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03.11.2014

11:43 Uhr

Jahrestag der NSU-Aufdeckung

Braune Soße

VonStefan Kreitewolf

Ein Prozess, drei Untersuchungsausschüsse, viele Rücktritte, Protestaktionen und Gedenktage: Obwohl Rechte wieder aufmarschieren, ist die Empörung von 2011 nach der Entlarvung des NSU-Terrors verpufft. Warum nur?

Jahrestag der NSU-Enttarnung

Zschäpe kneift - Prozesstag abgesagt

Jahrestag der NSU-Enttarnung: Zschäpe kneift - Prozesstag abgesagt

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KölnDer erste Raureif liegt auf den Wiesen der Vorgärten, als sich die mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt auf dem Weg zur Wartburg-Sparkasse am Nordplatz in Eisenach machen. Der Plan: Die Bank überfallen.

Alles geht glatt. Sie verletzen einen Angestellten durch einen Schlag mit einer Waffe auf den Kopf und erpressen 75.000 Euro. Mit Fahrrädern flüchten sie zu einem Wohnmobil. So wie sie es bereits vierzehn Mal zuvor in Chemnitz, Zwickau, Stralsund und Arnstadt getan hatten. Doch diesmal geht etwas schief.

Anwohner hatten zuvor ein verdächtiges Wohnmobil der Polizei gemeldet. Nach dem Überfall in der Sparkasse leitet die Polizei eine großangelegte Fahndung ein, errichtet Straßensperren und setzt Hubschrauber mit Wärmebildkameras ein. Mundlos und Böhnhardt verstauen ihre Fahrräder im Wohnmobil. Einem Passanten erscheint dies ungewöhnlich. Er verständigt die Polizei.

Als sich ein Sondereinsatzkommando gegen 11.30 Uhr dem verdächtigen Wohnmobil nähert, sind Schüsse zu hören. Wenig später steigt Rauch aus dem Fahrzeug. Mundlos und Böhnhardt sind tot. Einer hatte den anderen durch einen Kopfschuss gerichtet und dann sich selbst.

In ihrem Fluchtfahrzeug und einer eilends durch ihre mutmaßliche Komplizin Beate Zschäpe zerstörten Wohnung in Zwickau findet die Polizei in der Folge zahlreiche Waffen, darunter die Tatwaffen einer Mordserie an acht türkischstämmigen und einem griechischen Händler sowie einer Polizistin. Es ist Anfang November 2011 – dieses Datum markiert das Ende des größten rassistischen Verbrechens in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg.

Fassungslosigkeit, Empörung und Wut auf Politik und Polizei: Die Taten der Terrorgruppe „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) ließen die Bundesrepublik im Herbst 2011 nicht los. Wer wollte schon in einem Land leben, in dem Menschen sterben, während Sicherheitsbehörden auf dem rechten Auge zu sein scheinen? Wie konnte das geschehen?

Kommentare (8)

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Herr Helmut Paulsen

03.11.2014, 11:56 Uhr

Endloser Prozess aus der Bratpfanne des Verfassungsschutzes.

Alles Lügen in der Presse, das haben die Bürger längst bemerkt.

Gerichte als befangene Propaganda-Retorten der Politischen Ideologen.

Herr Manfred Zimmer

03.11.2014, 11:57 Uhr

Was soll man dazu noch sagen?

Natürlich ist die Sache mit den Nazis nicht korrekt. Wer aber den Prozess verfolgt, der kommt ganz schnell zu der Erkenntnis, dass das Trio ohne die Unterstützung der Behörden dieses Trama hätten nicht entfalten können.

Man kann sich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass die, die Dienstaufsicht hätten ausüben müssen, alles andere getan haben.

Nicht nur in diesem Fall müssen wir unser Kontrollsystem in Frage stellen. Es muss sogar die Frage gestellt werden, ob eine Judikative, die sich seit dem Mittelalter nicht mehr fortentwickelt hat, ja sogar das Naziregime ohne Anpassung danach überlebt hat, nioch zeitgemäß ist.

Viele regen sich bewusst über den Spruch des Bundespräsidenten zur aktuellen Regierungsbildung im Ostteil unseres Landes auf. Um wieviel mehr hätte der Bundespräsident in dieser Sache Grund dazwischenzuschlagen.

Es ist nicht die Absicht, Ost und West zu trennen. Diese Missstände, die fehlenden notwendigen Veränderungen nach dem Dritten Reich sind heute noch in beiden Teilen Deutschlands in Justiz und Strafverfolgung anzuprangern.

Wenn schon anprangern, dann auch richtig!

Herr Horst Meiller

03.11.2014, 12:06 Uhr

"Warum nur?"
Vielleicht weil sich immer mehr Menschen in diesem Land nicht mehr von der von den "etablierten" Parteien verordneten veröffentlichten Meinung für dumm verkaufen lassen und längst durchschaut haben, aus welcher "Ecke" die größte Gefahr wirklich kommt, und zwar NICHT aus der Rechten, sondern eindeutig aus der bisher sträflich verharmlosten Islamistischen!

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