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04.01.2012

14:30 Uhr

Joachim Gauck

Der bessere Präsident

VonFlorian Brückner

Für viele Deutsche wäre Joachim Gauck der bessere Bundespräsident. Jetzt werden Rufe laut, Gauck soll das Amt übernehmen. Doch der einstige Ministerpräsident Wolfgang Böhmer warnt vor einer Nachfolgedebatte.

Gegenwind für Wulff: "Sowas brauchen wir nicht"

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Egal was Christian Wulff heute Abend auch sagen wird, wenn er seine überfällige Erklärung abgibt, der ideale Bundespräsident ist er seit seiner Kreditaffäre und den Anrufen beim Springer-Verlag nicht mehr. Der "bessere", der "Präsident der Herzen", wie “Spiegel” und “Welt am Sonntag” 2010 titelten, war er demnach von Anfang an nicht. Diese Titel trug ein anderer, nämlich Joachim Gauck.

SPD und Grüne hatten den ehemaligen DDR- Bürgerrechtler und Pastor Gauck 2010 gegen Wulff als Kandidaten für das Präsidentenamt ins Rennen geschickt. Er verlor den Wettstreit ums höchste Staatsamt, aber seine Niederlage fiel glorreich aus. Im ersten Wahlgang errang er mehr Stimmen als Rot-Grün in der Bundesversammlung hatte, und er schlug sich wacker bis in die dritte und letzte Runde. Erst im Endspurt unterlag der Kandidat von SPD und Grünen dem Kandidaten von Schwarz-Gelb, Christian Wulff.

Gaucks Verpflichtung für die Freiheit, sein Nein zum staatlichen Dirigismus begeisterte auch viele Liberale und Unionspolitiker - von weiten Teilen der Öffentlichkeit ganz abgesehen. Seine Beliebtheit hatte auch mit seinem Werdegang zu tun, der so anders ist als der von Christian Wulff.

Der in Rostock geborene Pfarrer Gauck war nach der Wende Mitbegründer des Neuen Forums, gehörte als Parteiloser 1990 der ersten freigewählten Volkskammer an und organisierte nach der Wiedervereinigung als erster Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde  die Aufarbeitung der Ost-Verbrechen. So gesehen personifiziert er auch den demokratischen Neuanfang im Osten Deutschlands.

Vor allem im Internet sorgte Gauck für Furore. Dort unterstützten ihn Zehntausende. "Ich bin doch kein Popstar", hatte Gauck damals verblüfft erklärt - zumal er Internetnetzwerke wie Facebook selbst gar nicht nutzte. Gauck surfte auf einer gewaltigen Popularitätswelle. Die ging so weit, dass wenige Tage vor der Bundespräsidentenwahl neben ehemaligen CDU-Spitzenpolitikern wie Kurt Biedenkopf sogar die Alt-Bundespräsidenten Roman Herzog und Richard von Weizsäcker eine freie Wahl für die Mitglieder der Bundesversammlung forderten.

Beliebt und gefragt ist er heute noch, nicht nur als möglicher Schlichter beim Bahnhofsdrama Stuttgart 21, sondern auch jetzt in der Causa Wulff.

Chronologie: Wulffs Kredit-Affäre

25. Oktober 2008

Christian Wulff, damals Ministerpräsident von Niedersachsen, bekommt von der Unternehmergattin Edith Geerkens einen Privatkredit über 500.000 Euro zum Kauf eines Hauses in Burgwedel bei Hannover.

18. Februar 2010

Die Grünen im niedersächsischen Landtag wollen vom damaligen Ministerpräsidenten Wulff unter anderem wissen, welche Spenden beziehungsweise Sponsoringleistungen er oder die CDU in den vergangenen zehn Jahren vom Unternehmer Egon Geerkens erhalten haben und ob es geschäftliche Beziehungen zu Geerkens gab. Wulff verneint dies.

