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05.02.2014

16:49 Uhr

IW-Studie

In mehr als 100 Berufen herrscht Fachkräftemangel

Vor allem in der Informatik und im Gesundheitsbereich haben deutsche Unternehmen massive Probleme, offene Stellen zu besetzen: Im Pflegebereich kommen zum Beispiel nur 29 Arbeitslose auf 100 Stellenausschreibungen.

Ein Altenheim: Für die Studie des arbeitgebernahen Instituts wurden die bei den Arbeitsagenturen gemeldeten Stellengesuche sowie die in den einzelnen Berufen als arbeitslos gemeldeten Fachkräfte analysiert. dpa

Ein Altenheim: Für die Studie des arbeitgebernahen Instituts wurden die bei den Arbeitsagenturen gemeldeten Stellengesuche sowie die in den einzelnen Berufen als arbeitslos gemeldeten Fachkräfte analysiert.

KölnViele Unternehmen unterschiedlicher Branchen haben laut einer Studie Probleme, offene Stellen zu besetzen. In 106 von rund 580 analysierten Berufen gebe es in Deutschland bereits seit zwei Jahren kontinuierlich weniger Arbeitslose als freie Stellen, teilte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) am Mittwoch mit. Besonders großer Mangel an Fachkräften herrsche in technischen Berufen, in der Informatik und im Gesundheitsbereich.

Für die Studie des arbeitgebernahen Instituts wurden die bei den Arbeitsagenturen gemeldeten Stellengesuche sowie die in den einzelnen Berufen als arbeitslos gemeldeten Fachkräfte analysiert. Demnach kamen zwischen September 2011 und August 2013 auf 100 Gesuche nach Fachkrankenpflegern durchschnittlich nur 29 arbeitslos gemeldete Pfleger. Ähnlich sah es bei Kältetechnikern (33 Arbeitslose), Altenpflegern (34), Bauelektrikern (40) und Mechatronikern (42) aus.

Pflege in Deutschland - Baustellen und Reformpläne (Teil 1)

Angehörige

Zwei Drittel der rund 2,5 Millionen Pflegebedürftigen werden zu Hause von Angehörigen gepflegt. Pflege und Beruf überlasten viele. Union und SPD wollen laut Koalitionsvertrag Erleichterungen ausbauen - etwa bei der Berufsauszeit zur Pflege. Die ambulanten Pflegeleistungen sollen denen für Pflegebedürftige im Heim angeglichen werden. Bund und Länder sollen zusammen Möglichkeiten der Kommunen beraten: Wie können Menschen länger zu Hause gepflegt werden?

Betreuung

Mehr Menschen sollen sich mit Demenzkranken, Behinderten oder psychisch Kranken beschäftigen. Heute können zu Hause Gepflegte 100, maximal 200 Euro pro Monat für die Bezahlung der Helfer bekommen. In Heimen sind neben Fachkräften für diese Aufgaben 24 000 nachqualifizierte Kräfte im Einsatz. Künftig sollen es 45 000 sein. Auch körperlich Pflegebedürftige sollen mehr Betreuung erhalten.

Demenz

Nach kleineren Verbesserungen soll die Pflegeversicherung in einem zweiten Schritt mit einer Großreform besser auf die Demenz eingestellt werden. Bis zu 1,4 Millionen Demenzkranke gibt es heute in Deutschland – in knapp 50 Jahren könnten es laut Experten 2,5 Millionen sein. Bis zu 250 000 nehmen keine Leistungen in Anspruch. Viele bekommen weniger Aufmerksamkeit als gut wäre. Die Ansprüche sollen eine breitere Basis bekommen: Statt heute drei Pflegestufen soll es mehr Grade der Selbstständigkeit geben – auch Einschränkungen bei Wahrnehmung und Bewusstsein sollen als Kriterium gelten.

Finanzen

Die Rücklagen der Pflegeversicherung stiegen leicht auf rund 5,6 Milliarden Euro 2012. Doch geplante Verbesserungen machen frisches Beitragsgeld nötig. So soll der Pflegebeitragssatz von 2,05 Prozent (Kinderlose: 2,3 Prozent) zum 1.1.2015 um 0,3 Punkte steigen. 0,2 sollen später für die geplante Großreform dazukommen.

Weiterführung des Haushalts

Die Hilfen zur Weiterführung des Haushalts sollen ausgebaut werden. Darunter stellt man sich in der Koalition etwa die Stärkung des Ehrenamts vor und verweist auf den Ausbau bei den Betreuungskräften.

Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Bei der Kurzzeitpflege zahlt die Pflegekasse bis zu 1550 Euro für bis zu vier Wochen Heimaufenthalt eines zu Hause gepflegten Menschen pro Jahr. Bei der Verhinderungspflege gibt es Geld für vier Wochen ambulante Pflege, etwa durch einen Dienst, wenn Angehörige Urlaub machen. Heute verfallen Leistungen oft - künftig soll man etwa Geld für nicht beanspruchte Kurzzeitpflege auch leichter für einen Pflegedienst für daheim verwenden können.

Lohnersatz bei Pflegeorganisation

Wer Pflege daheim organisieren muss, hat Recht auf zehn Tage Auszeit - künftig soll es dafür Lohnersatz ähnlich wie Kinderkrankengeld geben. Kritiker monieren: Anders als bei kranken Kindern dürfte nur einmal gezahlt werden.

Bei den Akademikern gibt es laut der Studie in den sogenannten MINT-Berufen, die Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik umfassen, besonders große Engpässe. So kamen 100 Stellenangebote für Elektrotechniker lediglich 55 Arbeitslose, bei Luft- und Raumfahrttechnikern waren es 57 und bei den Informatikern 61 Arbeitslose. Da in der Regel nur etwa jede zweite offene Stelle bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet werde, sei bereits von einem Engpass auszugehen, wenn es je 100 gemeldete offene Stellen weniger als 200 Arbeitslose gebe, erklärte das IW.

Von

afp

Kommentare (7)

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Lutz

05.02.2014, 17:11 Uhr

In den skandinavischen Ländern herrscht fast immer "Fachkräftemangel".

Das Lohnniveau ist dort hoch und leben kann man da meist besser als in Ländern ohne Fachkräftemangel.


Akademiker

05.02.2014, 17:27 Uhr

Zitat : Da in der Regel nur etwa jede zweite offene Stelle bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet werde

- eine Meldung bei dieser Agentur lohnt schon bei männlichen Bewerbern NICHT mehr, wenn sie 40 Jahre alt sind !

Und für Hungerlöhne gehen diese Arbeitnehmer auch nicht malochen, insbesondere zu Zeitfirmen ( moderne Sklavenhändler ) !

Ihr könnt weiter eure Fachkräfte in Rumänien und Bulgarien suchen, verlogenes Pack !

Account gelöscht!

05.02.2014, 18:34 Uhr

In Branchen mit miserabler Bezahlung herrscht nur dann kein Fachkräftemangel, wenn die Arbeitslosigkeit hoch ist, und die Menschen alles nehmen müssen, um über die Runden zu kommen.

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