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26.01.2009

09:18 Uhr

Iran-Exporte

Deutsches Iran-Geschäft blüht trotz Embargo

VonMathias Brüggmann und Andreas Rinke

Die deutschen Iran-Exporte haben im vergangenen Jahr um 10,5 Prozent zugelegt. Auch Unternehmen in anderen westlichen Ländern trotzen dem politischen Druck – sogar die USA haben ihren Handel mit dem Iran intensiviert. Indes geht der Streit um den richtigen Umgang mit Teheran in eine neue Runde.

Erstmals seit 1979 werden die USA direkte Gespräche mit Teheran beginnen: Auch deutsche Unternehmen könnten von der diplomatischen Offensive profitieren. Foto: dpa dpa

Erstmals seit 1979 werden die USA direkte Gespräche mit Teheran beginnen: Auch deutsche Unternehmen könnten von der diplomatischen Offensive profitieren. Foto: dpa

BERLIN. Die von der Bundesregierung jetzt verhängte fast vollständige Streichung des Hermes-Exportbürgschaften für deutsche Ausfuhren in den Iran bringt im Nahost-Geschäft tätige Firmen erheblich unter Druck. Dabei war Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu diesem Schritt gedrängt worden. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums werden jetzt nur noch „sehr kleine Geschäfte mit dem Iran“ über Hermes-Bürgschaften abgesichert werden können. Das macht es laut Industrieverbänden künftig „äußerst schwierig“, Iran-Lieferungen angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise und Kreditklemme noch vorfinanzieren zu können.

Nach der neuesten offiziellen Handelsbilanz, die nur die ersten elf Monate 2008 umfasst, sind die deutschen Ausfuhren um 10,5 Prozent auf knapp 3,6 Mrd. Euro gestiegen. Das beruhe vor allem darauf, dass voriges Jahr viele der Anlagen und Waren geliefert worden seien, die in den Jahren zuvor geordert worden seien, sagte ein deutscher Wirtschaftsvertreter unter der Bedingung, dass sein Name nicht genannt wird.

Zudem sind nicht nur die deutschen Exporte nach Persien gestiegen. Auch in Italien und Spanien, wo weiter Exportförderung für den Iran betrieben wird, sind die Handelszahlen nach oben gesprungen. Und französische Autokonzerne haben ihre Kfz-Produktion in Teheran gesteigert, obwohl Präsident Nicolas Sarkozy eine härtere Gangart gegen die Mullahs angekündigt hatte. Sogar das US-Geschäft mit dem Iran hat in der Amtszeit von George W. Bush angezogen. Pepsi und Coca-Cola lassen weiter auf Lizenz im Iran Getränke herstellen, Baumaschinen von Caterpillar und Messgeräte für die Ölindustrie von Ashcroft werden weiter im Iran vertrieben. Nur Hewlett-Packard hat gerade seine Iran-Lieferungen gestoppt nach negativen Medienberichten in Amerika.

China, Russland, die Türkei und sogar die Schweiz haben kürzlich große Abkommen im Energiesektor mit Iran vereinbart, während deutsche Versorger darüber klagen, Merkel habe bei persönlichen Treffen mit Industrievertretern von solchen Deals dringend abgeraten.

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