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06.08.2013

16:30 Uhr

IWF-Analyse

IWF warnt Berlin vor scharfem Sparkurs

Deutschland sei der Stabilitätsanker in der Euro-Zone, lobt der IWF. Die größte Volkswirtschaft sollte es mit dem Sparen aber nicht übertreiben und mehr für die Binnenkonjunktur tun.

Der IWF lobt und warnt Berlin: Den Abbau des Ungleichgewichts in der Euro-Zone treibe Berlin voran, allerdings müsse der Binnenhandel gestärkt werden. Übertriebenes Sparen sei nicht der richtige Weg. dpa

Der IWF lobt und warnt Berlin: Den Abbau des Ungleichgewichts in der Euro-Zone treibe Berlin voran, allerdings müsse der Binnenhandel gestärkt werden. Übertriebenes Sparen sei nicht der richtige Weg.

Washington/BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) hat Deutschland zu mehr Anstrengungen beim Abbau wirtschaftlicher Ungleichgewichte aufgefordert und vor überzogenem Sparen gewarnt. In einem am Dienstag in Washington veröffentlichten Länderbericht lobt der IWF zwar die „bescheidene Lockerung der Fiskalpolitik“ als angemessen, um die Binnennachfrage anzukurbeln. Ein übertriebener Sparkurs sollte wegen der Unsicherheiten aber vermieden werden.

Der IWF plädiert unter anderem für höhere Reallöhne. Dies würde helfen, die Binnennachfrage zu stärken und die Wirtschaft weniger anfällig zu machen für externe Schocks, ohne die Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden: „Ein stärkeres und ausgewogeneres Wachstum in Deutschland ist entscheidend für eine nachhaltige Erholung in der Eurozone und den globalen Aufschwung.“

Warum der IWF so wichtig ist

Was ist der IWF?

Der Internationale Währungsfonds (IWF), der zusammen mit den EU-Staaten zur Rettung der Staatsfinanzen der Euro-Wackelkandidaten einspringen soll, ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Er wurde zusammen mit der Weltbank im Juli 1944 bei der Währungskonferenz in Bretton Woods im US-Staat New Hampshire gegründet.

Wer sind die Mitglieder im IWF?

Dem IWF mit Hauptsitz in Washington (englisch: IMF für International Monetary Fund) gehören heute 186 Staaten an. Das Stimmrecht der Mitgliedsländer richtet sich nach ihrem Kapitalanteil. Dementsprechend zählen die USA (mit 16,77 Prozent), Japan (6,02 Prozent) oder auch Deutschland (5,88 Prozent) zu den Schwergewichten des IWF. Gambia hingegen kommt auf nur 0,03 Prozent und Haiti auf 0,05 Prozent.

Welche Aufgabe hat der IWF?

Hauptaufgabe ist die Wahrung einer stabilen Währungsordnung. Dazu zählt vor allem auch die Verhinderung von Finanzkrisen - wie etwa 1994/1995 in Mexiko oder 1997/1998 in Asien

Welchen Staaten hat der IWF in den letzten Jahren geholfen?

In der jüngeren Vergangenheit griff der IWF auf Ersuchen der jeweiligen Regierungen beispielsweise in der Ukraine, Island, Ungarn, Pakistan und eben auch im Euro-Staat Griechenland ein. Für die betroffenen Staaten ist das mit strengen Auflagen für die Sanierung ihrer Finanzen verbunden.

Wer leitet den IWF?

An der Spitze des Internationalen Währungsfonds steht traditionell ein Europäer. Dagegen wird die Weltbank von einem Amerikaner geführt. Bislang einziger deutscher IWF-Direktor war Horst Köhler. Er hatte das Amt inne, bevor er 2004 zum Bundespräsidenten gewählt wurde.

Mit Blick auf die „starken inländischen Fundamentaldaten“ und die Haushaltslage lobt der IWF Deutschland als wichtigen Stabilitätsanker in Europa. Der weitere Abbau der Unsicherheiten in der Euro-Zone müsse aber „in naher Zukunft“ Priorität haben. Die Verunsicherung der Marktteilnehmer beeinträchtige deutlich die Investitionsbereitschaft in der deutschen Wirtschaft.

