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21.02.2011

15:14 Uhr

Interview Prof. Elkar

"Dem Grundsatz der Wahrheit verpflichtet"

VonRüdiger Scheidges

Die Kritik an zu Guttenberg kommt immer mehr auch aus den eigenen Reihen. Jetzt zieht ein ehemaliger Vorsitzender des Prüfungsausschusses der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften der Bundeswehr-Uni München die Führungsfähigkeit des Ministers in Zweifel.

Der frühere Vorsitzende des Prüfungsausschusses der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften der Bundeswehr-Universität in München, Prof. Dr. Rainer Elkar, hat wegen der Plagiatsaffäre die Führungsfähigkeit von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Zweifel gezogen. „Wer selbst etwas dienstrechtlich von seinen Untergebenen fordert, was er nicht zu leisten vermag, ist meiner Meinung nach zur Führung ungeeignet“, sagte Elkar im Gespräch mit dem Handelsblatt. Zu Guttenberg ist als Minister auch Dienstherr zweier Bundeswehr-Universitäten.

„Offiziere handeln in Führungspositionen. Sie müssen dem Grundsatz der Wahrheit verpflichtet sein und vorbildlich handeln. Dies gilt natürlich auch für den Verteidigungsminister. Das Dienstrecht setzt hierfür einen deutlichen Rahmen“, betonte Elkar, der emeritierter Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte ist. Gerade an seiner früheren Fakultät seien die Standards und die Ahndungen von Täuschungsversuchen sehr scharf. „Meine Fakultät hat Täuschungsversuche, wenn sie bekannt wurden, stets geahndet, auch folgten – je nach Fall unterschiedlich – durchaus dienstrechtliche Konsequenzen.“ So sei in einem Fall ein Doktortitel  nachträglich aberkannt worden.

"Die Universität Bayreuth und deren sehr angesehene Juristische Fakultät habe ihre eigenen rechtlichen Bestimmungen, die sie sicherlich sorgfältig anwenden werden", sagte Elkar. Gewiss müsse auch in der Promotionsangelegenheit des Verteidigungsministers der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit bei der Urteilsbildung angewendet werden. „Der Wissenschaft kann meines Erachtens jedoch nur eine scharfe Anwendung von wissenschaftlichen Prinzipien, zu denen das saubere Zitieren in einer geisteswissenschaftlichen Disziplin in besonderem Maße gehört, dienlich sein.“

Falls in wörtlichen Zitaten kleine Änderungen vorgenommen worden seien, müsse das nicht unbedingt ein Zeichen einer eigenen Bearbeitung sein, sondern könnte auch als Zeichen einer besonders geschickten Täuschung gewertet werden. Im übrigen sei dies auch der juristisch gesehen zur Debatte stehende Tatbestand. "Dies macht – unabhängig von der Masse der bisher vorgebrachten Belege – möglicherweise den Ermessensspielraum der Bayreuther Juristen eher kleiner als größer", erklärte Elkar.

Noch deutlicher wird der Münchner Jura-Professor Peter Landau. Er hält es für unausweichlich, dass Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) der Doktortitel aberkannt wird und dass der Minister dann zurücktritt. „Ich kann mir keine andere Reaktion der Universität Bayreuth vorstellen als die Entziehung des Doktorgrades“, sagte der ehemalige Dekan der Juristischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität am Montag in München. Für Landau steht fest, dass Guttenberg in seiner Arbeit eine unrichtige ehrenwörtliche Erklärung abgegeben hat - entweder, weil er vorsätzlich nicht alle Quellen angegeben hat oder weil jemand anderes an der Arbeit mitgearbeitet hat. Und dann sei „kaum vorstellbar“, dass Guttenberg im Amt bleibe.

Die Universität Bayreuth prüft zurzeit die Vorwürfe. Sie setzte Guttenberg am Donnerstag vergangener Woche eine Frist von zwei Wochen, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Dann wird sie über mögliche Sanktionen entscheiden, die bis zur Aberkennung des
Doktortitels reichen können.

 

 

Kommentare (5)

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Rambay

21.02.2011, 15:57 Uhr

An alle Anhänger Herrn von Guttenbergs:

Wir brauchen in der Politik Vorbilder. Ist Herr von Guttenberg ein Vorbild ? Für Wissenschaftler, Soldaten, Wähler ?
Gute Nacht, Deutschland.

MB

Account gelöscht!

21.02.2011, 16:27 Uhr

Wer Augen hat,zu sehen und Ohren zu hören,der kann sich der Einschätzung der beiden Professoren nur aus Überzeugung anschließen.
Dass die Politik zunächst an zu Guttenberg festhält,erscheint unter der Prämisse akzeptabel,ihm die Chance geben zu wollen,den Rücktritt selbst zu erklären.Er hat also eine Frist der Besinnung,um sich selbst klar zu werden,mit diesem Makel kein so wichtige Amt mehr ausüben zu können.

Account gelöscht!

21.02.2011, 17:39 Uhr

Anstatt ein Parteiauschlußverfahren einzuleiten, müssen sie ihn auffordern zu bleiben, damit er geht.
Um einzig und alleine das eigene Gesicht zu wahren, um dabei zu vertuschen was sie für eine Null gezogen haben.

Armes, armes Deutschland.

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