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20.09.2013

11:40 Uhr

Interview mit Sahra Wagenknecht

„Sonst ist Deutschland auch bankrott“

VonDietmar Neuerer

ExklusivSahra Wagenknecht fürchtet eine Zuspitzung der Euro-Krise, sollte die nächste Regierung nicht gegensteuern. Im Interview sagt die Linksfraktionsvize, was sich ändern muss. Und warum Rot-Rot-Grün gut für Deutschland wäre.

Die Linke Sahra Wagenknecht genießt in Geld-Angelegenheiten das Vertrauen des Hauptgeschäftsführers des deutschen Bankenverbands. dpa

Die Linke Sahra Wagenknecht genießt in Geld-Angelegenheiten das Vertrauen des Hauptgeschäftsführers des deutschen Bankenverbands.

Handelsblatt Online: Die meisten Experten oder Unternehmen sind zuversichtlich, wenn man sie fragt, wie es mit der Konjunktur weitergehen wird. Eine bessere Wahlkampfhilfe für Kanzlerin Merkel kann es nicht geben, oder? Sahra Wagenknecht: Ich teile diese Zuversicht nicht, weil es gleichzeitig auch ganz andere Signale gibt. Vor kurzem gab es eine Umfrage, dass jeder zehnte Mittelständler ums Überleben kämpft. Dass vor allem kleine Unternehmen mit wenig Eigenkapital große Probleme haben, günstige Kredite zu bekommen und teilweise auf Dispokredite mit horrenden Zinsen ausweichen müssen. Es steht in den Sternen, ob die jetzt so gefeierten positiven Konjunkturerwartungen auch wirklich eintreten.

Der Index der Mannheimer ZEW-Forscher sprang aber zuletzt deutlich – von 42 auf 50 Punkte. Das ist schon ein beeindruckender Wert.

Auch der Ifo-Index hat oft genug super Konjunkturwetter prognostiziert, oft ist es dann aber nicht so gekommen. Mich interessieren vielmehr die harten Zahlen. Die Auftragseingänge aus dem Euro-Land steigen nicht, sie stagnieren, teilweise brechen sie sogar weg. Und in Deutschland haben wir zwar Beschäftigtenzahlen, die sich auf dem Papier gut lesen. In Wahrheit haben wir viele schlecht bezahlte Jobs, und die Nettolöhne pro Arbeitnehmer sind im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr gerade mal um 1,3 Prozent gestiegen.

Zur Person Sahra Wagenknecht

Studium

Sahra Wagenknecht, 44, stammt aus Jena. In der DDR durfte sie nicht studieren; man befand, sie sei für das Kollektiv „nicht genügend aufgeschlossen“. Nach der Wiedervereinigung studierte sie in Jena, Berlin und Groningen Philosophie und Neuere Deutsche Literatur.

Politische Anfänge

Ein halbes Jahr vor dem Mauerfall trat sie in die SED ein, zwei Jahre später saß sie im Vorstand der SED-Nachfolgepartei PDS. 1992 bezeichnete die erklärte Anti-Kapitalistin die Berliner Mauer als „notwendiges Übel“ und befand, die DDR sei „ein besserer Staat als die BRD“ gewesen.

Ihr Weg in den Bundestag

Seit 2010 ist Wagenknecht stellvertretende Vorsitzende der Partei Die Linke. Ihre Mitgliedschaft in der „Kommunistischen Plattform“ ruht seit Februar 2010. Von 2004 bis 2009 war sie Abgeordnete im Europaparlament, seit Oktober 2009 sitzt sie im Bundestag.

Autorin

Wagenknecht ist Autorin zahlreicher Bücher. Zuletzt erschien von ihr „Freiheit statt Kapitalismus“. 1997 heiratete sie den Filmproduzenten Ralph Niemeyer. Mittlerweile ist sie in zweiter Ehe mit Oskar Lafontaine verheiratet.

Immerhin.

