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15.09.2015

13:11 Uhr

Interview zur Flüchtlingskrise

„Deutschland ist das Mekka Europas“

VonKathrin Witsch

Wo Milch und Honig fließen: So sehen viele Syrer Deutschland, sagt Salem El-Hamid. Der Generalsekretär der Syrisch-Deutschen Gesellschaft spricht über Schleuser, drohende Unruhen und Mittel gegen den Flüchtlingsstrom.

Sondergipfel zur Flüchtlingskrise beantragt

„Drei Länder können das Problem nicht alleine lösen!“

Sondergipfel zur Flüchtlingskrise beantragt: „Drei Länder können das Problem nicht alleine lösen!“

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Berlin800.000 Flüchtlinge werden bis Ende des Jahres in Deutschland sein – mindestens. Die Kräfte der Länder und Kommunen sind nahezu erschöpft. Grünen-Chef Cem Özdemir fordert ein Treffen der europäischen Außenminister, die Lage Syrien anzugehen und den Krieg zu beenden. Mit dieser Forderung ist er nicht allein: Salem El-Hamid, der Generalsekretär der Deutsch-Syrischen Gesellschaft, appelliert ebenfalls an Deutschland, den Menschen vor Ort zu helfen: „Wenn der Patient blutet und kollabiert, gibt man ihm eine Infusion, aber man muss auch die Blutung stillen“, sagt er. Es habe keinen Sinn, den Flüchtlingen nur hier zu helfen, wenn der Krieg in Syrien weitergehe. Er spricht im Handelsblatt-Interview über das positive Deutschland-Bild der Syrer, was Schleuser verlangen, um Syrer nach Deutschland zu bringen und warum er glaubt, dass Deutschland auch ein Kriegsopfer ist.

Herr El-Hamid, allein in München sind am vergangenen Wochenende knapp 20.000 Flüchtlinge angekommen. Darunter auch immer mehr Syrer. Warum kommen gerade jetzt so viele? Wie ist die aktuelle Lage in Syrien?
Am Anfang dachte man nicht, dass diese Situation so lange anhalten würde. Aber nach fünf Jahren ist immer noch keine Lösung in Sicht. Die Menschen in Syrien sehen keine Zukunft in ihrer Heimat. Das ist ein Krieg. Also suchen sie nach einem besseren Leben für sich und ihre Familie. Das Regime verliert in Damaskus weiterhin an Boden. Der Islamische Staat (IS) versucht immer wieder, die auch strategisch wichtige Hauptstadt einzunehmen. Und die Stadt Aleppo teilt sich zwischen Baschar al-Assads Regierung, den Oppositionellen und mittlerweile teilweise auch dem IS.

Wichtige Entscheidungen in der Flüchtlingspolitik: Der Fahrplan

24. September

In Berlin treffen Bund und Länder zu einem Flüchtlingsgipfel zusammen. Spannend ist vor allem, wie sich die neun grün-mitregierten Länder zu dem Beschluss der Bundesregierung verhalten, weitere sichere Herkunftsländer auf dem Balkan auszuweisen.

15. Oktober

Die geplanten Gesetzesänderungen in der Flüchtlingspolitik sollen laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) an diesem Tag den Bundestag passieren. Einen Tag später soll der Bundesrat dem Gesetzespaket zustimmen.

15. und 16. Oktober

Beim regulären EU-Gipfel in Brüssel wird die Flüchtlingspolitik im Vordergrund stehen, ob es nun davor oder danach einen Sondergipfel gibt oder nicht.

11. November

Auf Malta treffen die Staats- und Regierungschefs der EU mit afrikanischen Vertretern zu einem Migrationsgipfel. Der Termin steht lange fest. Es dürfte vor allem um die Bekämpfung der Fluchtursachen in den afrikanischen Ländern gehen.

Millionen Syrer flüchteten in den vergangenen Jahren deswegen in die Türkei, den Libanon und nach Jordanien oder wurden zu Binnenflüchtlingen in ihrem eigenen Land. Jetzt suchen Tausende Zuflucht in Europa, vor allem in Deutschland. Warum ist gerade „Germany“ bei den Syrern ein so beliebtes Ziel?
Deutschland war eigentlich immer das Lieblingsland der Menschen im Orient. Und das ist über lange Zeit historisch gewachsen. Die Deutschen waren die einzigen, die während der Kolonialzeit kein arabisches Land besetzt haben. Der humanitäre Touch war aus Sicht der Syrer immer da. Wir mögen Deutschland und haben ein unheimliches schönes Bild von diesem Land. In Damaskus überbieten sich die Menschen jetzt aber mit ihren Erzählungen. Es ist das Land, wo Milch und Honig fließen, die medizinische Behandlung sei kostenlos, es gebe überhaupt alles umsonst. Deutschland ist das Mekka Europas geworden. Es ist das einzige Land, das Flüchtlingen sämtliche Möglichkeiten bietet.

Der Generalsekretär der Syrisch-Deutschen Gesellschaft und Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin des Kreiskrankenhauses Gummersbach lebt seit 35 Jahren in Deutschland. Pressefoto

Salem El-Hamid

Der Generalsekretär der Syrisch-Deutschen Gesellschaft und Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin des Kreiskrankenhauses Gummersbach lebt seit 35 Jahren in Deutschland.

Würde eine Flüchtlingsquote da Abhilfe schaffen?
Eine Quote ergibt keinen Sinn. Glauben Sie, dass ein einziger in Ungarn bleiben wird? Die kommen alle wieder nach Deutschland. Die Europäische Union braucht einheitliche Regelungen für alle, gleiche Vergünstigungen. Und wenn es weniger finanzielle Unterstützung vom Staat gäbe, würde das die Flüchtlinge auch nicht davon abhalten, ein neues Leben in Deutschland zu suchen.

Kommentare (167)

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Herr david simon

15.09.2015, 13:23 Uhr

INVASION!
Angenommen, nur 10% der 1,5 Millionen Migranten, die bis zum Jahresende
“eindringen” sind Islamisten.
Das wäre ein Heer von 150000 Kämpfer und damit größer als die Bundeswehr.
Die Waffen liegen größtenteils schon bereit, notfalls tut es auch ein Teppichmesser
Der IS hat für die Logistik gesorgt und alle Kämpfer vorsorglich mit I-Phones
und Navi ausgerüstet, damit sie gleichzeitig losschlagen können.
Ich weiß, alles nur Verschwörungstheorien.

Herr Ragin Allraun

15.09.2015, 13:27 Uhr

Wenn Menschen auf der „Flucht“ vor dem Krieg mindestens 10 sichere Staaten hinter sich lassen, so sind sie keine „Kriegsflüchtling“ mehr, sondern lupenreine Wirtschaftsflüchtlinge auf dem Weg ins gemachte Nest und in die soziale Hängematte.

Ganz klar !!

Herr C. Falk

15.09.2015, 13:27 Uhr

Wahrscheinlich hilft nur eines, die Narrative Deutschland betreffend umzukrempeln und auf eine realistische Basis zu stellen.

Frau Merkel ist ein arabischer und muslimischer Mythos nicht nur in Syrien sondern zunehemd auch im Irak, Afghanistan u.s.w..
Die ideale und gerechte Herrscherin.

Diese Herscherin muß also real entmachtet werden, um glaubhaft zu machen, dass in Deutschland ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat.

Aus realpolitischen Gründen und Gründen der Staatsraison ist ein Rücktritt Frau Merkels unabdingbar.

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