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17.02.2012

17:05 Uhr

Joachim Gauck

Der Demokratie-Streiter

VonBarbara Gillmann

Joachim Gauck erntete schon 2010 parteiübergreifende Sympathien. Nun steht der Mecklenburger Pfarrer wieder in vorderen Reihe, wenn es um die Wulff-Nachfolge geht. Handelsblatt-Online wirft ein Blick in sein neues Buch.

Joachim Gaucks Buch „Freiheit – Ein Plädoyer“ kommt genau an dem Tag in die Buchhandlungen, an dem Christian Wulff seinen Rücktritt bekannt gibt. Reuters

Joachim Gaucks Buch „Freiheit – Ein Plädoyer“ kommt genau an dem Tag in die Buchhandlungen, an dem Christian Wulff seinen Rücktritt bekannt gibt.

Joachim Gauck ist einer derjenigen, der ganz vorne in der Reihe der potentiellen Kandidaten für die Nachfolge des glücklosen Christian Wulff stehen. 2010 hatten Sozialdemokraten und Grüne den Mecklenburger Pfarrer als Gegenkandidaten zu dem Niedersachsen ins Rennen um das höchste Staatsamt geschickt. Spätestens seit Wulff kurze Zeit später in die Schlagzeilen geriet, war immer öfter die Rede davon, dass er wohl die bessere Wahl gewesen wäre - und vielleicht wieder sein könnte.

Der Zufall wollte es, dass exakt an dem Tag, an dem der Amtsinhaber aufgibt, das neue Buch Gaucks in die Buchhandlungen kommt.

„Freiheit – Ein Plädoyer“ ist eher ein Büchlein, gerade mal Din A5 groß und nur 60 Seiten dick - doch man kann es nun getrost als erneute Antrittsrede lesen. Widmet es sich doch den zentralen Werten des Westens, dem der ehemalige DDR-Oppositionelle und langjährige Chef der Stasi-Unterlagenbehörde gern mehr Geltung verschaffen würde: der Freiheit, der Verantwortung und der kritischen Toleranz.

Zitate aus dem Gauck-Buch

Kampf für die Freiheitsrechte

„Sind wir zu vornehm und satt geworden, um für die Werte zu streiten, die für den Westen Deutschlands seit 60 Jahren selbstverständlich geworden sind?“

Verantwortung

„Unsere Fähigkeit zur Verantwortung gehört zum Grundbestand des Humanen.“

Globale Leitkultur

„Freiheit, Verantwortung und Toleranz können Grundlage einer globalen Leitkultur sein.“

Wunsch nach Freiheit

„Wir spüren die tiefe Sehnsucht danach, ungebunden zu sein, nicht kommandiert zu werden, selbst unsere Maßstäbe zu setzen.“

Definition des Bürgers

„Bürger sind Menschen, die Bürgerrechte haben, und diese auch ausüben.“

Gleichgültigkeit

„Gleichgültigkeit ist ein anderer Name für Verantwortungslosigkeit.“

Gerade die Freiheit wird von den Deutschen zu wenig geschätzt und verteidigt, mahnt der Mecklenburger Theologe: Manchmal beschleiche ihn, einen „Liebhaber der Freiheit“, das Gefühl, einer gewissen Minderheit anzugehören“, bekennt er gleich zu Anfang. Bei vielen Deutschen hingegen vermutet er „eine geheime Verfassung, deren virtueller Artikel 1 lautet: Die Besitzstandwahrung ist unantastbar“.

Gauck vermisst nicht nur die angemessene Freude über Begeisterung darüber, in einer der freiesten Gesellschaften der Welt zu leben. Er verlangt mehr. Der ehemalige „Insasse“ der DDR will nicht nur Freiheit „von“ etwas, also etwa von Unterdrückung, sondern Freiheit für etwas. Sie könne nur der mit Leben erfüllen, der Verantwortung übernehme: Nicht nur für Kinder, nicht nur Im Job, sondern gerade auch politische Verantwortung.

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Er geißelt nicht nur früheren Oppositionelle Ostdeutschlands, die angewidert den Einfluss alter Kader oder zugereister Westdeutscher anprangern, sich selbst aber nicht ins mühselige Geschäft der Politik mischen mögen. Er ruft alle Deutsche auf, sich einzumischen, statt Verdruss über die Mängel von Demokratie und Marktwirtschaft zu räsonieren. Trotz aller Unvollkommenheit: ihm gilt das westeuropäische System als „lernfähiges System, das Vorbildcharakter hat“.

Deshalb mahnt der ostdeutsche Protestant auch im internationalen Diskurs mehr Selbstbewusstsein an, mehr Herzblut für die die „westlichen Werte“, die auf den Menschenrechten fußen. Dabei nimmt er namentlich auch diejenigen in die Pflicht, die ihm besonders nahe sind: „Gerade bei einen evangelischen Brüdern und Schwestern und einigen Grünen und sozialdemokratischen Christen sind Güte und Großmut teilweise so unendlich groß, dass sie fortwährend alle Schuld der Welt einräumen. Angebracht sei jedoch viel mehr stolz auf 60 Jahre in Frieden und Achtung der Menschen- und Bürgerrechte zu sein - und das gegenüber allen „kommunistischen, fanatisch-islamistischen und despotischen Staaten“ auch laut zu bekennen.

Kommentare (7)

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Andrea

17.02.2012, 17:46 Uhr

Gauck ist kein Demokratie-Streiter. Er hat die Occupy-Bewegung als "lächerlich" bezeichnet. Demonstrieren darf man seiner Ansicht nach nur gegen die DDR.

Gauck hat in seiner Gauck-Behörde dafür gesorgt, dass Stasi-Mitarbeiter weiterbeschäftigt wurden. "Bürgerrechtler" wurde er erst, als schon alle Messen gesungen waren. Gauck genoß in der DDR viele Privilegien beispielsweise Reisefreiheit und durfte sogar ein West-Auto fahren. So etwas durfen natürlich nur Regime-Gegner. LOL.

Gauck ist ein übler Wendehals. Freiheit ist für ihn nur die Freiheit zur Steuerhinterziehung. Die Freiheit der 99% interessiert ihn nicht, der Sozialstaat ist ihm ein Greuel. Ach - und Sarrazin findet er "mutig".

Noch Fragen?

rmx9

17.02.2012, 21:04 Uhr

Ja, was sind denn Sie für eine?...

schoeffel

17.02.2012, 22:03 Uhr

Bloß nicht Gauck! Unhöflich und Arrogant!!! Hab ihn persönlich erlebt auf einer Veranstaltung.

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