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14.01.2015

15:44 Uhr

Islam-Bekenntnis der Kanzlerin

„Frau Merkel, Sie irren sich!“

VonDietmar Neuerer

Der Islam gehört inzwischen zu Deutschland: Diese Äußerung des früheren Bundespräsidenten Wulff hat sich Kanzlerin Merkel zu eigen gemacht. Und liegt damit völlig daneben, meint ein bekannter deutsch-ägyptischer Autor.

Der deutsch-ägyptische Schriftsteller und Politologe Hamed Abdel-Samad geht mit der Kanzlerin und ihrem Islam-Bekenntnis schwer ins Gericht. dpa

Der deutsch-ägyptische Schriftsteller und Politologe Hamed Abdel-Samad geht mit der Kanzlerin und ihrem Islam-Bekenntnis schwer ins Gericht.

BerlinAls er den Islam als „religiösen Faschismus“ bezeichnete, wurde der deutsch-ägyptische Politologe Hamed Abdel-Samad von Glaubensführern mit der sogenannten Fatwa belegt, und sie riefen zu seiner Ermordung auf. Doch der Autor („Der Untergang der islamischen Welt“ und „Krieg oder Frieden: Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens“) ließ sich davon nicht beeindrucken und äußerte sich weiterhin kritisch.

Dass er auch die Sicht von Kanzlerin Angela Merkel auf den Islam in den Blick nehmen würde, war zu erwarten. Ungewöhnlich ist, mit welcher Schärfe das frühere Mitglied der deutschen Islam-Konferenz der CDU-Bundesvorsitzenden in  die Parade fährt.

„Hilflos und fantasielos“ nennt es Abdel-Samad, dass sich Merkel eine Äußerung des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff aus dem Jahr 2010 zu eigen gemacht hatte: „Der Islam gehört zu Deutschland.“

Abdel-Samad, der unter anderem am Erfurter Lehrstuhl für Islamwissenschaft und am Institut für Jüdische Geschichte in München arbeitet, wendet sich über seine Facebook-Pinnwand direkt an die „sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin“. Er gesteht ihr zu, dass sie als Kanzlerin aller Menschen, die in Deutschland leben, „selbstverständlich auch die Kanzlerin der Muslime“ sei.

Salafisten – radikale Islamisten mit Verbindung zum Terror

Wer sie sind

Die Salafisten sind eine religiöse und politische Bewegung des Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Sie lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine „islamische Ordnung“ mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

Was sie wollen

Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen jede theologische Modernisierung ab. Das arabische Wort „Salaf“ steht für: Ahnen, Vorfahren. Viele Salafisten tragen lange Bärte und weite Gewänder. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegen Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

Wie viele Anhänger sie haben

In Deutschland zählen die Salafisten oder Neosalafisten knapp 6300 Anhänger, bis Ende des Jahres sieht der Verfassungsschutz die Zahl bei 7000. 1800 seien bereits nach Syrien oder in den Irak gezogen, um mit dem Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Teile der Bewegung stehen beim Verfassungsschutz im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen.

Wen sie beeinflussen

Aus der größten Terrorvereinigung Algeriens, der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ ging die Terrororganisation „Al-Kaida im islamischen Maghreb“ hervor. In der Bundesrepublik stand die terroristische Sauerland-Gruppe unter salafistischem Einfluss. Fast alle Islamisten in Deutschland, die den Dschihad (Heiligen Krieg) befürworten, sind laut Verfassungsschutz mit dem Salafismus in Berührung gekommen.

Allerdings, so Abdel-Samad, sei sie nicht dazu ermächtigt zu behaupten, der Islam gehöre zu Deutschland. „Es ist nicht die Aufgabe eines Politikers, eine Religion zu rehabilitieren oder zu bewerten“, stellt der Wissenschaftler klar. Politiker seien für die Menschen da und nicht für die Ideologien dieser Menschen.

