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23.01.2006

07:00 Uhr

Interview

Koch: Börse muss deutsch bleiben

VonHermann-Josef Knipper

Der hessische Regierungschef möchte den Einfluss der Frankfurter Geldhäuser auf die heimische Börsengesellschaft stärken.

Roland Koch Foto: dpa Quelle: dpa

Roland Koch Foto: dpa

Herr Ministerpräsident, wo steht der Finanzplatz Anfang 2006?

Für den Finanzplatz brauchen wir eine realistische Grundeinschätzung. Er gehört zu den Top Ten in der Welt, aber er wird auch keinen unsinnigen Wettbewerb mit London um Platz eins in Europa führen. Frankfurt ist die stabile Nummer zwei. Wir müssen nur aufpassen, das wir nicht auf die Bedeutung einer zentraleuropäischen Drehscheibe oder eines Magneten im deutschsprachigen Raum reduziert werden – auch wenn das ökonomisch reizvoll erscheint. Frankfurt braucht die internationale Perspektive, es muss ein Platz sein, auf dem Produktinnovationen stattfinden. Das muss nicht überall gleichzeitig geschehen, beispielsweise kommen wir im Investmentbanking nicht in Führung, dafür sind wir im Asset-Managenent stärker aufgestellt als London.

Ist die Krise der Banken überwunden?

Die schwierigste Phase der Kreditwirtschaft ist überwunden, wir sehen schon wieder eine Reihe von kleinen und mittleren Instituten, die neue Teams aufbauen. Da gibt es deutliche Hoffnungsschimmer am Horizont. Das müssen wir jetzt unterstützen mit neuen Produkten wie etwa Reits. Und: Das House of Finance und auch die Universität müssen das Rückgrat des Finanzplatzes werden, das hat man in den 80iger Jahren versäumt.

Ihre Pläne für die Novellierung des hessischen Sparkassengesetzes haben für Wirbel gesorgt. Warum sind die Reaktionen so heftig?

Wir schützen die Sparkassen in der Säule. Aber innerhalb dieser Säule sollen sich die Institute frei entwickeln. Ich meine, da soll sich der Staat nicht einmischen, sondern größtenteils zurückziehen. Sparkassen haben nach den vielen Diskussionen in Brüssel oftmals Angst vor Veränderungen, das kann ich verstehen. Aber sie müssen die Eigenverantwortung annehmen. Ohne Veränderungen wird ihre Lage dauerhaft nicht gut werden. Der Erfolg der Sparkassen muss messbar sein. Stammkapital ist über die Verzinsung ein Maßstab für die Leistungsfähigkeit, mit dem andere gute Erfahrungen gemacht haben. Aber wir sind nicht borniert. Deshalb werden wir das mit allen Beteiligten in den kommenden Monaten intensiv erörtern und auch rechtlich mit Blick auf Brüssel sehr genau prüfen lassen.

... eine Privatisierung kommt nicht in Frage?

Der Konsolidierungs- und Fusionsdruck unter den privaten Banken ist derzeit enorm. Wir wären schlecht beraten, wenn wir Assets wie unsere Sparkassen einfach privatisieren würden. Die würden auf einen Markt geworfen, der sie fressen würde. Man darf ja nicht vergessen: der Verbund ist eine wichtige Größe für das Funktionieren des öffentlich-rechtlichen Gesamtsystems. Das sehen auch die Rating-Agenturen so, die den verbünden gute Bonitätsnoten geben.

... auch nicht durch die Hintertür via handelbarem Stammkapital?

Um es einmal ganz deutlich zu sagen: Stammkapital ist keine Übergangslösung hin zu einer Privatisierung. Wenn das jemand meint, fühle ich mich missverstanden. Wir definieren nur die Rahmenbedingungen, ziehen uns ansonsten zurück und geben damit ein Stück Freiheit.

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