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26.08.2012

14:52 Uhr

Interview mit Susanne Schmidt

„Bundesbank untergräbt Glaubwürdigkeit der EZB“

VonRegina Krieger, Frank Wiebe

Die Finanzexpertin Susanne Schmidt empfiehlt in ihrem Buch „Das Gesetz der Krise“ eine Neuregulierung der Finanzbranche. Im Interview spricht sie über Lösungen der Euro-Krise und die Rolle der Notenbanken.

Helmut Schmidts Tochter Susanne Schmidt. ap

Helmut Schmidts Tochter Susanne Schmidt.

Handelsblatt: Frau Schmidt, Angela Merkel hat dem griechischen Premier Antonis Samaras keine Zugeständnisse gemacht, als er sie am Freitag in Berlin besuchte. War das richtig?

Susanne Schmidt: Sie sollte sich aufgeschlossen dafür zeigen, die Rückzahlungen der Rettungsgelder nach hinten zu verschieben und möglicherweise auch die Zinszahlungen zeitweilig auszusetzen. Sie sollte signalisieren, dass sie Verständnis für Griechenlands großen innenpolitischen Probleme hat, Samaras aber auch klarmachen, dass er den Reformkurs strikt fortsetzen muss.

Dann hätte sie aber eine Menge Widerspruch gehört, vor allem aus ihrem eigenen politischen Lager.

Ja, das ist ein Problem. Wenn wir die Krise bewältigen wollen, brauchen wir Politiker, die an einem Strang ziehen. Wir brauchen viel Zeit, jedwedes Tun oder Unterlassen wird viel Geld kosten, und wir brauchen zudem eine gehörige Portion Glück. Und nationale Zentralbanken, die nicht querschießen.

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Der griechische Premier wirbt mit Selbstbewusstsein für sein Land. Vergeblich.

Sie meinen die Bundesbank ...

...die keine besonders glückliche Rolle spielt. Mit ihrer beständigen Kritik untergräbt sie die Glaubwürdigkeit der Europäischen Zentralbank in Deutschland. Damit ist niemandem geholfen. Sie versucht, Politik zu machen, und wendet sich direkt an die Bevölkerung - das geht nicht. Die Geldpolitiker sollen sich streiten, kontroverse Diskussionen sind notwendig - aber nicht in der Öffentlichkeit.

Die Kritik an der EZB wird inzwischen von vielen Politikern geteilt.

Von einigen. Doch das ist nicht immer ehrlich. Da wird EZB-Präsident Mario Draghi angegriffen, aber insgeheim ist man froh, dass er zum Gelddrucken übergegangen ist und so das Zeitfenster für politisches Handeln geöffnet bleibt.

Gerade durch das Gelddrucken hat das Ansehen der EZB aber gelitten.

Nur in Deutschland. Weltweit hat die EZB ein sehr gutes Ansehen. Und seien wir ehrlich: Wenn sie nicht immer wieder eingegriffen hätte, zum Beispiel mit dem Ankauf von Staatsanleihen, der großen Sonderkreditlinie für die Banken oder der Akzeptanz von minderwertigen Sicherheiten, dann wäre die Währungsunion in die Luft geflogen. Die EZB hat seit Ausbruch der Krise einen schrecklich schwierigen Job, aber unterm Strich hat sie ihn bisher hervorragend gemeistert.

Vita

London

Susanne Schmidt hat ihr ganzes Berufsleben im Londoner Finanzdistrikt verbracht. Mehr als 30 Jahre lang arbeitete die promovierte Volkswirtin in der Londoner City. Erst in der Filiale der Deutschen Bank, im Großkundengeschäft, dann bei einem österreichischen Institut. Danach war sie politische Analystin bei einer asiatischen Investmentbank und anschließend Moderatorin beim deutschen Dienst des Finanzsenders Bloomberg, bis der Sender im Zuge der Finanzkrise 2009 geschlossen wurde.

Zum Schutz im Ausland

Schon vor ihrer Zeit als Bankerin lebte Schmidt im Ausland, auch zum Schutz: Die Tochter des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt wurde von den Terroristen der Rote-Armee-Fraktion bedroht.

Erstes Buch 2010

2010 erschien ihr erstes Buch: "Markt ohne Moral - Das Versagen der internationalen Finanzelite", das in den Bestsellerlisten schnell nach oben kletterte und für das sie den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2010 des Handelsblatts und der Frankfurter Buchmesse gewann. Die Jury lobte damals, Susanne Schmidt erkläre leicht verständlich, sachlich und niemals polemisch, wie es zum Beinahe-Kollaps des internationalen Bank- und Finanzsystems kommen konnte und welche strukturellen und regulatorischen Vorgaben künftig eine solche Zuspitzung verhindern.

Ihr Fazit nach Lehman-Pleite

Zwei Jahre nach der Lehman-Pleite lautete ihr Fazit 2010: "Ich bin enttäuscht. Ansätze zu Neuregulierungen werden diskutiert, es wird viel geredet, aber nicht viel getan."

Kommentare (61)

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Ben-Wa

26.08.2012, 15:02 Uhr

Warum wird diese völlig unbedeutende Frau hier interviewt? Entsetzlich!
Zu sagen hat die sowieso nix!

Karma

26.08.2012, 15:13 Uhr

Eine wunderbare Sache, dass die Bundesbank sich als standfest zeigt. Wenn wir schon die Soeger dieser Krise sind, warum sollten wir unseren Erfolg nicht genießen.

Wer siegt, sollte auch die Spielregeln vorgeben.
Gewonnen haben wir Deutschen, nicht die EZB

Matthes

26.08.2012, 15:14 Uhr

EZB und glaubwürdig?
Ja, natürlich, denn sie verfolgt klar das Ziel, die Schuldenstaaten mit billigem Geld zu versorgen. Leider zu Lasten Deutschlands. Deshalb ist die EZB auch nur in Deutschland so schlecht angesehen! Die Schuldenstaaten stehen natürlich voll hinter dieser Politik. So viel zu einer Europäischen Gemeinschaft!

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