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06.07.2016

11:31 Uhr

Interview mit AfD-Vize Gauland

„Frauke Petry sorgt für Unruhe“

VonDietmar Neuerer

Die AfD-Spaltung in Baden-Württemberg hat die Bundespartei in einer Krise gestürzt. AfD-Vize Alexander Gauland hat die Hauptverantwortliche für das derzeitige Chaos schon ausgemacht: Parteichefin Frauke Petry.

Der Landesvorsitzende der AfD Brandenburg und Bundesvize übt scharfe Kritik an Parteichefin Frauke Petry. dpa

Alexander Gauland

Der Landesvorsitzende der AfD Brandenburg und Bundesvize übt scharfe Kritik an Parteichefin Frauke Petry.

BerlinAlexander Gauland gehört dem AfD-Bundesvorstand zwar nur als Stellvertreter an. Als Vorsitzender der AfD in Brandenburg hat er zuletzt aber immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Kurz vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich verunglimpfte der 75-Jährige, angestachelt durch gezielte Fragen von Journalisten, den schwarzen Nationalspieler Boateng, den niemand als Nachbarn haben wolle. Und auch parteiintern teilt Gauland gerne aus. Er und die Bundessprecherin Frauke Petry sind sich in herzlicher Abneigung verbunden. Gauland zählt inzwischen zu Petrys schärfsten Kritikern. Die Spaltung der Landtagsfraktion in Baden-Württemberg ist vorläufiger Höhepunkt dieser Dauerfehde. Zumal Gauland Petry für das Chaos im Südwesten verantwortlich macht. Im Interview betont er einerseits, dass es im Bundesvorstand „keine Differenzen über grundsätzliche politische Fragen“ gebe. Er sagt aber auch: „Für Unruhe sorgen andere Dinge, etwa dass sich Frauke Petry in der baden-württembergischen Gedeon-Krise zu Wort gemeldet hat. Das war nicht sehr hilfreich.“  

Herr Gauland, am Beispiel der „Patriotischen Plattform“ in der AfD kann man sehen, dass Vorstandsbeschlüsse, die eine klare Abgrenzung zu Rassismus verlangen, nicht viel wert sind. Und auch im Fall des Stuttgarter AfD-Abgeordneten Wolfgang Gedeon scheint es nicht weit her zu sein mit dieser Abgrenzung, weshalb Fraktionschef Jörg Meuthen die Fraktion verlassen hat. Wie bewerten Sie den Vorgang? 
Herr Meuthen und die 12 weiteren Abgeordneten haben den richtigen Weg gewählt. Sie haben sich klar vom Antisemitismus des Herrn Gedeon abgegrenzt und die Fraktion verlassen. Für uns im Bundesvorstand ist das die neue AfD-Fraktion. Wie sich die anderen nennen werden, kann ich Ihnen nicht sagen.  

Was geschieht nun mit den Abgeordneten der Gedeon-Fraktion, die ja weiterhin Mitglied der AfD sind? Müsste die Partei hier nicht Maßnahmen ergreifen, wenn sie mit ihrer Positionierung zum Antisemitismus glaubwürdig bleiben will?  
Das ist erst einmal die Sache des Landesverbands Baden-Württemberg. Wir haben mit unserer Unterstützung für Herrn Meuthen ein klares Signal gesetzt. Welche Auswirkungen die Fraktionsspaltung nun auf die AfD-Mitglieder haben wird, die sich hinter Gedeon gestellt haben, kann ich nicht beurteilen. Das Landesschiedsgericht muss entscheiden, ob die Unterstützung für Gedeon ein Parteiausschlussgrund ist. Es hat aber keinen Zweck, jetzt schon ein Urteil zu fällen. Das muss der Landesverband entscheiden. 

Die Gesichter der AfD

Frauke Petry

Geboren in Dresden, promovierte Chemikerin und Unternehmerin, Bundesvorsitzende der AfD. Mutter von vier Kindern, verheiratet mit dem AfD-Landeschef von Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell. Petry gilt als pragmatisch und ehrgeizig. Auch wenn sie verbal gerne Gas gibt – inhaltlich steht Petry eher in der Mitte der Partei.

