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02.09.2012

18:44 Uhr

Jahressteuergesetz

Verlage wütend über Seminar-Verteuerungen

VonHans-Peter Siebenhaar

ExklusivWerden Fortbildungsmaßnahmen demnächst von der Umsatzsteuer befreit, müssten Kunden wie Veranstalter draufzahlen. Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger warnt: „Die Wirtschaft wäre der große Verlierer.“

Besucher eines Kongresses nutzen Internet-Arbeitsplätze in einer Vortragspause. dpa

Besucher eines Kongresses nutzen Internet-Arbeitsplätze in einer Vortragspause.

DüsseldorfDie Pläne im neuen Jahressteuergesetz 2013, Seminare und Kongresse von der Umsatzsteuer zu befreien, bringen Verlage und Fortbildungsunternehmen auf die Palme. Denn die geplante Steueränderung führt zum Wegfall des Vorsteuerabzugs der Anbieter. Sie fürchten dadurch finanzielle Mehrbelastungen für Veranstalter und gewerbliche Kunden.

„Unternehmen müssen künftig mit zehn bis 15 Prozent mehr Kosten für Weiterbildungsangebote ausgeben“, sagte Dirk Platte, Justitiar im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), dem Handelsblatt (Montagsausgabe), wenn künftig alle Bildungsangebote ohne Umsatzsteuer angeboten werden müssen. Die Folge wären weniger Besucher von Fortbildungsmaßnahmen mit Auswirkungen auf Verlage, Druckereien und Hotelbranche.

Elf Schritte zur Vereinfachung der Steuererklärung

Erhöhung der Pauschbeträge für behinderte Menschen (§ 33b EStG)

Die Neuregelung des Einzelnachweises tatsächlicher krankheits- und behinderungsbedingter Kosten und Dauerwirkung der Übertragung des Pauschbetrags eines behinderten Kindes auf die Eltern (§ 33b EStG) sorgt beim Bund für Steuermindereinnahmen von 220 Millionen Euro.

Nachweis von Pflegekosten (§ 33 EStG, § 64 EStDV)

Vereinfachungen beim Abzug und Nachweis von Pflegekosten führen zu Steuermehreinnahmen in Höhe von 140 Millionen Euro.

Abzug von Unterhaltsleistungen in das Ausland (§ 33a Absatz 1 EStG)

Höhere Nachweisauflagen wie die Forderung von Unterhaltstiteln aus Drittstaaten sowie unbaren Zahlungen bringen zusätzliche Steuereinnahmen in Höhe von 100 Millionen Euro.

Erhöhung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags (§ 9a EStG)

Die Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags um 150 Euro auf 1.150 Euro bedeutet Steuermindereinnahmen von 660 Millionen Euro.

Pauschale auf häusliches Arbeitszimmer

Die Pauschalisierung der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer von 100 Euro monatlich (§ 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6b, § 9 Absatz 5 EStG) hat Steuermindereinnahmen von 20 Millionen Euro zur Folge.

Freibeträge im Lohnsteuerabzugsverfahren (§ 39a EStG)

Die zweijährige Gültigkeit von Freibeträgen im Lohnsteuerabzugsverfahren hat keine Auswirkungen auf die Steuereinnahmen.

Steuerfreiheit von Arbeitgeberzuschüssen (§ 3 Nummer 33 EStG)

Die Begrenzung der Steuerfreiheit von Arbeitgeberleistungen zur Kinderbetreuung entsprechend dem Höchstabzug von Betreuungskosten als Sonderausgaben sorgt für Steuermehreinnahmen von 15 Millionen Euro.

Senkung der 44-Euro-Freigrenze für Sachbezüge (§ 8 Absatz 2 Satz 9 EStG)

Diese Maßnahme bringt zusätzliche Steuereinnahmen von 125 Millionen Euro.

Steuerermäßigung für Handwerkerrechnungen (§ 35a Absatz 3 EStG)

Der Sockelbetrag von 300 Euro bei der Steuerermäßigung für Handwerkerrechnungen bringt Steuermehreinnahmen in Höhe von 400 Millionen Euro.

Ausnahmen für Initiatorenvergütungen

Der Wegfall der steuerlichen Vergünstigungen für Initiatorenvergütungen von vermögensverwaltenden Private-Equity-Fonds (Carried Interest) (§§ 3 Nummer 40a und 18 Absatz 1 Nummer 4 EStG) bringt zusätzliche Steuereinnahmen von 120 Millionen Euro.

Vereinfachung des Verlustabzugs bei beschränkter Haftung (§ 15a EStG)

Die Vereinfachung des Verlustabzugs bei beschränkter Haftung von Kommanditisten durch „Steuerbilanzmodell“ anstelle des Handelsrechtsbezugs hat keine Auswirkungen auf die Steuereinnahmen.

„Die Wirtschaft wäre sowohl auf Anbieter- als auch Abnehmerseite der große Verlierer“, warnt Plate. Der VDZ vertritt eine Reihe wichtiger Fortbildungsanbieter an, die gegen die vom Bundeskabinett beschlossene Neuregelung Sturm laufen. Darunter sind der Deutsche Fachverlag, Euroforum, Haufe, Haymarket, C, H. Beck, Süddeutscher Verlag und Vogel.

Die Branche fordert eine schnelle Korrektur des Gesetzesvorhabens. Die Unternehmen schlagen künftig eine differenzierte Regelung vor. Beispielsweise könnten Angebote zur politischen Bildung für Bürger durchaus von der Umsatzsteuer befreit werden, da das Zielpublikum ohnehin nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sei. Im gewerblichen Bereich müsse hingegen weiterhin die Umsatzsteuer für Seminare und Kongresse gelten.

Kommentare (1)

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WerWieWas

03.09.2012, 00:21 Uhr

Aha, jetzt kosten die überflüssigen Weiterbildungsangebote künftig also mehr. Gehen da jetzt mehr Leute hin? Jeder Selbständige geht lieber Geld verdienen, als sich um einen Verdienst zu bringen und noch Geld zusätzlich zu löhnen. Es kann sich also eigentlich nur um Angebote für Leute mit viel Zeit und Geld handeln, die entweder von der AfA gesponsort oder aus der Hartz4 Falle rausgeholt werden sollen.

@pedrobergerac:
Steuern sind übrigens dann völlig überflüssig! Weil man einfach einen Prozentsatz des BIP jährlich definiert als Staatshaushalt und diese Geld ja selbst druckt. Das BIP wäre zudem deutlich höher ohne irgendeine weitere Massnahme.

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