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03.03.2013

12:20 Uhr

Italiens Protestpolitiker keilt zurück

Grillo nennt Steinbrück einen „Flegel“

Peer Steinbrück will seinen Clown-Vergleich nach der italienischen Parlamentswahl nicht zurücknehmen. Das will Protestpolitiker Grillo nicht auf sich sitzen lassen. Er beschwert sich heftig über Steinbrücks Äußerungen.

Italiens Protestpolitiker Beppe Grillo. AP/dpa

Italiens Protestpolitiker Beppe Grillo.

BerlinDer italienische Protestpolitiker und Berufskomiker Beppe Grillo hat den SPD-Kanzlerkandidaten als Flegel bezeichnet. Grillo selbst sagte der "Bild am Sonntag" , er sei ein Komiker aber kein Clown. "Steinbrück hat sich benommen wie ein Flegel." Er habe damit alle Italiener beleidigt, die seine Bewegung gewählt hätten und ebenso die Anhänger Berlusconis. Eine Entschuldigung erwarte er nicht.

Steinbrück wiederum wollte den "Flegel"-Vorwurf nicht bewerten: "Ich will die Äußerungen von Herrn Grillo nicht kommentieren, um die Situation nicht weiter zu eskalieren." SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte aber, Grillo könne Steinbrück gerne einen Flegel nennen, aber entschuldigen müsse sich Steinbrück ganz sicher nicht.

Italien gefährdet Merkels Euro-Mission

Warum ist die Enttäuschung im Regierungslager groß?

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone spielt eine zentrale Rolle bei der Lösung der Schuldenkrise. Italien drücken mehr als zwei Billionen Euro Schulden, rasche Reformen sind nötig, ein Rückfall in den Krisenmodus soll vermieden werden. Kanzlerin Merkel hatte mehr oder weniger offen dafür geworben, dass der Reformkurs des parteilosen Übergangspremiers Mario Monti fortgesetzt wird. Und damit immer auch zu verstehen gegeben, dass eine Rückkehr von Berlusconi alles andere als wünschenswert sei.

War die Wahl ein Statement gegen Merkels Krisenmanagement?

Im Grunde schon. Immerhin haben mit Berlusconi und dem Populisten Beppe Grillo zwei erklärte Gegner der Spar- und Reformpolitik der deutschen Kanzlerin etwa die Hälfte aller Stimmen erhalten. Und Merkels Favorit Mario Monti, der versucht hatte, Italien vor der Pleite zu bewahren und an den Märkten neues Standing zu geben, gehört zu den Wahl-Verlierern.

Gibt es eine anti-deutsche Stimmung in Italien?

Das wohl nicht. Merkel und die angebliche Hegemonie der „Tedeschi“ (ital. die Deutschen) in Europa waren im Wahlkampf aber allgegenwärtig. Berlusconi hatte gemutmaßt, Monti und Merkel hätten sich verständigt, die lange in Umfragen führenden Sozialdemokraten zu unterstützen. Das wäre eine Regierung von Merkels Gnaden gewesen, ätzte Berlusconi. Die Dementis aus Berlin und von Monti haben wohl nichts genützt.

Hat dies Auswirkungen auf die deutsche Europa-Politik?

Der Wahlausgang muss Berlin zu Denken geben. Mit Sprüchen gegen die Kanzlerin hat Berlusconi im Wahlkampf unglaublich aufgeholt. Der Milliardär und Medienmogul gibt vor allem Merkel die Schuld an der Misere Italiens. In die gleiche Kerbe schlägt Ex-Komiker Grillo, der gegen „die da oben“ in Brüssel und in Berlin punktete. Der Populist holte aus dem Stand ein Viertel der Stimmen. Für den deutschen Linkenchef Bernd Riexinger kein Wunder: „Die Wut, die sich an den italienischen Wahlurnen Bahn gebrochen hat, ist imstande, die Euro-Zone zu sprengen. Merkels Sparbombe tickt!“

Droht nun eine Rückkehr der Euro-Schuldenkrise?

Ja, obwohl die Krise nicht wirklich verschwunden war. Die Lage hatte sich allenfalls entspannt. Zumal sich auch für das angeschlagene Euro-Land Zypern nach langem Zögern Berlins eine Lösung bis Ende März abzeichnet. Aus der erhofften Ruhe wurde nichts: Wegen des drohenden politischen Stillstands in Italien steigen nicht nur Risikoaufschläge für italienische Anleihen, sondern die für Papiere anderer Krisenstaaten gleich mit.

Was bedeutet das?

Zunächst einmal dürfte die Verschuldung des ohnehin klammen Italien weiter steigen. Befürchtet wird vor allem, dass das drittgrößte Euro-Land unter den Rettungsschirm schlüpfen muss. Der Hilfstopf ist einschließlich der Restmittel aus dem auslaufenden Fonds zwar noch gut gefüllt, könnte bei einem Schwergewicht wie Italien aber schnell an seine Grenzen stoßen.