21. März 2010

Die im Dezember 2009 aufgenommenen Gespräche mit der Stuttgarter BW-Bank führen zur Unterzeichnung eines kurzfristigen günstigen Geldmarktdarlehens, mit dem Wulff das Geerkens-Darlehen ablöst. Der Zinssatz beträgt 2,1 Prozent. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ vermutet Ende 2011 einen Zusammenhang zwischen dem sehr günstigen Darlehen und dem Einsatz Wulffs als niedersächsischer Ministerpräsident für den Einstieg des VW-Konzerns bei Porsche.

17. August 2011

Der Bundesgerichtshof (BGH) entscheidet, dass Journalisten das Grundbuch von Wulffs Haus einsehen dürfen, wenn dies für eine journalistische Recherche erforderlich ist. Mehrere Medien recherchieren zu dem Fall.

12. Dezember 2011

Bundespräsident Wulff besucht die Golfregion und versucht Medienberichten zufolge, den „Bild“-Chefredakteur Kai Dieckmann zu erreichen, um auf die anstehende Berichterstattung über seinen Privatkredit Einfluss zu nehmen. Er spricht Diekmann auf die Mailbox und droht den „endgültigen Bruch“ mit dem Springer-Verlag für den Fall an, dass diese „unglaubliche“ Geschichte tatsächlich erscheine.

13. Dezember 2011

Die „Bild“-Zeitung berichtet erstmals über das Darlehen und fragt, ob Wulff das Landesparlament getäuscht habe. Sein Sprecher Olaf Glaeseker teilt mit, Wulff habe die damalige Anfrage korrekt beantwortet. Es habe keine geschäftlichen Beziehungen zu Egon Geerkens gegeben und gebe sie nicht.

15. Dezember 2011

Der Bundespräsident bedauert in einer schriftlichen Mitteilung, den Kredit von Edith Geerkens vor dem niedersächsischen Landtag nicht erwähnt zu haben. Zudem teilt er mit, er habe das Geldmarktdarlehen in ein langfristiges Bankdarlehen umgewandelt und er wolle Einsicht in Vertragsunterlagen gewähren.

16. Dezember 2011

„Der Spiegel“ berichtet, dass offenbar doch Egon Geerkens der Kreditgeber war. „Ich habe mit Wulff verhandelt“ und „Ich habe mir überlegt, wie das Geschäft abgewickelt werden könnte“, zitiert das Nachrichtenmagazin den Unternehmer.

21. Dezember 2011

Sechs Tage nach dieser Erklärung unterschreibt Wulff den Vertrag zur Umwandlung seines Darlehens. Das Dokument war nach Angaben der BW-Bank am 12. Dezember an Wulff geschickt worden.

22. Dezember 2011

Wulff tritt erstmals persönlich in der Affäre an die Öffentlichkeit und entschuldigt sich für seinen Umgang mit den Vorwürfen. Er bekräftigt jedoch, im Amt bleiben zu wollen. „Ich habe zu keinem Zeitpunkt in einem meiner öffentlichen Ämter jemandem einen unberechtigten Vorteil gewährt“, versichert das Staatsoberhaupt. Kurz vor seiner Erklärung im Schloss Bellevue entlässt Wulff seinen langjährigen Sprecher Olaf Glaeseker ohne Angabe von Gründen.

27. Dezember 2011

Der von Wulff unterschriebene Vertrag geht bei der BW-Bank ein. Die Laufzeit des Darlehens beginnt am 16. Januar 2012.

