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02.07.2012

16:10 Uhr

Interview mit Hans-Werner Sinn

„Wir legen mehr Geld auf den Tisch als nötig“

VonDorit Marschall

ExklusivHans-Werner Sinn sieht nach dem Euro-Gipfel die finanzielle Stabilität Deutschlands in Gefahr. Ein Grund dafür sei unsere Haftung für Südeuropas Banken. Die Bürger könnten „nur noch auf das Verfassungsgericht hoffen“.

Der Wissenschaftler Hans-Werner Sinn leitet das ifo-Institut seit 1999 und hat es von einem Problemfall zu einem der einflussreichsten deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute gemacht. Reuters

Der Wissenschaftler Hans-Werner Sinn leitet das ifo-Institut seit 1999 und hat es von einem Problemfall zu einem der einflussreichsten deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute gemacht.

Handelsblatt: Herr Professor Sinn, ist der Euro durch den Gipfel gerettet?
Hans-Werner Sinn: Nein. Wall Street, die City of London und die Pariser Banken wurden gerettet. Wir stehen nun für die Rückzahlung der Schulden der südeuropäischen Banken ein.

War der Druck auf Angela Merkel zu groß?

Auf Frau Merkel wurde vom Ausland mehr Druck ausgeübt, als je zuvor ein deutscher Kanzler nach dem Krieg hat aushalten müssen. Es wurde ein Kesseltreiben veranstaltet. Um an unser Geld zu kommen, hat man Deutschland imperiale Gelüste vorgeworfen und uns den Hass der Völker prophezeit. Dem Druck konnte Angela Merkel nicht mehr widerstehen. So ist sie eingeknickt. Jetzt können die Bürger, an deren Vermögen man will, nur noch auf das Verfassungsgericht hoffen.

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Können Sie das Verhalten der Bundeskanzlerin denn verstehen?

Ich habe Verständnis für alles. Deutschland ist heute wieder so isoliert wie schon häufig in seiner Geschichte. Wie wir es auch anstellen, wir kommen offenbar aus dieser Isolation nicht heraus, ohne uns die Gunst der Nachbarn mit immer mehr Geld zu erkaufen. Aber wir haben viel mehr Geld auf den Tisch gelegt, als nötig war, weil wir den offenen Bruch des Maastrichter Vertrags akzeptiert haben, konkret die Verletzung der No-Bail-out-Klausel nach Artikel 125 des EU-Vertrags. Der Fehler wurde schon im Mai 2010 mit dem EFSF gemacht. Deutschlands Empfänglichkeit für äußeren Druck war die Einladung, mit immer mehr Druck immer mehr Geld zu erpressen. Wir müssen Angela Merkel helfen, indem wir Gegendruck aufbauen, damit nicht alles hinweggeweht wird, was die Stabilität unseres Staatswesens bislang ausgemacht hat.

Bislang hat der ESM-Vertrag vorgesehen, dass der Rettungsfonds die Banken nicht direkt rekapitalisieren darf, sondern das Geld an die Regierungen der Krisenländer überweisen musste. Jetzt haben die Regierungschefs direkte Bankhilfen beschlossen. Was halten Sie davon?

Deutschland hat damit eine Art ökonomischer Gewährträgerhaftung für die maroden Banken Südeuropas übernommen. Diese Banken müssen in den nächsten Jahren gewaltige Abschreibungsverluste auf die Immobilien- und Unternehmenskredite vornehmen, die in den Anfangsjahren des Euros gegeben wurden und nun notleidend sind, weil die Euro-Blase geplatzt ist. Es ist bemerkenswert, dass das zeitgleich mit der von der EU erzwungenen Zerschlagung der WestLB, der einst größten deutschen Landesbank, geschieht. Bekanntlich haben die Landesbanken ihre riskanten Geschäfte wegen der Gewährträgerhaftung des Staates ausgeübt. Das wird bei den nun vom ESM geschützten Banken Südeuropas nicht anders sein. Wir werden in Südeuropa noch viele Banken von der Art der deutschen HRE finanzieren müssen.

Kommentare (9)

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Ben-Wa

02.07.2012, 17:00 Uhr

Herr Sinn sagt zwischen den Zeilen ganz deutlich, wer unsere Freunde NICHT sind: Es ist NICHT Frankreich, Großbritannien oder die USA! Diese Länder wollen den deutschen Wohlstand absaugen und schwingen die Nazikeule.
Der wirkliche Freund Deutschlands ist im Osten - es ist RUSSLAND. Es wird Zeit, daß hier eine Annäherung vorangetrieben wird und sich Deutschland unter den russischen Schutzschirm stellt!
Im Westen nichts Neues. Es ist das Superversailles entstanden mit der Hilfe deutscher bornierter Politiker, die an "politische Projekte" glauben wie früher die Nazis und die Sozialisten im Osten. Insofern sind sie geradezu widerlich DEUTSCH und führen Deutschland erneut in die Katastrophe!

Alfred_Neumann

02.07.2012, 17:14 Uhr

In einem Wort: Un-Sinn

Nirgendwer.

02.07.2012, 17:39 Uhr

Ja, ja, der Sinn hat schon recht. Deutschland soll versklavt werden und bis ans Ende aller Tage Reparationszahlungen leisten, damit es sich die Defizitsünder unter der Sonne gut gehen lassen können. Dafür dürfen wir dann länger arbeiten, Lohnverzichte hinnehmen usw. usw.

Es wird Zeit, dass Deutschland aus der EU und dem Euro austritt und eine ähnlich neutrale Position wie die Schweiz einnimmt. Wir sind nicht dazu da, den Wohlstand anderer zu nähren.

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