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20.01.2011

19:37 Uhr

Interview mit Hans-Peter Keitel

„Handeln, nicht reden!“

VonSven Afhüppe, Klaus Stratmann , Thomas Sigm

ExklusivEuropa braucht einen dauerhaften Krisenmechanismus. Im Interview mit dem Handelsblatt fordert BDI-Präsident Hans-Peter Keitel schnelle Euro-Hilfen und eine bessere Abstimmung in der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Warum ein Umschuldungsprogramm Griechenland zu nachhaltiger Ruhe verhelfen kann.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie: Hans-Peter Keitel. Quelle: ap

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie: Hans-Peter Keitel.

Handelsblatt: Herr Keitel, 2011 könnte zum Schicksalsjahr für den Euro werden. Sind Sie mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung zufrieden?

Hans-Peter Keitel: Auf die Schuldenkrise in Europa, angefangen in Griechenland, war niemand vorbereitet. Deshalb ist es müßig, darüber zu räsonieren, ob alle Entscheidungen optimal gelaufen sind.

Wo sind denn Fehler gemacht worden?

Im Nachhinein ist man immer klüger. Jetzt muss es darum gehen, einen dauerhaften Krisenmechanismus in Europa zu installieren. Die täglichen Äußerungen einzelner Finanzminister über das Für und Wider einzelner Maßnahmen schaden. Die Finanzmärkte lassen sich nur mit Handeln, nicht mit Reden beruhigen. Deshalb sollten die Länder der Euro-Zone Experten beauftragen, still und so schnell wie möglich Instrumente vorzulegen, die sofort umgesetzt werden können. Sonst werden die Finanzmärkte Lösungen erzwingen. Dem sollte die Politik mit einer durchdachten Strategie zuvorkommen.

Sind Schuldenländer wie Griechenland ohne eine Umschuldung zu retten?

Ich denke, Griechenland ist nur durch eine Umschuldung aus der Schuldenkrise zu befreien. Die Schuldenlast ist schon jetzt erdrückend hoch und wird weiter wachsen. Wir müssen dem Land eine Lösung aufzeigen. Das kann nur eine Umschuldung mit Augenmaß sein. Die Gläubiger griechischer Staatsanleihen wissen das und haben Forderungsausfälle längst eingepreist.

Sollte man mit einem solchen Schritt, wie bisher unter den EU-Staaten verabredet, bis 2013 warten?

Je früher die Politik für Klarheit sorgt, desto besser. Es ist kontraproduktiv, die Situation bis 2013 künstlich zu verschärfen und dann einen Schuldenschnitt zu machen. Es gibt wirtschaftlich und politisch akzeptable Lösungen. Das Umschuldungsprogramm müsste besser heute als morgen starten.

Die EU prüft eine Aufstockung des Rettungsfonds. Ist das der richtige Weg?

Es geht doch nicht darum, den Rettungsschirm um einige Milliarden Euro zu erhöhen. Die Bundesregierung und andere Euro-Länder werden im Zweifel auch andere Maßnahmen ergreifen müssen, um ökonomische Disziplin zu erzwingen und damit den Euro nachhaltig zu stabilisieren. Wir können uns eine erneute Finanzkrise nicht leisten, sonst brauchen wir über Dezimalen des Aufschwungs in Deutschland nicht mehr zu reden. Erst wenn die Finanzmärkte sehen, dass beispielsweise ein Umschuldungsprogramm Griechenland nachhaltig helfen kann, wird dort wieder Ruhe einkehren.

Müssten darüber hinaus nicht auch die Konstruktionsfehler der Euro-Zone beseitigt werden, beispielsweise die mangelnde Abstimmung in der Wirtschafts- und Finanzpolitik?

Absolut. Künftig müssen sich alle Staaten verlässlich an die Stabilitätskriterien halten. Vor allem die wirtschaftlich starken Länder sollten vorangehen und ihre nationalen Wirtschaftspolitiken enger abstimmen. Dazu zählt für mich beispielsweise eine Diskussion über die Ausgestaltung der Industriepolitik in Europa.

Kommentare (2)

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Vorsicht Tricktaschendiebe

20.01.2011, 22:40 Uhr

Was hat Angie gesagt: "Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt."
Das heisst auf Gut Deutsch ich muss euch einiges weg nehmen. Das geht durch inflation und Steuern. Das sind noch die besseren Tage.
Der Kampf um den Euro ist als eine Schupserei der Taschentrickdiebe zu sehen, während sie hinschauen, nimmt der dritte ihnen den Geldbeutel ab (der auf dem Rollstuhl) .
Die Polizei warnt das Juncker, Merkel, Schäuble und Co. schon Kriminell auffällig geworden sind.


Analytiker

20.01.2011, 22:41 Uhr

Es ist fünf vor zwölf. Die Staaten werden sich über Geldmengenvermehrung ihrer Schulden entledigen. Diese Vermehrung ist einfach eine Plünderung der Ersparnisse sei Es konten oder Renten. Es ist eine perfide Enteignungsmethode mit der die Gläubiger sogar ohne Mitbeteiligung enteignet werden. Das ist das Schema in allen Rettungsaktionen die Stattfand wenn iMF Gelder zur "Rettung" gab.
Man hat nicht kapiert dass im Mai der Euro in etwas wie Drahme und Peseta oder Lire umgewandelt worden ist. Euro ist keine Hartewährung mehr. Es ist eher so dass die Deutschen nun die DM für Lire oder Drahme aufgegeben haben. Die Geldmengenvermehrung ist der Weg des kleinsten Widerstandes für Demokratien. Geldvermehrung ist eine Enteignung wehrt euch dagegen indem ihr Gold und Silber benutzt !!!


Wir sind wie ein Alkoholkranker. Der bekommt qualvolle Entzugserscheinungen, wenn man ihm den Alkohol entzieht. Würden die Zentralbanken die Zinsen stark erhöhen und die Geldschöpfung plötzlich bremsen, würde es uns ähnlich ergehen. Das System würde kollabieren. Deshalb sieht sich die Zentralbank gezwungen, immer mehr Geld bereitzustellen. Das aber macht das System noch krisenanfälliger. Ein Teufelskreis. Es werden sich weitere blasen bilden, die irgendwann platzen und großen Schaden anrichten.Uns muss klar sein, dass viele Werte am Finanzmarkt fiktiv sind. Es sind Luftbuchungen, die an den Märkten gehandelt werden, die aber keinen realen Gegenwert besitzen. Wenn das Geld plötzlich weg ist, staunen die Leute: Wer hat denn jetzt mein Geld? Die Antwort ist: niemand. Es war ja nie wirklich da.

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