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17.06.2013

07:17 Uhr

Interview mit Altkanzler Schmidt

„Der Euro ist prima“

Altkanzler Helmut Schmidt im Gespräch mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart über die Dauerkrise in Europa, den deutschen Zahlungsbilanzüberschuss und gedankliche Fehler der Merkel-Politik.

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) setzt auf Peer Steinbrück. dapd

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) setzt auf Peer Steinbrück.

Altbundeskanzler Helmut Schmidt hat sich in einem Interview mit dem Handelsblatt (Montagausgabe) für den SPD-Kanzler-Kandidaten Peer Steinbrück stark gemacht. Zwar gestand er ein, dass sich die SPD derzeit im Wahlkampf schwer tue. Gleichwohl betonte er: „Peer Steinbrück ist von all den Leuten, die im Augenblick auf den öffentlichen Bühnen stehen, derjenige, der am ehesten einen Überblick über die Finanzprobleme der Europäischen Union hatte und weiterhin hat.“ Und auf die Frage, ob die aktuellen Rettungsbemühungen erfolgversprechend seien, antwortete er leicht ironisch: "Der Euro muss gar nicht gerettet werden. Der Euro ist prima."

Zugleich übte Schmidt Kritik an Kanzlerin Angela Merkel (CDU). „Das ist eine, die über Finanzen nicht Bescheid weiß, aber über sie verfügt“, sagte der Alt-Kanzler. Er verwies auf den enormen Zahlungsbilanzüberschuss, den Deutschland in jedem Jahr aufgrund seiner hohen Exporttätigkeit ausweist. „Ich bin der Meinung, wir müssen den Zahlungsbilanzüberschuss abbauen“, so Schmidt. Dies solle durch die Anhebung der Löhne und Gehälter geschehen. Denn die Löhne und Gehälter seien in den vergangenen Jahren in Deutschland nicht in dem Maße gewachsen, indem es angemessen gewesen wäre. Kritisch sieht Schmidt dabei unter anderem die Höhe der Gehälter an der Spitze der Banken.

Ein deutsche Führungsrolle in der Europäischen Schuldenkrise lehnt Schmidt gleichwohl ab. Die Deutschen seien zur Führung in Europa aufgrund der Weltkriegs-Vergangenheit „für Jahrhunderte ausgeschlossen“. Stattdessen forderte Schmidt: „Das Ideal wäre, wenn der Kern der Europäischen Union von den Vorschriften im Lissaboner Vertrag Gebrauch machte, die da sagen, es ist zulässig, wenn einige der Teilnehmer miteinander eine engere Zusammenarbeit vereinbaren als die ganze Europäische Union.“

In der Debatte, ob die Europäische Zentralbank (EZB) unbegrenzt Staatsanleihen kaufen dürfte, kritisierte Schmidt das Bundesverfassungsgericht. In Anspielung darauf, dass einige Richter gleichzeitig als Professoren arbeiten und öffentlich Vorträge halten, zu Themen, über die sie später Recht sprechen sollen, sagte der Altkanzler: „Die Unabhängigkeit der Verfassungsrichter ist nicht hundertprozentig garantiert.“

Das vollständige Interview erhalten Sie im Handelsblatt-Shop zum Download.

Kommentare (77)

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Vicario

17.06.2013, 10:13 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

azaziel

17.06.2013, 10:20 Uhr

Zitat Schmidt: „Ich bin der Meinung, wir müssen den Zahlungsbilanzüberschuss abbauen“.

Richtig, der Meinung bin ich auch. Wenn wir aufhoeren, staendig Geld in die defizitaeren Laender zu uberweisen, baut sich der Ueberschuss von ganz alleine ab. Wer kein Geld hat und sich auch keins borgen kann, kann schliesslich auch nichts importieren, oder?

Zitat Schmidt: “Dies solle durch die Anhebung der Löhne und Gehälter geschehen.”

Wenn Mercedes und VW teurer werden, kaufen die Franzosen Toyotas. Man darf bezweifeln, dass dann sehr viel mehr Renaults verkauft werden. Auch den Griechen ist mit einer Heraufsetzung deutscher Loehne nicht geholfen. Deren Oliven konkurrieren naemlich eher mit den tuerkischen, als mit den deutschen.

Ob der Herr Altbundeskanzler, den ich sehr schaetze, wirklich soviel mehr von Finanzen versteht, als Frau Merkel?

ME173

17.06.2013, 10:29 Uhr

Ich lese, sehe und höre Helmut Schmidt immer wieder gerne.
Für mich einer der wenigen Kanzler mit Charisma und Weitblick, an dem es in dieser Republik doch arg mangelt.
Es ist durchaus richtig: Der Euro ist nicht so schlecht, wie er totgeredet wird. Es ist nur schlecht, was in diesem Lande aus dem Euro gemacht wurde. Der Wechselkurs war 1,95583, aber eigentlich wurde alles, außer den Löhnen 1:1 umgerechnet.
Wird nun über die Führungsrolle in Europa gesprochen, so sollten wir uns tatsächlich in Zurückhaltung üben.
[...] Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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