Der IWF erwartet für Deutschland in diesem Jahr weiter ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent. „Die Aussichten für den Rest des Jahres 2013 und das nächste Jahr hängen stark von einer allmählichen Erholung im Rest der Eurozone sowie einem nachhaltigen Abbau der Unsicherheiten ab“, heißt es.

Angesichts des starken Außenhandels sei Deutschland sehr anfällig für externe Schocks. Sollten sich Wachstumsaussichten und Beschäftigung eintrüben, müsse mit „proaktiver Finanzpolitik“ gegengesteuert werden. Der Schwung bei den Finanzmarktreformen müsse beibehalten werden. Das Bankensystem in Deutschland sei zwar stabiler geworden, es blieben aber Schwachstellen: Kapitalausstattung und Profitabilität müssten verstärkt werden. Begrüßt werden die Maßnahmen für eine höhere Erwerbsquote.

Das Bundesfinanzministerium sprach von einer ausgewogenen Analyse. Der IWF habe darauf verwiesen, dass Deutschland auf gutem Weg sei zum Abbau der Ungleichgewichte. Der Überschuss in der Leistungsbilanz gegenüber der Eurozone sei seit 2007 rückläufig. Deutschland teile die Auffassung, dass Änderungen der Architektur der Euro-Zone eine robuste Währungsunion schaffen.

Von

dpa

Kommentare (25)

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TomXXX

06.08.2013, 16:50 Uhr

Was rauchen die eigentlich? In jedem Satz widersprechen sie dem vorigen! Und weil die Situation insgesamt recht erfreulich ist (liegt wohl an der realwirtschaftlichen Orientierung = weniger Finanzjongleure) meinen die wir könnten denen noch ein wenig Geld geben, damit sie nicht so verunsichert sind???

Wir sind zwar auch hoch verschuldet, aber insgesamt ist die Situation eben so, dass es uns noch sch...egal sein kann, ob irgendwelche Banker verunsichert oder sonst was sind!!! Geld wird gerade eh gedruckt, dann bleiben diese Art der sog. Investoren hoffentlich weit weg!

Zitat:
"Der weitere Abbau der Unsicherheiten in der Euro-Zone müsse aber „in naher Zukunft“ Priorität haben. Die Verunsicherung der Marktteilnehmer beeinträchtige deutlich die Investitionsbereitschaft in der deutschen Wirtschaft."

Und wenn wir nicht freiwillig teurer werden, dann gibt es eben keine Zulassung für Mercedes in Frankreich mehr...
Und zur Verunsicherung: ein Großteil der weltweiten Umsätze kommen von Computerprogrammen (im Hochfrequenzhandel), die Platinen sind nicht verunsichert! Die kann man einfach auch abstellen! Alle 10 Sekunden ein Kurs reicht auch! Hoffentlich sind diese Jongleure verunsichert, alles andere wäre verkehrt!

Account gelöscht!

06.08.2013, 16:54 Uhr

So ein Schmarrn! D spart doch nicht!

winter

06.08.2013, 17:08 Uhr

Ja, mal wieder Frau Lagardes Dauermantra, Deutschland verschulde dich: oder das deutsche Wirtschaftssystem ist nicht kopierbar oder "Alleintanzen geht nicht auf Dauer", oder: wenn alle wie Deutschland exportierten wollten, würde das Weltwirtschaftssystem zusammenbrechen oder ... oder ... oder
Natürlich hat Sie immer die französische Interessenlage im Auge und nutzt jede Möglichkeit Ihr Heimatland im IWF gegen den wirtschaftlich übermächtigen Nachbarn zu schützen...denn jedes Jahr wandern die volkswirtschaftlichen Vermögen zwischen D und F um 250 Mrd € auseinander
Wir waren gerade in Frankreich und raten allen Franzosen sich mehr als endlich mal anzustrengen, statt bei 35 h Woche 15 h effektiv zu arbeiten, ihre Bürokratie vor die Tür zu setzen, sich zu fortzubilden, Innovations- und Unternehmermut zu zeigen, denn die ganze Welt kann nicht den französischen Luxus- und Präsentationswahns folgen, denn dazu gibt es zu wenig Franzosen auf der Welt!!!

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