Björn Hocke und Alexander Gauland

Björn Höcke, Chef der Thüringen-AfD, und Alexander Gauland, Brandenburger AfD-Chef und Bundesparteivize, haben einst gemeinsam „Fünf Grundsätze für Deutschland“ veröffentlicht. Darin wettern sie gegen die „multikulturelle Gesellschaft“ und behaupten, „die politische Korrektheit liegt wie Mehltau auf unserem Land“.

Jörg Meuthen

Meuthen ist geboren in Essen, promovierter Volkswirt, seit 1996 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Kehl (Baden-Württemberg), Co-Bundesvorsitzender der AfD, Fraktionschef seiner Partei im Landtagswahl von Baden-Württemberg; verheiratet, fünf Kinder. Meuthen gehört zu den wenigen prominenten Vertretern des liberalen Flügels, die nach dem Abgang von Bernd Lucke in der AfD geblieben sind.

Beatrix von Storch

Sie ist geboren in Lübeck, Jurastudium in Heidelberg und Lausanne (Schweiz), Rechtsanwältin, stellvertretende Bundesvorsitzende und AfD-Landesvorsitzende in Berlin, seit 2014 im EU-Parlament, verheiratet. Gilt als ultrakonservativ.

Marcus Pretzell

Marcus Pretzell (42) ist geboren in Rinteln (Niedersachsen), Jurastudium in Heidelberg, Rechtsanwalt und Projektentwickler, seit 2014 Vorsitzender der AfD in Nordrhein-Westfalen, Vater von vier Kindern, verheiratet mit Frauke Petry. Der Europaabgeordnete hat die AfD als „Pegida-Partei“ bezeichnet. Parteifreunde rechnen ihn aber nicht zum rechtsnationalen Flügel.

Allerdings besteht der Landesvorstand ja aus Mitgliedern sowohl der einen als auch der anderen Fraktion. Muss hier ein Sonderparteitag für endgültige Klärung sorgen?  
Ich möchte jetzt nicht über ungelegte Eier sprechen. Das müssen Sie Herrn Meuthen fragen.  

Zu der Zuspitzung im Fall Gedeon kam es ja erst, nachdem Frauke Petry sich zu Wort gemeldet hat. War das ein Fehler? 
Dass der Bundesvorstand in dieser Frage nicht mit einer Stimme gesprochen hat, war nicht sehr hilfreich. Dadurch ist eine Sachfrage plötzlich zur Machtfrage geworden. Ich fand es nie zielführend, eine Kommission einzuberufen, wie das auch von Frau Petry gefordert worden war. Das war von vornherein ein Irrweg. Frauke Petry wollte aber diesen Weg gehen – und wie sich jetzt zeigt, war diese Entscheidung falsch. Eine sofortige Entscheidung über einen Ausschluss von Herrn Gedeon wäre besser gewesen. 

Kommentare (30)

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Herr Markus Müller

06.07.2016, 11:44 Uhr

Ach ja,das ist schon ein Haufen Arbeit,bis man wenigstens die auffälligsten Nazis herausgefiltert und sich mühsam distanziert hat.

Herr Ragin Allraun

06.07.2016, 11:49 Uhr

Petry macht alles richtig. Antisemitismus hat in der Partei nichts verloren.

Nüchterner Realismus und Rationalismus sollten weiterhin die Paradigmen sein, die die Partei nach vorne treibt, um der etablierten ideologisch-verbrämten Politmischpoke die Leviten zu lesen.

Frau Ursula Neumann

06.07.2016, 11:54 Uhr

Wie war das - wie der Herr, so's Gescherr.
Vielleich merken die schlauen Anhänger der AfD jetzt, dass sie Rattenfängern aufgesessen sind. CDU/CSU sind ja schon gut im sich selbst zerlegen - aber die AfD toppt das locker. Hetzen und Nachtreten - geniales Führungspersonal.

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