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13.03.2011

08:41 Uhr

Japan-Debatte in Deutschland

„Wir bleiben bei der Atomkraft“

ExklusivWegen der Atomhavarie in Japan bahnt sich in Deutschland ein Koalitionsstreit über die Zukunft der Kernenergie an. Für Umweltminister Röttgen ist die Atomkraft ein Auslaufmodell, die FDP will daran festhalten.

Luftballons mit der Aufschrift "Atomkraft abschalten!" - die Atompolitik sorgt für Streit in der Koalition. Quelle: dpa

Luftballons mit der Aufschrift "Atomkraft abschalten!" - die Atompolitik sorgt für Streit in der Koalition.

Düsseldorf/BerlinNach Ansicht von Bundesumweltminister Norbert Röttgen wirft die Atomhavarie in Japan grundsätzliche Fragen zur Kernenergie auf. "Das ist schon eine Zäsur", sagte der CDU-Politiker am Samstagabend in der ARD. Es stelle sich die Frage nach der der Beherrschbarkeit der Atomtechnik. "Ich finde, dass dieser Debatte nicht ausgewichen werden darf." Zudem müsse man sich fragen, ob man nicht schneller zu anderen Energiequellen kommen müsse. "Dass wir weg wollen, ist klar." Es stelle sich aber die Frage nach dem Weg und der Geschwindigkeit. Die Atomenergie sei ein "Auslaufmodell", sagte Röttgen.

Kanzlerin Angela Merkel hatte angekündigt, nach dem Reaktorunglück in Japan Konsequenzen für Deutschland zu prüfen. Die Bundesregierung wisse zwar um Sicherheit der heimischen Atomkraftwerke. Nach dem Vorfall in einem technisch entwickelten Land wie Japan könne man aber in Deutschland nicht zur Tagesordnung übergehen.

In der FDP regt sich derweil Widerstand gegen eine mögliche Aufweichung des schwarz-gelben Atomkurses. Ungeachtet der Reaktor-Katastrophe in Japan plädiert beispielsweise der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis für ein Festhalten an der Atomenergie. "Wir bleiben bei der Atomkraft als Bestandteil im Energiemix", sagte das FDP-Bundesvorstandsmitglied Handelsblatt Online. "Allerdings sollte die Baustatik aller Atomkraftwerke global überprüft werden", fügte Chatzimarkakis hinzu.

Er verlangte zudem ein weltweites Bauverbot für Atomkraftwerke in Risikozonen, wie etwa dem San-Andreas-Graben in Kalifornien. Die Vereinten Nationen müssten eine Liste der Liste der akut von Erdbeben bedrohten Regionen erstellen und erklären, dass dort "zum Schutze der Menschheit" keine Reaktoren gebaut werden dürfen. "Ein solches Uno-Übereinkommen muss schleunigst in Angriff genommen werden", sagte der FDP-Politiker, der auch Mitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europaparlaments ist.

Merkel sprach mit Blick auf Japan von einer "außergewöhnlich ernsten Situation" und kündigte an, dass es dazu "in der nächsten Woche auch im Parlament natürlich dazu eine Debatte geben" werde. Das Thema müsse auch auf die Tagesordnung der EU-Fachminister.

Mit der Bemerkung, es sei zu früh, endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen, wandte sich Merkel indirekt gegen die Forderung nach einer Stilllegung deutscher Atommeiler. Sicherheit bleibe das oberste Gebot. Sie versicherte: "Es ist nach menschlichem Ermessen nicht vorstellbar, dass Deutschland von den Auswirkungen des Unglücks in Japan betroffen sein könnte." FDP-Chef Guido Westerwelle erklärte, angesichts des tausendfachen Leids sei nicht die Zeit für parteipolitische Debatten über die Risiken der Atomkraft.

Kommentare (12)

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LarsM

13.03.2011, 09:20 Uhr

Bei der Atomkraft kann es niemals Sicherheit geben! Und gerade jetzt, angesichts des tausendfachen Leids in Japan, IST DER ZEITPUNKT gekommen, die eingeschlagene Richtung neu und endgültig zu überdenken! Alles andere ist reine Kosmetik und ändert nichts an den grundlegenden Problemen der Atomkraft, die wir auch in Deutschland haben. Es ist zwar aus den Schlagzeilen mittlerweile verschwunden, doch glaube ich mich zu erinnern, dass unser "Endlager" für horrende Summen dringend saniert werden muss, da es so langsam vor sich hin bröckelt und keineswegs "sicher" ist. Aber was interessiert uns das schon? Bei diesen "strahlenden" Aussichten ...

PS: Die FDP kann gerne an der Atomkraft festhalten. Fraglich ist dann aber nur, ob auch das Volk länger noch an der FDP festhalten möchte. Den großen Wurf hat sie innerhalb dieser Legislaturperiode ohnehin noch nicht geliefert.

Account gelöscht!

13.03.2011, 09:37 Uhr

Natürlich bleiben wir bei der Atomkraft, denn wir alle wollen unseren Lebensstil ja nicht ändern.

Nehmen wir das Beispiel Elektro-Auto: egal ob Atom, Braunkohle oder in China unter ökologisch zweifelhaften Bedingungen zusammengeschusterte Solarzellen - Strom kommt nicht einfach nur aus der Steckdose! Jeder könnte also wissen, dass das Elektro-Auto beim gegenwärtigen Stand der Technik nicht Öko ist und doch spielen alle mit. Der Strom-Industrie winken fette Profite, die Automobil-Industrie sichert ihren Absatz nach Peak-Oil und der Konsument kann auch zukünftig weiterhin sonntags zum Kaffeetrinken ins Grüne fahren.

Letztendlich kommt mit Taminos Ausruf aus der Zauberflöte in den Sinn «so ist denn alles Heuchelei...»

Account gelöscht!

13.03.2011, 10:05 Uhr

Alle, die uneingeschränkt die Atomernergie befürworten, sollten zu einer Lernstunde nach Japan abgestellt werden.
Außerdem sollten diese Befürworter Ihren Wohnsitz in der unmittelbarer Nähe eines AKW beziehen. Es ist ja alles sicher!!

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