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05.08.2015

14:20 Uhr

IZA-Chef Zimmermann

Experte fordert Deutschunterricht für Flüchtlinge

VonDietmar Neuerer

Angesichts der wachsenden Zahl von Flüchtlingen in Deutschland wird der Ruf nach einem Einwanderungsgesetz lauter. Aus Expertensicht könnten davon nicht nur Migranten und Asylbewerber profitieren.

„Deutschkenntnisse sind der Schlüssel für eine Integration in unsere Gesellschaft sowie in Arbeit und Beruf“, sagte Arbeitsmarktforscher Zimmermann. dpa

Frau aus Kenia informiert sich über Sprachkurse.

„Deutschkenntnisse sind der Schlüssel für eine Integration in unsere Gesellschaft sowie in Arbeit und Beruf“, sagte Arbeitsmarktforscher Zimmermann.

BerlinDer Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann, fordert Deutschkurse für Flüchtlinge und schlägt vor, dafür pensionierte Lehrer einzusetzen. „Es ist wichtig, dass alle Migranten und Asylbewerber, die zu uns kommen, die Möglichkeit erhalten, an Integrationskursen teilzunehmen und insbesondere Deutsch zu lernen, denn der Erwerb von Deutschkenntnissen ist der Schlüssel schlechthin für eine Integration in unsere Gesellschaft sowie in Arbeit und Beruf“, sagte Zimmermann dem Handelsblatt.

Zimmermann kritisierte, dass im Jahr 2014 insgesamt nur 142.000 Personen derartige Angebote genutzt hätten. Vielerorts gebe es Engpässe und lange Wartezeiten. Die Sprachkurse müssten daher „bundesweit deutlich ausgebaut und in einem Einwanderungsgesetz Ansprüche und Pflichten zur Teilnahme klar definiert werden“. „Insbesondere“, so Zimmermann, „sollten pensionierte Pädagogen für flächendeckende Deutschkurse gewonnen werden.“

Welche Regeln bei der Zuwanderung gelten

Die Zahl der Zuwanderer steigt

Im Jahr 2013 kamen 1,23 Millionen Menschen nach Deutschland, wie aus dem neuesten Migrationsbericht der Bundesregierung hervorgeht. Das ist ein deutliches Plus gegenüber 2012, wo die Zahl bei 1,08 Millionen lag. Die Gründe, warum Menschen nach Deutschland kommen, sind unterschiedlich. Entsprechend vielfältig sind die gesetzlichen Grundlagen, die der Zuwanderung zugrunde liegen.

EU-Freizügigkeit

Jeder Bürger eines EU-Landes hat ungeachtet seines Wohnortes und seiner Staatsbürgerschaft das Recht, sich in einem anderen EU-Staat niederzulassen, um dort einer Beschäftigung nachzugehen. Ausnahmeregelungen bei der Arbeitnehmerfreizügigkeit für Rumänen und Bulgaren in Deutschland sind Ende 2013 ausgelaufen. Doch schon zuvor konnten die Menschen aus diesen Ländern nach Deutschland kommen: Die Bundesregierung registriert für 2013 139.000 Zuwanderer mit rumänischer Staatsangehörigkeit und 61.000 mit bulgarischer Staatsangehörigkeit. Zugleich kamen 190.000 Polen in die Bundesrepublik.

Erwerbstätigkeit

Von 2012 auf 2013 ging die Zahl der Erteilungen von Aufenthaltserlaubnissen wegen Erwerbstätigkeit zwar um 13 Prozent auf 33.648 zurück. Allerdings ist dieser Rückgang überwiegend auf den Beitritt Kroatiens zur EU am 1. Juli 2013 zurückzuführen. Arbeitnehmer von dort brauchen seither keinen entsprechenden Aufenthaltstitel mehr. Hauptherkunftsländer waren insbesondere Indien, die Vereinigten Staaten, Bosnien-Herzegowina und China.

Familiennachzug

Wer eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland besitzt, kann in der Regel seinen ausländischen Ehepartner, eingetragenen Lebenspartner oder Kinder nachziehen lassen. Die Familienangehörigen erhalten dafür eine Aufenthaltserlaubnis zum Nachzug. Dafür wurden im Jahr 2013 44.000 Visa erteilt.

Ausländische Studenten

Im Vergleich zum Vorjahr konnte eine Zunahme um acht Prozent auf 86.170 ausländische Studenten festgestellt werden. Damit wurde im Jahr 2013 die bislang höchste Zahl ausländischer Studienanfänger verzeichnet.

