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13.10.2014

07:56 Uhr

Jauch-Talk zu Schwans Kohl-Buch

„Wenn ich diese Bilder sehe, kommen mir die Tränen“

VonChristian Bartels

Wenig Erkenntnis, aber Aufregung herrschte in Günther Jauchs ARD-Talkshow zum umstrittenen Buch mit nicht autorisierten Helmut-Kohl-Aussagen. Eine verwirrende Diskussion mit blanken Nerven und verletzten Eitelkeiten.

Jauch und Talkgast Schwan (l.): „Dummheit in höchster Form“

Jauch und Talkgast Schwan (l.): „Dummheit in höchster Form“

BerlinGünther Jauchs Talkshow zum Thema „Helmut Kohl - Wem gehört seine Geschichte?“ lief wenige Minuten, da überraschte Heribert Schwan, der Autor des am heutigen Montag offiziell erscheinenden Buchs „Vermächtnis/ Die Kohl-Protokolle“, den ebenfalls gastierenden Anwalt des Altkanzlers mit der Aussage, dass er „gar nicht hier sitzen“ dürfte. Der ehemalige Ghostwriter Kohls bezog sich offenbar auf die Anwaltsregel, dass in laufenden Auseinandersetzungen Anwälte der Gegenseite mit einem Beteiligten nicht ohne Einwilligung der Anwälte verhandeln dürfen.

Das Argument verfing aber nicht, Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner blieb im Studio sitzen.

Am Ende der zähen Diskussion kündigte Schwan dann an, Kopien seiner Tonbänder mit Helmut-Kohl-Aussagen dem Bundesarchiv überlassen zu wollen. Holthoff-Pförtner riet dem Bundesarchiv, sie nicht anzunehmen. „Das Fertigen von Kopien ist eine Straftat“, sagte er. „Unsinn, das ist keine Straftat“, entgegnete Schwan noch, dann war die Sendung zu Ende. Geklärt wurde also auch dieses Argumente nicht im Geringsten.

Zutage traten bloß blanke Nerven und verletzte Eitelkeiten. Vor allem Schwan erfüllte entsprechende Erwartungen. Auf Jauchs Frage, wo seine Tonbänder mit Kohls Aussagen sich befinden, antwortete er, es gebe „jede Menge Kopien“, die „verstreut in deutschen Landen, auch im Ausland“ seien - als ob er ein Whistleblower vom Rang Edward Snowdens wäre, den und dessen Wissen die Geheimdienste der Welt jagten.

„Wenn ich diese Bilder sehe, kommen mir die Tränen“, sagte er zu Kohls Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse in der vergangenen Woche, „das ist nicht sein Wille, das hätte er nicht gewollt“.

Einen weiteren Vorwurf an Maike Kohl-Richter, der ihn offensichtlich mehr wurmt, legte er später nach: „Dummheit in höchster Form“. „Wie dumm war es, meinen Vertrag zu kündigen? Ich hatte das Herrschaftswissen...“, echauffierte sich Schwan darüber, wie ihm im Jahr 2009 sein Autorenvertrag gekündigt wurde.

Den Eindruck, dass es bei der vom „Spiegel“ der Vorwoche befeuerten Auseinandersetzung um das Kohl-Buch nicht zuletzt um Eitelkeiten geht, bestätigte die Jauch-Show.

Kommentare (11)

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Herr W. H.

13.10.2014, 08:32 Uhr

Verletzte Eitelkeiten?
Das ging wohl schon etwas tiefer! Da hat sich ein Ghostwriter zumindest moralisch nicht richtig verhalten und sein Wissen im Eigeninteresse missbraucht. Und Kohl hatte wohl eine sehr schlechte juristische Beratung. Und als langjähriger Spiegel-Leser bin ich von dessen Redaktion enttäuscht. Diese Auszüge aus dem Kohl-Buch hätten besser in die Bild gepasst!

Sergio Puntila

13.10.2014, 09:11 Uhr

Aber, der Scoop hat es bis zu Jauch gebracht und damit zu einer weiteren überflüssigen Sendung.

Herr Peter Petersen

13.10.2014, 09:46 Uhr

Stimmt. Die Sendungen mit der aus sind allemal informativer und auch interessanter als Sendungen mit Herrn Jauch ;-)
Moral, Geist und Humor bleiben bei den meisten Talkrunden auf der Strecke. Die Themen sind doch fast nebensächlich, es geht doch mehr um die Selbstdarstellung der Moderatoren. Die Sendung "Scobel" und Talk im Dritten sind da lobenswerte Ausnahmen.

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