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14.01.2014

14:39 Uhr

Interview mit Hans-Olaf Henkel

„Der Euro hat verheerende Nebenwirkungen“

VonDietmar Neuerer

ExklusivHans-Olaf Henkel mischt jetzt bei der AfD mit und will mit ihr ins Europaparament. Im Interview gibt er den Ton an – mit harten Attacken auf Euro-Befürworter und Sympathiebekundungen für Euro-Kritiker wie Thilo Sarrazin.

Der ehemalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel: "Seit meine Mitgliedschaft in der AfD öffentlich geworden ist, ist das Sperrfeuer deutscher Medien gegen mich noch dichter geworden." ap

Der ehemalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel: "Seit meine Mitgliedschaft in der AfD öffentlich geworden ist, ist das Sperrfeuer deutscher Medien gegen mich noch dichter geworden."

Handelsblatt Online: Herr Henkel, Sie unterstützen die Alternative für Deutschland schon länger. Was hat Sie nun bewogen, der AfD beizutreten?
Hans-Olaf Henkel: Ich wollte zunächst abwarten, in welche Richtung sich diese Partei europapolitisch bewegt. Nach vielen Gesprächen mit führenden Leuten der AfD bin ich dann zu dem Schluss gekommen, dass die Chancen für ein überzeugendes Europaprogramm gut sind und ich bei der Formulierung eines solchen Programms mitwirken kann.

Und dass die AfD zuletzt vor allem mit Personalquerelen in wichtigen Landesverbänden wie Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen aufgefallen ist, hat Sie nicht gestört?

Selbstverständlich hat mich das gestört. Aber Sie sehen ja, dass Herr Lucke mit Erfolg, Versuche die Partei zu schädigen, abgeblockt hat. Henning Voscherau hat mir mal erzählt, dass die SPD im vorletzten Jahrhundert 30 Jahre gebraucht hat, um sich zu finden. Die Grünen brauchten 20 Jahre. Da wird man doch ein gewisses Verständnis dafür erwarten dürfen, dass die AfD nicht schon in wenigen Monaten ein geschlossenes Bild zeigt. Lucke und die Seinen tun heute mit Sicherheit mehr gegen die Infiltration von Rechtsradikalen, als CDU/CSU, SPD und FDP damals gegen ehemalige Mitglieder von NSDAP, Waffen-SS, SA und SS in ihren eigenen Reihen getan haben.

Solche Streitigkeiten sind allerdings auch schöne Steilvorlagen für die politische Konkurrenz. Der neue FDP-Chef Christian Lindner attackierte die AfD in seiner Antrittsrede als "nationalökonomische Bauernfänger-Truppe". Und warnte seine Partei davor, sich auch "nur einen Zentimeter in Richtung der Eurohasser" zu bewegen.

Ich weiß von vielen FDP-Sympathisanten, dass ihnen die Attacken von Herrn Lindner auf die AfD und ihre Führung missfallen - und sie letztlich auch der AfD helfen.

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Inwiefern?

Sie zeugen nicht gerade von Selbstbewusstsein. So hat die AfD in der Tat eine Reihe von Nationalökonomen an der Spitze und in ihren Reihen. Mit den Professoren Lucke, Starbatty, Vaubel – und nun auch mit mir. Alles Leute, die von der Wirtschaft sowohl in Theorie als auch in Praxis etwas verstehen. Dadurch unterscheidet sich die AfD wohltuend von allen anderen Parteien, einschließlich der FDP. So, und er meint uns „Bauernfänger“ nennen zu dürfen? Außerdem impliziert Herr Lindner mit seinen Ausfällen immer wieder, dass Kritik am Euro identisch sei mit Kritik an Europa. Das ist schlicht falsch. Nicht nur immer mehr ehemaliger FDP-Anhänger, auch die anderer Parteien merken langsam, wo die wahren Bauernfänger sitzen.

Kommentare (67)

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HofmannM

14.01.2014, 15:06 Uhr

Ich wünsche Hr. Henkel viel Glück und eine gute Zeit bei der AfD. Und diesen Satz kann ich nur nochmal unterstreichen....Für ein Europa der Vaterländer, wie es Charles de Gaulle einmal definierte, und nicht für einen europäischen Zentralstaat à la Schäuble, von der Leyen und Lindner.....Danke Hr. Henkel und weiter so!

Kritiker

14.01.2014, 15:17 Uhr

Warten wir doch erst mal die Wahlen in diesem Jahr ab.
Die deutschen Wähler sind viel klüger, als es die Politiker vermuten. Ich hoffe, dass der Herr Henkel die AfD als eine bürgerlich- konservative Partei weiter profiliert und in die Parlamente führt.

Account gelöscht!

14.01.2014, 15:21 Uhr


Nach dem Henkel für die AfD Aussagen traf, sollte HB mal EU Parlamentarier etablierter Parteien umfassend das Wort gewähren. Bedingung: Keine Dummsatzbausteine wie bisher.

Auf geht es.... Wir lesen....

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