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23.05.2011

05:00 Uhr

IWF-Debatte

Ökonomen vermissen Einsatz für deutschen Kandidaten

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie deutsche Unterstützung für Frankreichs Finanzministerin Lagarde bei der Besetzung des IWF-Chefpostens hat Besorgnis unter Ökonomen ausgelöst. Die Experten befürchten, Deutschland verliere international an Einfluss.

Auch in der IWF-Debatte muss Angela Merkel Kritik einstecken. Quelle: dpa

Auch in der IWF-Debatte muss Angela Merkel Kritik einstecken.

DüsseldorfÖkonomen haben Bundeskanzlerin Angela Merkel mangelnden Einsatz für einen deutschen Kandidaten für den IWF-Chefposten vorgeworfen. Deutschland habe mit Altkanzler Gerhard Schröder, Ex-Finanzminister Peer Steinbrück, dem ehemaligen Bundesbankpräsidenten Axel Weber und dem Chef der Osteuropa-Bank EBWE, Thomas Mirow, durchaus eine Reihe erfahrener Persönlichkeiten aufzubieten, „die man ins Spiel bringen könnte“, sagte der Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann, Handelsblatt Online. „Den erklärten Gefallen der Bundeskanzlerin an der französischen Kandidatin Lagarde kann man angesichts ihrer wirtschaftspolitischen Vorstellungen, die den Interessen Deutschlands zuwiderlaufen, kaum verstehen.“

Um die Nachfolge des in New York wegen versuchter Vergewaltigung angeklagten früheren IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn ist ein Rennen zwischen Europa und den Schwellenländern entbrannt. Bei den Europäern kristallisierte sich am Wochenende immer mehr die französische Finanzministerin Christine Lagarde als Kandidatin heraus. Aber auch die Schwellenländer nannten erste Namen aus ihren Reihen. Bis Ende kommenden Monats will der IWF einen Nachfolger für den zurückgetretenen Strauss-Kahn finden.

Für Zimmermann zeigt sich in der deutschen Zurückhaltung in der IWF-Personaldebatte einmal mehr ein Versagen der Politik hierzulande. „Bei allem wirtschaftlichen Erfolg und der daraus erwachsenden politischen Stärke sind unsere Vorstellungen und Orientierungen zu sehr nach Innen orientiert und deshalb provinziell“, sagte der frühere Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Im deutschen Regierungsapparat befänden sich deshalb auch kaum Ausländer und eine zeitweise Abordnung ins Ausland aus dem Apparat in internationale Organisationen habe immer ein wenig den Beigeschmack einer Degradierung und diene bei einer Rückkehr jedenfalls nicht dem weiteren beruflichen Aufstieg.

Der renommierte Krisenökonomen Max Otte regte eine spezielle Ausbildung für politischen Führungskräftenachwuchs an. Deutschland habe kein Korps internationaler Spitzendiplomaten, wie zum Beispiel Frankreich. „Hier müsste für besonders geeignete Ministerialbeamte ein Fast-Track geschaffen werden, wie dies zum Beispiel in Frankreich, den USA oder England besteht, wo die Selektionsfunktion durch entsprechende Eliteuniversitäten erfolgt“, sagte der Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule Worms Handelsblatt Online. Otte beklagte, dass Deutschland traditionell in den internationalen Institutionen unterrepräsentiert sei. „Die deutschen Regierungen haben selten aktiv deutsche Kandidaten und Interessen durchgesetzt.“

Ähnlich äußerte sich IZA-Direktor Zimmermann. „Die Unfähigkeit der deutschen Elite in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, geeignete Persönlichkeiten für internationale Führungspositionen zu qualifizieren und im richtigen Zeitpunkt auch zu platzieren, ist ein seit langem beobachtbares Phänomen“, sagte er. Das hänge mit der geringen Internationalität dieser Elite insbesondere im Wirtschaftsbereich zusammen. „Die Folge ist eine viel zu geringe Vernetzung mit den Führungsschichten der anderen Nationen, wie sie etwa in den anderen Eliten der G20-Nationen zu beobachten ist.“

Kommentare (6)

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Thomas

23.05.2011, 09:46 Uhr

Dummheit ist hier, so befürchte ich, nur Teil der Story. Ich sehe hier eher System drin. Deutschland soll mittels Sozialisten wie Merkel von innen heraus und Sarkozy & Co. von außen zum endgültigen Ausbluten gebracht werden. So soll Deutschland ein für allemal seine wirtschaftliche Stärke verlieren, mit der die USA, England und natürlich Frankreich immer schon Probleme hatten. Daher ist der mangelnde politische Einfluss trotz "größter Zahler" -Status in diversen Organisationen, vollkommen gewollt und nicht nur Zufall. Bilderberger lassen grüßen.

MaWo

23.05.2011, 11:19 Uhr

@ Thomas,
na dann ist ja ein neuer "Führer" auch nicht mehr weit - oder?

Account gelöscht!

23.05.2011, 12:44 Uhr

"Sozialisten wie Merkel" der ist gut.
Sie hat die arbeitenden Menschen in Deutschland ruiniert -Reallohnverluste in Größenordungen und dann noch Erhöhung der Abgabenlast für diese Menschen. gleichzeitig wurden Steuern für Millionenerben drastisch gesenkt. Einhergehend mit Dumpinglohnpolitik usw. Wenn das Sozialismus ist was ist dann Kapitalismus?
Und am Wochenende hat sie ja noch verlauten lassen, daß die Deutschen mehr arbeiten müssen! Davon liesst man hier nichts. Gleichzeitig sollen sie molochen bis 70 oder war es 80 ??
Wird Zeit daß schwarz-geld abtritt!

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