2. Januar 2012

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) kritisiert den angeblichen Versuch Wulffs, Einfluss auf die Berichterstattung der „Bild“-Zeitung zu nehmen. Zuvor hatten Medien erstmals über den Anruf Wulffs vom 12. Dezember 2011 bei Diekmann berichtet. (Quelle: dapd, dpa)

4. Januar 2012

Der Bundespräsident bricht sein Schweigen. In einem Fernseh-Interview zur besten Sendezeit beantwortet Christian Wulff Fragen zur Kredit-Affäre. Im Gespräch mit ARD und ZDF räumte Wulff ein, dass der Drohanruf bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann „ein schwerer Fehler“ gewesen sei, der mit seinem eigenen Amtsverständnis nicht vereinbar sei. Der Fehler tue ihm leid und er habe sich auch entschuldigt. Zugleich betonte Wulff, er wolle nicht Präsident in einem Land sein, in dem man sich kein Geld von Freunden leihen könne. Ungeachtet des anhaltenden Drucks in der Kredit- und Medienaffäre machte der Bundespräsident in dem Interview auch klar, dass er nicht zurücktreten wolle. „Ich nehme meine Verantwortung gerne wahr“, sagte Wulff. Mit Blick auf das Darlehen der BW Bank sagte er, es handele sich um normale und übliche Konditionen. Das gesamte Risiko der Zinsentwicklung liege bei ihm, so Wulff. Er habe keine Vorteile genossen, es handele sich um ein Angebot wie für andere auch.

5. Januar 2012

Der Bundespräsident bleibt auch nach seinem TV-Auftritt unter Druck. Die Opposition hält Wulffs Erklärungen für unzureichend, die „Bild“-Zeitung widerspricht zentralen Aussagen und einer Umfrage zufolge verliert Wulff in der Bevölkerung an Unterstützung.

Wulff war in dem Fernseh-Interview gefragt worden, ob es nicht für einen Bundespräsidenten tabu sein müsse, unliebsame Berichterstattung verhindern zu wollen. „Ich habe nicht versucht, sie zu verhindern. Ich habe darum gebeten, einen Tag abzuwarten“, sagte er dazu. Nikolaus Blome, Leiter des Hauptstadt-Büros der „Bild“-Zeitung, reagiert: „Das haben wir damals deutlich anders wahrgenommen. Es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden.“

Kommentare (13)

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Zeitzeuge

04.01.2012, 14:38 Uhr

Traue keinem und keiner, welche etwas mit den transaltantischen Netzwerken zu tun haben! Diese Leute verraten alle unser deutsches Volk und seine natürlichen Interessen!

Pro

04.01.2012, 14:42 Uhr

J. Gauck, ein Mann auf die man sich als Bankster verlassen kann.
Der letzte Freidenker (Wulff) geht von Bord und die Diktatur der Bankster und Bilderberger ist perfekt.

Danke lieber Medien, ihr habt geholfen, ihm den Todesstoß zu verpassen
Danke, ihr Kinder und Enkel vom von der Sportpalastrede Früher hieß es "Wollt ihr den totalen Krieg"
Heute heißt es: "Wollt ihr das Diktat der Bankster und illuminerten Rothschild Bilderberger"

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Gauck hält Protest für "unsäglich albern"
17. Oktober 2011 14:40


Während weltweit Hunderttausende gegen die Finanzwirtschaft demonstrieren, urteilt der deutsche Bürgerrechtler Joachim Gauck über die Protestbewegung hart. Die Demonstrationen in New York, Boston, Manila, Wien und Co. seien gespickt mit "romantischen Vorstellungen" und ein "Irrtum", so der ehemalige Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten bei einer Veranstaltung der "Zeit" in Hamburg.
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Das war (zeitlich) nach der Todesrede unseres Bundespräsidenten, also hiermit zeigte Herr Gauck auf, dass er ALLLES mitmacht, was die Bankster ihm befehlen werden.

Radek

04.01.2012, 14:47 Uhr

Rücktritt von Wulff, Einberufung der Bundesversammlung, Wahl von Joachim Gauck mit breiter Mehrheit, alles etwas aufwendig und mit politischem "Stress" verbunden aber allemal besser als der jetzige Zustand mit einem BP, den niemand mehr will und dem es nicht nur an Format, sondern offensichtlich auch an der für das Amt notwendigen Intelligenz fehlt. Mangelnde Intelligenz, sonst wäre ihm dieser lächerliche Drohanruf nicht passiert.

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