Bevor sie, Merkel, diese Behauptung in die Welt setze, sei sie verpflichtet, den Bürgern in Deutschland zu erklären, was der Islam sei, weist Abdel-Samad die Kanzlerin zurecht. Und dann listet er die aus seiner Sicht relevanten Fragen zu dem Thema auf: „Gehört die Aufteilung der Welt in Gläubige und Ungläubige auch zu Deutschland? Was ist mit Dschihad? Was ist mit Polygamie? Was ist mit der Todesstrafe für Apostaten? Was ist mit Körperstrafen für Diebe und Ehebrecher und Alkoholtrinker? Was ist mit Frauenrechten, die im Islam kaum vorhanden sind? Was ist mit Sklaverei, die im Islam nicht verboten ist? Was ist mit dem Recht der Kinder Angstfrei erzogen zu werden und nicht mit der Drohung mit Höllenqual aufzuwachsen?“

Kommentare (121)

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Herr Edmund Stoiber

14.01.2015, 15:54 Uhr

Der Dame geht doch nur das Wählerpotenzial flöten!

Um gegenzusteuern, ist der jedes Mittel recht!

Herr Vittorio Queri

14.01.2015, 15:56 Uhr

>> Der Islam gehört inzwischen zu Deutschland: Diese Äußerung des früheren Bundespräsidenten Wulff hat sich Kanzlerin Merkel zu eigen gemacht. >>

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Der Zeitpunkt der Entfernung dieser Kreatur aus der Politiklandschaft ist schon fast verjährt.

Und vom Islam hat diese MecPom - Tante soviel Ahnung, wie von Atomkraft, Erneuerbaren Energien,Europa, etc....nämlich gar keine !

Herr Thomas Albers

14.01.2015, 15:56 Uhr

"Gehört die Aufteilung der Welt in Gläubige und Ungläubige auch zu Deutschland? Was ist mit Dschihad? Was ist mit Polygamie? Was ist mit der Todesstrafe für Apostaten? Was ist mit Körperstrafen für Diebe und Ehebrecher und Alkoholtrinker? Was ist mit Frauenrechten, die im Islam kaum vorhanden sind? Was ist mit Sklaverei, die im Islam nicht verboten ist? Was ist mit dem Recht der Kinder Angstfrei erzogen zu werden und nicht mit der Drohung mit Höllenqual aufzuwachsen?“"

Das ist ein wichtiger Punkt, den ebenso einem Kommentator der FAZ aufgefallen ist. Darüber hinaus weist er allerdings auch korrekt darauf hin, dass das sich das Christentum in diesem Punkt nicht vom Islam unterscheidet:

Vergleichbare Formulierungen in der Bibel

Zum anderen zeigt sich, dass sich in der Bibel sehr ähnliche, zum Teil sogar schärfere Formulierungen finden, wenn es um den Kampf gegen Ungläubige (3.Mose 26,7–8; 4.Mose 33,52; 5.Mose 20,10–18; Josua 10,40; Esther 8,11), die Verteidigung des Patriarchats (Epheserbrief 5,22–23; Kolosserbrief 3,18; 1.Petrusbrief 3:1) oder die Verdammung von Homosexuellen geht (3.Mose 18,22, 20,13; 1.Korintherbrief 6,9), während sich überdies dort auch explizite Blasphemieverbote finden (2.Mose 20,4-7, 22,27; 3. Mose 24,16). Dennoch haben die Bibellehren heute offensichtlich keine ähnlich wirksame Mobilisierungswirkung für politische Wirrköpfe wie der Islam und sein Koran.

Woran liegt das? Naheliegend ist die Vermutung, dass dafür Jahrhunderte von Aufklärung und Säkularisierung im Westen verantwortlich sind, die es im Orient so nicht gab und die im Westen bewirkten, dass religiösen Forderungen heute allgemein mit größerer Skepsis begegnet wird.


http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/islam-und-terror-warum-nur-in-gottes-namen-13366177.html

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