Spätaussiedler

Nach einem kontinuierlichen Rückgang von 2001 bis 2012 konnte im Jahr 2013 auch bei der Zuwanderung von Spätaussiedlern und ihrer Familienangehörigen ein leichter Wiederanstieg registriert werden. So stieg die Zahl der Zugänge im Rahmen des Spätaussiedlerzuzugs um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr auf 2.427 Personen.

Bundesbürger

Im Jahr 2013 wurden 140.000 Fortzüge von Deutschen registriert. Die Zahl der zurückkehrenden Deutschen stieg leicht auf 118.000 Zuzüge, so dass der Wanderungsverlust im Jahr 2013 etwas höher ausfiel als im Vorjahr. Studien belegten, dass viele Personen mit und ohne Migrationshintergrund nicht dauerhaft im Ausland bleiben, heißt es im Migrationsbericht. Hauptzielland deutscher Abwanderer ist seit 2004 die Schweiz.

Asylrecht I

Wer in seinem Heimatland politisch verfolgt wird, genießt Asyl. Mit Blick auf die steigende Bewerberzahlen sind im vergangenen Jahr in Einzelbereichen Einschränkungen beschlossen worden. So wurden die drei westlichen Balkanstaaten Serbien, Mazedonien als sichere Herkunftsstaaten eingestuft. Dadurch können Asylanträge von Menschen aus diesen Ländern schneller abgelehnt werden.

Asylrecht II

Zugleich gab es Erleichterungen für die Asylbewerber: Die bisherige Residenzpflicht wurde weitgehend abgeschafft, das Arbeitsverbot wurde gelockert. Dem Migrationsbericht zufolge steigt die Zahl der Asylbewerber seit 2007: Die Zahl der Erstanträge lag 2013 demnach bei knapp 110.000.

Der IZA-Chef wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass allein in diesem Jahr voraussichtlich rund 30.000 verbeamtete Lehrer aus dem aktiven Schuldienst ausschieden – so viele wie nie zuvor. Insgesamt, so Zimmermann weiter, seien zu Jahresbeginn in den Ländern rund 656.000 Pensionäre gezählt worden, darunter bildeten Lehrer den größten Anteil. So hätten zu Beginn des Jahres 2013 rund 326.300 ehemalige Lehrkräfte Pensionsbezüge erhalten. Seitdem sei deren Zahl stetig gestiegen.

Zimmermann gab überdies zu bedenken, dass verbeamtete Lehrer bei ihrem Ausscheiden im Durchschnitt 63,1 Jahre alt seien. „Viele von ihnen sind motiviert, in schulischen oder außerschulischen Kursen Flüchtlingen wichtige Kenntnisse der deutschen Sprache und Informationen über das gesellschaftliche Leben unseres Landes zu vermitteln“, meinte der IZA-Direktor. Dieses Potenzial müsse man jetzt konsequenter aktivieren.

Hinter Zimmermanns Überlegungen steht der Umstand, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mittlerweile 500.000 Asylsuchende für dieses Jahr in Deutschland erwartet. Und das, obwohl Anfang des Jahres noch von 200.000 die Rede war.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

05.08.2015, 14:35 Uhr

Bevor die Flüchtlinge überhaupt einen Unterricht bekommen, bedarf es erst einmal der Klarstellung, ob diese zurecht Asylberechtigt sind. Bevor nicht klar ob der Flüchtling zu recht Asyl bekommt, bedarf es auch keinen Unterricht. Danke!

Herr Bernhard Ramseyer

05.08.2015, 14:46 Uhr

IZA-Chef Zimmermann
Experte fordert Deutschunterricht für Flüchtlinge

Mir fällt da spontan der Spruch ein: Fremdsprachen lernt man am Leichtesten im Bett.

LOL

Herr Falk Jahr

05.08.2015, 15:12 Uhr

Wollen wir die z.T. dreisprachigen Doktoren und Fachkräfte jetzt auch noch mit solchen Banalitäten wie der dt. Sprache belasten bevor Sie endlich unser Rentensystem mit Überschüssen fluten?

Da ich diese weltverändernde Institution bisher nicht kannte habe ich die Wikipedia zu diesen Herrn bemüht: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_F._Zimmermann

Hier fiel mir besonders das Stichwort „Fördermittel“ ins Auge.
Man haben wir ein Sommerloch.

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