Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.03.2013

09:46 Uhr

Interview mit Bernd Lucke

„Zypern-Hilfen sind in gewisser Hinsicht pervers“

VonJacqueline Goebel

ExklusivEine Euro-Politik, die nur Banken hilft, lehnt Bernd Lucke ab. Im Interview erläutert der Gründer der neuen Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“, wie seine Lösung aussieht und wie er sie durchsetzen will.

Bernd Lucke, Professor für Makroökonomie und Mitgründer der "Alternative für Deutschland". Reuters

Bernd Lucke, Professor für Makroökonomie und Mitgründer der "Alternative für Deutschland".

Handelsblatt Online: Herr Lucke, war mit der D-Mark alles besser?

Bernd Lucke: Es war für die anderen Länder in der heutigen Euro-Zone auf jeden Fall einfacher, wettbewerbsfähig zu sein und zu bleiben. Heute können die Krisenstaaten dem Wettbewerbsdruck, der in der Euro-Zone herrscht, nicht mehr standhalten. Und das müssen wir zur Kenntnis nehmen.

Welche Fehler wurden bei der Einführung des Euro gemacht?

Man hat die Fähigkeit der Teilnehmer, sich real an die Bedingungen einer einheitlichen Währung anzupassen, eindeutig überschätzt. Man  hätte mit einem sehr viel kleineren Währungsgebiet beginnen müssen, das man dann langsam hätte ausweiten können – und zwar nur in dem Maße, in dem die neuen Mitgliedsstaaten demonstrieren, dass sie eben auch im Stande sind, mitzuhalten.

Fakten zur Anti-Euro-Bewegung „Alternative für Deutschland“

Parteigründer

Zu den Gründern der Partei gehören neben dem Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke unter anderem der langjährige FAZ-Feuilletonist Konrad Adam und der ehemalige hessische Staatssekretär Alexander Gauland.

Nein zum Euro

Die AfD fordert die Auflösung des Euro-Währungsgebietes und die Wiedereinführung nationaler Währungen.

Bundestagswahl

Zur Bundestagswahl im September 2013 ist die neugegründete Partei erstmals angetreten. Bei der Europawahl im Mai 2014 erzielte sie sieben Prozent und zog mit sieben Abgeordneten ins EU-Parlament ein.

Was werfen Sie den etablierten deutschen Parteien vor?

Ich werfe ihnen vor, dass sie aus dem Schaden in Europa nicht klug werden. Dass sie nicht bereit sind, Fehler einzugestehen und den Kurs zu ändern. Der Euro ist sichtlich gescheitert. Ganz Europa wird in eine tiefe, schwere Krise gestürzt.

Woran machen Sie das fest?

Das mache ich fest an dem Niveau der Rezession, die über mehrere Jahre – in Griechenland jetzt schon seit sechs Jahren – in Südeuropa zu beobachten ist, an dem gravierenden Anstieg an Arbeitslosigkeit und an Jugendarbeitslosigkeit. An der Tatsache, dass die Leistungsbilanzdefizite ungeahnte, historische Ausmaße angenommen haben. Der Euro hat nicht zu einer tieferen Einigung, sondern zu einer Spaltung in Europa geführt.

Bereits in der kommenden Woche könnte der Bundestag über Hilfen für Zypern beraten. Was halten Sie davon?

Die Zypern-Hilfen sind in gewisser Hinsicht pervers. Bei Zypern wird von einem Hilfsvolumen von 17 Milliarden Euro gesprochen. Das entspricht dem gesamten Bruttoinlandsprodukts des Landes. Und das Geld wandert dann nicht an die Zyprioten, sondern sofort in das marode Bankensystem, an Banken, die womöglich Steuerflüchtlingen helfen.

Die Anti-Euro-Thesen der „Alternative für Deutschland“

Zukunft des Euro

Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht. Anderen Ländern schadet der Euro. (Quelle: Parteiprogramm)

Neue Währungen

Wir fordern die Wiedereinführung nationaler Währungen oder die Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde. Die Wiedereinführung der DM darf kein Tabu sein.

Europäische Verträge

Wir fordern eine Änderung der Europäischen Verträge, um jedem Staat ein Ausscheiden aus dem Euro zu ermöglichen. Jedes Volk muss demokratisch über seine Währung entscheiden dürfen.

Austrittsrecht

Wir fordern, dass Deutschland dieses Austrittsrecht aus dem Euro erzwingt, indem es weitere Hilfskredite des ESM mit seinem Veto blockiert.

Lasten für den Steuerzahler

Wir fordern, dass die Kosten der sogenannten Rettungspolitik nicht vom Steuerzahler getragen werden. Banken, Hedge-Fonds und private Großanleger sind die Nutznießer dieser Politik. Sie müssen zuerst dafür geradestehen.

Schuldenschnitte

Wir fordern, dass hoffnungslos überschuldete Staaten wie Griechenland durch einen Schuldenschnitt entschuldet werden. Banken müssen ihre Verluste selbst tragen oder zu Lasten ihrer privaten Großgläubiger stabilisiert werden.

EZB-Politik

Wir fordern ein sofortiges Verbot des Ankaufs von Schrottpapieren durch die Europäische Zentralbank. Inflation darf nicht die Ersparnisse der Bürger aufzehren.

Kommentare (70)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

14.03.2013, 09:59 Uhr

Zypern: Bundesregierung will von den Geldwäschevorwürfen nichts mehr wissen. Nach Informationen des Magazins "Cicero" sollen auch russische Schwarzgeldkonten kein Thema mehr sein. Monatelang hatten entsprechende Vorwürfe für Wirbel gesorgt. Offenbar muss Berlin den Weg für ein Hilfsprogramm freimachen und lässt die Vorwürfe deshalb fallen.

Quelle: Jandaya 9:23

Account gelöscht!

14.03.2013, 10:08 Uhr

"Und das Geld wandert dann nicht an die Zyprioten, sondern sofort in das marode Bankensystem, an Banken, die wohlmöglich Steuerflüchtlingen helfen."

Bedeudet das, das diese Partei auch gegen deutsche Steuerverbrecher vorgehen will?

Account gelöscht!

14.03.2013, 10:09 Uhr

Die Vasallen-Blätter von Staat und Alt-Parteien brechen in sich zusammen SUPER !!

"Desaster-Woche für Spiegel, stern und Focus: Miserable Kiosk-Verkäufe für Sexismus- und Familienpolitik-Titel .."

http://info.kopp-verlag.de/nachrichten/desaster-woche-fuer-spiegel-stern-und-focus-miserable-kiosk-verkaeufe-fuer-sexismus-und-familienp.html

"Spiegel" Stern" "Focus" "Welt" die kann man getrost zum Tapezieren verwenden aber nicht lesen ! Da wird einem nur noch schlecht. Linker Scheindebatten-Müll ... jeden Tag.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×