Droht Deutschland eine teure Mithaftung?

Bei Rettungshilfen an Italien steigen auch die Garantien und die Haushaltsrisiken für die deutschen Steuerzahler. Was wiederum nicht ohne Folgen für die Kreditwürdigkeit Deutschlands ist und damit Auswirkungen auf die Staatskassen hierzulande hat. Was keine guten Aussichten sind für die schwarz-gelben Wahlkämpfer um Merkel & Co.. Nicht umsonst meinte Außenminister Guido Westerwelle: „Wenn es um die Schuldenkrise in Europa geht, sitzen wir alle im selben Boot.“

Ist Italien das einzige Euro-Sorgenkind?

Italien kämpft zwar mit dem zweitgrößten Schuldenstand in der Euro-Zone, einer Rezession und sinkender Wettbewerbsfähigkeit. Mit einer Schieflage Frankreichs drohen aber weit größere Probleme. Das Defizit des zweitgrößten Eurolandes steigt und steigt. Paris dürfte den Ausgang der Parlamentswahlen in Rom aber als Bestätigung für den eigenen Kurs sehen - mehr auf Wachstum setzen statt aufs Sparen.

Steinbrück hält an seinen umstrittenen Äußerungen zum Ausgang der Italien-Wahl fest. "Gesagt ist gesagt", sagte Steinbrück dem Blatt. "Die meisten Leute sagen mir, dass es ja wohl noch erlaubt sein muss, das auszusprechen, was die Mehrheit der Bevölkerung denkt."
Steinbrück hatte vor wenigen Tagen bei einer Diskussionsveranstaltung den Protestpolitiker und Berufskomiker Beppe Grillo sowie den früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi als Clowns bezeichnet, über deren Sieg bei der Italien-Wahl er entsetzt sei. Italiens Präsident Giorgio Napolitano hatte daraufhin kurzfristig ein Abendessen mit Steinbrück abgesagt.
SPD-Chef Sigmar Gabriel gab dem Kanzlerkandidaten Rückendeckung und legte in der "Bild am Sonntag" sogar noch nach: "Herr Grillo wird ja hoffentlich noch stolz auf seinen Beruf sein, und mit Herrn Berlusconi wäre ich nicht so freundlich umgegangen. Clown ist ja schließlich ein ehrbarer Beruf."

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Einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" zufolge halten allerdings 56 Prozent der Bundesbürger eine Entschuldigung des ehemaligen Finanzministers bei Grillo und Berlusconi für angebracht. 40 Prozent finden, er sollte das nicht tun.


Von

rtr

Kommentare (46)

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Account gelöscht!

03.03.2013, 12:59 Uhr

"Einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" zufolge halten allerdings 56 Prozent der Bundesbürger eine Entschuldigung des ehemaligen Finanzministers bei Grillo und Berlusconi für angebracht. 40 Prozent finden, er sollte das nicht tun."

...dumme Infos für dumme Leute ! Eine Fütterung mit Abfallprodukten. Wann kommt der Mainstream endlich mal aus der Deckung und informiert vernünftig ?

Brasil

03.03.2013, 13:00 Uhr

"Flegel", Herr Grillo, ist ein sehr freundliches Wort fuer einen solchen Schwaetzer, den die Deutschen von den Bilderbergern vorgesetzt bekommen sollen. Das wird aber, Freunde Bilderbergs, ein Schuss in den Ofen, so waere es wenigstens fuer das deutsche Volk zu hoffen. Die Alternative, dass dort die bisherigen Einheitsparteien weiter Regieren ist immer noch die beste Alternative, da schoepft das BILD Volk wenigstens nicht die Hoffnung, dass sich was zum Besseren wendet und dieser Fakt bringt Hoffnung! Aber eben nur Hoffnung, dass der deutsche Michel doch irgendwann mitmacht, wenn um ihn herum, das Establishment aus den Angeln gehoben wird, wie es hoffentlich nun in Italien beginnen wird und m.E. vielleicht auch in Spanien!

Realist

03.03.2013, 13:00 Uhr

Wer den Berufskomiker Grillo als Clown bezeichnet ist ein Flegel. Denn er hat ja die italienischen Wähler damit beleidigt.
Herr Grillo hat alle anderen italienischen Politiker als Geisteskranke bezeichnet. Damit hat er - warum auch immer - die 75% der Wähler, die nicht seine Bewegung wählten, aus irgendwelchen offensichtlich Gründen wohl nicht beleidigt.
Also Herr Steinbrück: Sagen Sie in Zukunft, wenn Sie über italienische Politiker reden, nicht "Clowns" sondern "Geisteskranke". Dann kann dort ja niemand beleidigt sein.

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