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27.02.2013

16:08 Uhr

Interview zum Leistungsschutzrecht

„Google ist nicht die Caritas“

VonJan Mallien

In einer Anzeigenkampagne kämpft Google gegen ein Leistungsschutzrecht für Verlage. Kronzeuge ist dabei der frühere Chef der Monopolkommission, Justus Haucap. Im Interview erklärt Haucap, warum er dabei mitmacht.

Justus Haucap war von Juli 2008 bis Juli 2012 Chef der Monopolkommission.

Justus Haucap war von Juli 2008 bis Juli 2012 Chef der Monopolkommission.

Am Freitag stimmt der Bundestag über das so genannte Leistungsschutzrecht ab. Worum geht es?
Der traditionellen Presse bricht das Geschäft weg. Auf der anderen Seite verdient Google im Internet sehr viel Geld. Das weckt Begehrlichkeiten. Google nutzt in seinen Suchabfragen kleine Ausschnitte von Presseartikeln. Für diese so genannten Snippets wollen die Verlage Geld haben.

Warum auch nicht? Google profitiert doch auch von den Inhalten der Verlage…

Das ist richtig. Google-News ist nicht die Caritas. Mit dem News-Service steigert Google die Attraktivität seiner Suchmaschinen. Aber auch die Verlage bekommen durch Google mehr Zugriffe auf ihre Seiten und damit höhere Werbeerlöse. Deshalb listen sie sich freiwillig dort. Beide Seiten profitieren von dem Geschäft. Es geht um die Verteilung des Kuchens.

Leistungsschutzrecht: „Lex Google“ soll Google nicht mehr treffen

Leistungsschutzrecht

„Lex Google“ soll Google nicht mehr treffen

Um das Leistungsschutzrecht lieferten sich Google und Verlage eine erbitterte Auseinandersetzung. Nun nimmt der Streit eine kuriose Wende. Und viele fragen sich: Worum geht es bei dem Gesetz jetzt noch?

Dabei stehen sich die Verlage, die sich im Internet einen knallharten Wettbewerb liefern, und der Monopolist Google gegenüber. Ist das nicht ein ungleicher Kampf?

Natürlich hat Google eine starke Macht. Im Prinzip könnte Google aber auch von den Verlagen Geld dafür verlangen, dass es auf ihre Webseiten weiterleitet. Die Frage ist: Ab wann wird die Marktmacht missbraucht? Es ist so ähnlich wie auf dem Lebensmittelmarkt. Dort gibt es auch immer Diskussionen darüber, ob die großen Ketten ihre Macht gegenüber den Molkereien missbrauchen. Das Leistungsschutzrecht ist der Versuch, in die Verhandlungen zwischen Google und den Verlagen einzugreifen. Es ist aber das falsche Instrument, um etwaige Probleme zu lösen.

Warum?

Es geht im Kern nicht um ein Urheberrechtsproblem, sondern darum, dass die Politik den Presseverlagen helfen soll, Geld von Google zu bekommen. Dabei wird aber massiver Schaden zu Lasten Dritter angerichtet. Man würde zum Beispiel neue wettbewerbsrechtliche Probleme schaffen. Wenn Google für Verweise auf Presseartikel zahlen muss, nimmt es vielleicht nur noch Artikel von großen Medien auf.  Das würde die Konzentration am Pressemarkt verstärken. Außerdem schafft das Gesetz rechtliche Probleme. Zum Beispiel könnten Blogger abgemahnt, die auf andere Blogs verlinken. Ich bin mir absolut sicher, dass dann ein gewaltiges Abmahnwesen entsteht, gerade weil die Rechtsunsicherheit enorm ist. 

Kommentare (7)

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haubottom

27.02.2013, 17:43 Uhr

zum kronzeugen taugt das (...) nicht,ist er doch dabei drittmittel einzuwerben,für ihn selbst fällt dabei natürlich nix ab.....

die qualität unsres wissenschaftlichen personals an den unis,igitt...

schavanisierte exzellenzen und eliten,immer hinter nem schnellen euro her

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

27.02.2013, 18:03 Uhr

Ohne den Artikel mehr als gestreift zu haben, ist ja wohl klar, daß dies ein Kampf der Lobby des deutschen Medienkartells ist, also denjenigen, die das Internet nicht verstehen und es daher mit Hilfe der Politik (dh. nicht marktwirtschaftlich sondern durch Ausnutzen von politischem Einfluß) nach ihren Vorstellungen ummodeln wollen.
Der Kampf ist mit denen, die das Internet entsprechend seiner Natur gestalten (und in seinem Glanz mitgeschaffen haben als das was es NOCH ist), vertreten natürlich durch die Geldmacht von Google, einem Großkonzern, was bei bestimmten Leuten Pawlowsche Beißreflexe auslöst, ohne erst mal darüber nachzudenken für wen sie da beißen. Wer soll es denn sonst machen? Der Hobbyblogger?
Google ist hier (sicher aus Eigennutz) der Champion der Freiheit des Internets, also der Meinungsvielfalt (seine Quasimonopolstellung in gewissen Bereichen ist wiederum eine eigene Diskussion). Das Medienkartell hingegen will sein bewährtes monopolistisches Geschäftsmodell der Druckpresse dem Internet überstülpen, und möglichst wie im Papiermarkt die Kleineren aus dem Feld zu schlagen.
Meine Meinung ist, wer im Medienbereich mit dem Internet als Wildwuchs nicht klarkommt, soll es eben lassen und nicht nach dem Staatseingriff schreien.

Das HB kommt übrigens meiner Meinung nach im Gegensatz zu anderen sehr gut mit diesem Medium klar (auch was Finanzierungsmodelle angeht), obwohl es zu einem Pfeiler des Medienkartells (Holtzbrink) gehört. Man darf auch hier nicht alle über einen Kamm scheren.

Marc

27.02.2013, 19:45 Uhr

Hi,

also wenn das kommen sollte, habe ich am nächsten Tag 10 Verlage gegründet und eingetragen...
Hier noch meine 2 Cent zum LSR: http://www.literaturasyl.de/politik/leistungsschutzrecht-deepthinking/

Meiner Meinung nach kommt es entweder zu einem Verhalten Googles wie in Belgien und dann sind die Google-News einfach dicht oder die Tante schaut sich wirklich mal an, was diese "Verlage" in die Serps pumpen. Das sind zum Großteil Agenturmeldungen und warum sollte Google nicht mit einer kleinen Readaktion die Artikel selbst kaufen und direkt online stellen? Die gefordete journalistische Leistung, ganz zu schweigen von gutem und unique Content, kann ich bis jetzt nur schwer entdecken ;)

Das geht jetzt natürlich nicht gegen freie Schreiber, denn die leisten wenigstens ihren Beitrag, nur würde ich mir eben wieder viel mehr qualitative Beiträge wünschen und nicht ein Copy&Paste, ganz gleich auf welche Nachrichtenseite ich auch schaue.

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