Das ist aber wieder ein Reallohnverlust, weil die Inflation höher war. Wenn die Menschen langfristig weniger im Geldbeutel haben, schlägt das auf die Binnenkonjunktur durch. Darauf zu setzen, dass die Leute immer mehr konsumieren, weil sie kaum noch Zinsen für ihr Erspartes bekommen, ist zynisch und gefährlich. Auf Dauer kann dieser Effekt keine Konjunktur tragen.

Wenn so viele Menschen unzufrieden sind, warum wählen dann nur wenige die Linkspartei?

So wenige sind es ja nicht. Derzeit liegen wir in Umfragen bei etwa 10 Prozent. Ein großes Problem ist, dass die SPD die einzige realistische Regierungsoption, die nicht auf Frau Merkel als Regierungschefin hinausläuft, ausschließt. Deshalb haben viele Leute das Gefühl, es lohnt sich nicht zur Wahl zu gehen, weil sie nur darüber zu entscheiden haben, mit wem Frau Merkel weiter regiert. Aber es ist natürlich ein Irrtum, wenn man deshalb die Wahl für bedeutungslos hält: Die Stärke der Linken wird wesentlich darüber entscheiden, ob sich die nächste Regierung trauen wird, erneut soziale Leistungen zu streichen oder weitere Milliarden für angebliche Euro-Rettungspakete, die nur den Banken dienen, zu verschleudern.

Kommentare (64)

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Trojaner

20.09.2013, 11:55 Uhr

"Ich hoffe, dass sich in der SPD irgendwann die durchsetzen, die dieses Land ohne unsoziale Agenda-Politik gestalten wollen und es satt haben, als Mehrheitsbeschaffer einer Großen Koalition unter einer CDU-Kanzlerin zu dienen"
Sahra, es ist an der Zeit, dass die Linke die mittlerweile asoziale SPD ersetzt und dass sich die Linke insgesamt Ihre Gedanken zu eigen macht. Nur so ist Fortschritt in Deutschland und Europa möglich

Account gelöscht!

20.09.2013, 11:59 Uhr

Mit den Kommunisten und GrünSozialisten wäre die Schuldenvergemeinschaftung schneller da, als man "pleite" sagen kann. Diese Sorte konnte noch niemals mit Geld umgehen, nur das der arbeitenden, wertschaffenden Bevölkerung an ihre Lieblingsklientel aus dem Fenster werfen und die Menschen bevormunden.
Ich will keine Kommunisten an der Regierungsmacht und ich will nicht in einem Land wie der DDR, Kuba oder Nord-Korea leben. Punkt! Nicht diskussionsfähig!
Zum Glück haben die Westdeutschen ihren Verstand mehrheitlich noch beisammen, so daß die Kommunisten hierzulande bedeutungslos sind. Unverständlich ist mir dagegen, daß die SED-Nachfolgeorganisation (sic!) im Osten immer noch punktet. Offensichtlich hat man aus 40 Jahren Staatsterror nichts gelernt.
Btw., wo wir schon mal beim Geld sind. Wo ist eigentlich das SED-Vermögen abgeblieben?
http://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gen_von_Parteien_und_Verb%C3%A4nden_der_DDR#SED-PDS
Wie auch immer, so wie eine Katze das Mausen nicht lassen kann, so bleiben Kommunisten immer Kommunisten, egal, welchen Anstrich sie sich geben. Von dieser Auffassung wird mich niemand abbringen!

Account gelöscht!

20.09.2013, 12:04 Uhr

Was haben wir und was hatten wir , was erwartet uns ?

Wir haben heute Arbeitslosenzahlen von 2,irgendwas !
Wir hatten unter rot-grün 5,irgendwas !!! der höchste wert seit 1933 !!!
Weswegen die Steuereinnahmen auch "Sprudeln" wie der Finanzminister gern sagt .
Was uns erwartet wenn in Deutschland rot-rot-grün Regiert dürfte jeden klar sein , außer den Linken natürlich .
Deren Steuerpolitik wird dazu führen , das Unternehmen ihre "Ausweich Standorte" die ja schon vorhanden sind , ausgebaut werden und diese Unternehmen dann nicht in Deutschland Steuerpflichtig sind .
Rot-Rot-Grün ruiniert Deutschland und das in kürzester zeit !

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