Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.01.2016

15:43 Uhr

IS soll Anschläge in München geplant haben

Fahnder suchen nach Verdächtigen aus Syrien und dem Irak

Eine Terrorwarnung hat am Silvesterabend einen Großeinsatz der Polizei in München ausgelöst. Die Terrormiliz IS soll Selbstmordanschläge geplant haben. Derzeit wissen die Behörden nur sehr wenig über die möglichen Täter.

Die Ermittlungen konzentrieren sich auf fünf bis sieben mögliche Täter. Es ist jedoch noch nicht einmal klar, ob es diese Personen überhaupt gibt. Sie sollen aus Syrien und Irak stammen. dpa

Terroralarm in München

Die Ermittlungen konzentrieren sich auf fünf bis sieben mögliche Täter. Es ist jedoch noch nicht einmal klar, ob es diese Personen überhaupt gibt. Sie sollen aus Syrien und Irak stammen.

München/BerlinNach der Terrorwarnung in München zur Silvesternacht fahnden die Behörden mit Hochdruck nach Hintermännern der möglichen Anschlagspläne. „Ich erwarte nun, dass so intensiv wie möglich ermittelt wird", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Freitag in München. Nach Angaben des Münchner Polizeipräsidenten Hubertus Andrä suchen die Fahnder fünf bis sieben Tatverdächtige, von denen zumindest einige aus Syrien und dem Irak stammen sollen. Hinweisen ausländischer Geheimdienste zufolge sollen sie Anschläge am Münchener Hauptbahnhof und am Fernbahnhof im Stadtteil Pasing geplant haben. Nach einem Großeinsatz der Polizei und einer Sperrung beider Bahnhöfe in der Nacht gab Bayern am Freitag zwar Entwarnung, sprach aber von einer weiterhin hohen abstrakten Gefahr. Bereits seit den Anschlägen von Paris Mitte November sind Behörden in ganz Europa in Alarmbereitschaft.

Nach der Aufregung in der Nacht stuft die Polizei die Terrorgefahr in München jetzt nur noch so hoch ein wie vor der Silvesterwarnung. Zwar seien den Behörden die Namen von einigen der fünf bis sieben Verdächtigen übermittelt worden, die aus dem Irak und Syrien stammen sollen, sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä am Mittag auf einer Pressekonferenz in München.

Doch ob es diese Personen wirklich gibt, und ob sie sich in Deutschland aufhalten, das weiß die Polizei nicht. Da sich die Hinweise somit nicht konkretisiert haben, wird die Gefahr nun etwas geringer eingeschätzt. Derzeit sind im Stadtgebiet noch etwa 100 zusätzliche Polizeikräfte im Einsatz. In der Nacht, als der Hauptbahnhof geräumt wurde, waren es zeitweise 550.

Für den Polizeipräsidenten war es eine Gratwanderung. Er verteidigte zwar die Maßnahmen der Nacht: „Ich würde das nicht als Fehlalarm bezeichnen.“ Die Hinweise auf einen drohenden Terroranschlag seien so konkret gewesen, dass man nicht bis zu einer Entwarnung habe warten können. Zudem habe man ja nicht die ganze Stadt lahmgelegt, sondern mit eher „chirurgischen Maßnahmen“ nur am Hauptbahnhof und dem Bahnhof Pasing reagiert. Doch haben sich die Hinweise bislang offenbar in keiner Hinsicht konkretisiert.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat den Terroralarm der bayerischen Polizei in der Neujahrsnacht gelobt. Der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek sagte am Freitag: „Die bayerische Polizei hat mit den Sperrungen der Bahnhöfe und der Aufforderung an die Bürger, Menschenansammlungen zu meiden, mögliche Ziele von Terroristen aufgelöst und so offenbar ihre Pläne durchkreuzt.“

Im neuen Jahr seien ähnliche Sicherheitsvorkehrungen notwendig, wenn Anschlagspläne bekannt würden: „Daran werden wir uns alle gewöhnen und lernen müssen, damit umzugehen“, sagte der Polizeigewerkschafter. „Um den Verfolgungs- und Überwachungsdruck auf islamistische Terroristen auf diesem hohen Niveau aufrechterhalten zu können, muss die Personalkapazität der Sicherheitsbehörden ständig an die Erfordernisse angepasst werden. Wir haben noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht“, sagte Radek.

Die Münchener müssen nun entscheiden, wie sie mit der latenten Gefahr umgehen. „Ich empfehle den Leuten, ihr Leben so zu leben, wie sie es gewohnt sind“, sagte der Polizeipräsident. Bislang halten sich offenbar viele Münchener auch daran. „Als ich heute morgen durch die Stadt gefahren bin, hatte ich den Eindruck, dass die Münchener intensiv gefeiert haben“, sagte Andrä schmunzelnd.

Für die Polizei wird die Aufgabe durch Trittbrettfahrer schwieriger. Bislang hat es zwei entsprechende Bombendrohungen  gegeben. „Trittbrettfahrer müssen sich warm anziehen“, drohte Andrä. Ihnen drohten ernste Konsequenzen.

Am Neujahrsmorgen nach der Terrorwarnung herrschte in München gespannte Ruhe. Die Stadt war in grauen Nebel getaucht, ab und zu nieselte es. Am Hauptbahnhof hielt sich die Polizei weitgehend im Hintergrund, nur drei Beamte patrouillierten in der Bahnhofshalle in schwerer Schutzmontur und sichtbar bewaffnet. Die Züge fuhren wieder im Normalbetrieb. „Die Verspätungen, die wir haben, sind nicht polizeilich bedingt“, drückte es der Bahn-Angestellte am Infoschalter aus.

Am Hauptbahnhof war feiertagsbedingt etwas weniger los, doch gemieden wurde er nicht. „Wir hatten das gestern Abend gar nicht mitbekommen“, sagte eine 45-jährige Architektin aus München, die ihre Mutter zum Zug brachte. Schützen könne man sich gegen die Gefahr ja ohnehin nicht. Der 15-jährige Robin, der mit zwei Freunden heim an die Nordseeküste nach Jever wollte, fühlte sich sicher. „Am Eingang war ja Polizei.“

Ein paar übernächtigte Partygänger liefen am Morgen noch mit der Sektflasche in der Hand durch den Hauptbahnhof. Das Geschäft laufe normal, berichtete ein junger Verkäufer, der direkt vor den Gleisen gebrannte Mandeln verkauft. „Der Umsatz ist so groß wie immer um diese Zeit.“  Er selbst mache sich keine Sorgen um seine Sicherheit. „Passieren kann einem überall etwas.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×