2011

14:28 Uhr

Interview Gert G. Wagner

"Datensicherheit bei Volkszählung zu jedem Zeitpunkt gegeben"

VonHeike Anger

ExklusivAls Vorsitzender der von der Regierung berufenen Zensuskommission soll Gert G. Wagner die laufende Volkszählung in Deutschland kritisch begleiten. Das Handelsblatt sprach mit dem Professor für Wirtschaftspolitik.

Gert G. Wagner Quelle: dpa

Gert G. Wagner

In den 1980er Jahren protestierten die Bürger vehement gegen die Volkszählung. Glauben Sie, dass sich auch dieses Mal noch eine breite Boykott-Bewegung formiert?

Wagner: Danach sieht es im Moment nicht aus. Vieles hängt davon ab, ob es in den Befragungswochen andere Aufgeregtheiten geben wird. Sollte die Republik dann gerade nichts bewegen, dann kann auch die Volkszählung wieder zu einem Medienereignis werden. Allerdings gibt es gar keinen Grund, sich aufzuregen. Faktisch geht keine Gefahr vom Zensus aus. Die Datensicherheit ist zu jedem Zeitpunkt gegeben.

Kritiker sehen das anders.

Ja, sicherlich. Das ist deren gutes Recht. Aber es handelt sich um einen Datensatz, der extrem geschützt ist. Der liegt nicht auf normalen Behördenrechnern, sondern auf abgeschotteten Computern, die nur zum Zweck der Volkszählung benutzt werden. Es entsteht auch keinesfalls eine Nummer, die der Bürger auf immer und ewig mit sich herumschleppt und die in allen möglichen Dateien zu finden wäre.

Datenschützer fürchten trotzdem Hacker-Angriffe und Datenklau.

Hacker sehen das als eine sportliche Herausforderung an. Aber mal ehrlich: Beim Zensus werden doch vergleichsweise langweilige Daten erhoben. Für Marketing-Zwecke etwa sind die total ungeeignet. Was Google über jemanden abspeichert, der eine Suchanfrage startet, sagt viel mehr über eine Person aus. Und bei Facebook finde ich doch auch viel interessantere Informationen über meine Nachbarin als wenn ich die Volkszählungsdatei knacke.

Reagieren die Menschen im Zeitalter von Facebook ohnehin weniger sensibel auf Datensammlungen?

Ich glaube nicht, dass die Facebook-Mentalität eine Volkszählung erleichtert. Bei sozialen Netzwerken stellt eine Person die Informationen freiwillig ins Internet, beim Zensus bekommt sie eine Pflicht auferlegt. Das ist ein Unterschied.

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