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16.12.2014

17:33 Uhr

Islamisierung als Wahlkampfthema

Die AfD mischt bei „Pegida“ mit

Die AfD hat ein neues Lieblingsthema: Die Angst vor einer vermeintlichen Islamisierung Deutschlands. Die Partei soll Demonstrationen von „Pegida“ mitorganisiert haben. Doch das ist ein Spiel mit dem Feuer.

Manfred Mattis, Sprecher des Kreisverbandes Kassel-Stadt der AfD: Die Partei unterstützt die islamkritischen Demonstrationen. dpa

Manfred Mattis, Sprecher des Kreisverbandes Kassel-Stadt der AfD: Die Partei unterstützt die islamkritischen Demonstrationen.

BerlinFür die AfD kommt der Streit um die Protestbewegung „Pegida“ wie gerufen. Denn um die Alternative für Deutschland (AfD) war es in den vergangenen drei Monaten stiller geworden. Nach ihren Erfolgen bei den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg fiel es der rechtskonservativen Partei zuletzt schwer, ein neues Thema zu finden, mit dem sie bis zur Bürgerschaftswahl in Hamburg im Gespräch bleibt.

Nach Informationen der Wochenzeitung „Die Zeit“ werden einige Initiativen der Pegida-Bewegung auch von Mitgliedern der AfD gesteuert. Für den 12. Januar 2015 hat der Leipziger Pegida-Ableger „Legida“ seine erste Demonstration angemeldet. Der Ort hat als Revolutionsstadt von 1989 Symbolwirkung für die islamkritische Bewegung.

Mindestens zwei Mitglieder des bisher unbekannten Organisationsteams sind AfD-Führungsfiguren in Sachsen: Felix Koschkar (27) kandidierte 2014 für die Partei um einen Landtagssitz und gilt als wichtiger Vertreter der extrem rechten und islamfeindlichen Gruppierung der „Identitären“. Koschkar ist außerdem Mitbegründer des AfD-Rechtsaußen-Flügels „Patriotische Plattform“. Auch Hans-Thomas Tillschneider (36) ist dort aktiv und sieht sich als Berater der Leipziger Organisatoren. Der Islamwissenschaftler an der Universität Bayreuth sei von den Legida-Veranstaltern gebeten worden, beim Aufbau des Pegida-Ablegers in Leipzig zu helfen, sagte er der „Zeit“. Der als Islamkritiker bekannte Tillschneider ist Mitglied im Landesvorstand der AfD in Sachsen, war AfD Bundestagskandidat und hat den „Arbeitskreis Islam“ in der AfD ins Leben gerufen.

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Auch in anderen Orten organisieren AfD-Mitglieder die Veranstaltungen der Pegida-Bewegung mit. Einer der Düsseldorfer Veranstalter („Dügida“), Alexander Heumann, ist Mitglied der AfD. Auch in Kassel („Kagida“) wurde der Protest mit Michael Viehmann von einem AfD-Mitglied angemeldet und organisiert. Der Sprecher des AfD-Kreisverbandes Kassel-Stadt, Manfred Mattis, trat als Redner auf.

Dass sich die AfD jetzt schützend vor eine Bewegung stellt, die vor der „Islamisierung des Abendlandes“ warnt, ist allerdings eine riskante Strategie. Denn aus den Reihen der Frustrierten, die sich über „Denkverbote“ und „political correctness“ aufregen, werden der AfD nun wahrscheinlich noch weitere Anhänger zulaufen. Diejenigen unter den AfD-Anhängern, die aus dem liberalen Lager kommen, sehen dieses klare Bekenntnis zu rechten Positionen mit Sorge.

Kommentare (64)

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Eugen Prinz

16.12.2014, 17:53 Uhr

"Die rechtspopulistische Partei hat die latent rassisitische Pegida- Bewegung und ihre Ableger als neues Lieblingsthema entdeckt."

... latente Dumpfschwätzer Medien erledigen von ganz allein den Wahlkampf für die AfD ... Thema verfehlt, nix gelernt aus den letzen Wochen, setzen, 6!

Account gelöscht!

16.12.2014, 18:04 Uhr

Die Anwürfe der alten Parteien gegen die Menschen der Pegida führen nur zu weiterem Zulauf.

Alte Politik begreift nicht, daß nicht gegen Ausländer demonstriert wird, sondern gegen die schlechte Politik in Berlin und den Ländern - bis hin nach Brüssel.

Die Formel "Wir sind das Volk" soll bewußt an den Aufstand der Deutschen in der DDR erinnern.

Erstens ist sie zutreffend auch im Westen.
Zweitens hatte sie geradezu umwerfenden Erfolg.
Dieser wäre ihr auch nun wieder zu wünschen.

Herr C. Falk

16.12.2014, 18:04 Uhr

Nun, wenn ein akademisch gebildeter Islamwissenschaftler bei Pegida bzw. Legida mitorganisiert, hat das wohl eher den entscheidenden Vorteil, dass solides Fachwissen in die Bürgerbewegung einfließt.

Insofern ist sind AfD und Pegida zu beglückwünschen, wenn sie Struktur in die Diskussion um den Islam einbringt.

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