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18.03.2012

19:04 Uhr

Joachim Gauck

Der Freiheits-Lehrer macht es spannend

VonDietmar Neuerer

Wer von Joachim Gauck einen ersten politischen Wurf erwartet hat, wurde enttäuscht. In seiner Dankesrede nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten hielt er sich auffällig bedeckt. Ein Eingeständnis ließ aber aufhorchen.

Der neu gewählte Bundespräsident, Joachim Gauck. dpa

Der neu gewählte Bundespräsident, Joachim Gauck.

BerlinNun haben die Deutschen den Bundespräsidenten, den sie mehrheitlich wollten. Joachim Gauck erhielt in der Bundesversammlung 991 von 1228 gültigen Stimmen, das entspricht einer Zustimmung von gut 80 Prozent. Das überragende Ergebnis ist nicht überraschend, denn Gauck war ein Konsens-Kandidat der Parteien. Nun liegt es an ihm, aus den Vorschusslorbeeren etwas zu machen und die Politik, aber vor allem die Bürger in Deutschland, davon zu überzeugen, dass nach der Affäre um den vorzeitig aus dem Amt geschiedenen Christian Wulff nun der richtige an die Staatsspitze gewählt wurde.

Viele hatten gehofft, dass Gauck schon unmittelbar nach seiner Wahl erste politische Duftmarken setzen wird. Doch er selbst hatte die Erwartung gedämpft, indem er am Samstag schon erklärte, dass es von ihm nur Dankesworte geben werde. „Da gibt es noch keine politische Rede.“ Gauck macht es spannend. Erst nach seiner Wahl deutete er in Fernsehinterviews an, wohin die politische Reise inhaltlich gehen könnte. Gauck sprach sich unter anderem für eine Ausdehnung des Solidarausgleichs auf bedürftige Regionen in Westdeutschland aus. Nun blicken alle auf seine Vereidigung am Freitag. Kommt dann die erste große Rede?

Gaucks Rede: „Was für ein schöner Sonntag“

Gaucks Rede

„Was für ein schöner Sonntag“

In seiner Antrittsrede skizziert Joachim Gauck die Leitlinien seiner Präsidentschaft und seine besondere Beziehung zur Demokratie. Die Rede im Original-Wortlaut.

Seine kurze Ansprache im Bundestag lieferte jedenfalls wenig Neues zu Gaucks künftiger Amtsführung. Was er anriss, war teils eine Rückschau und teils der Versuch, in etwa die Erwartungen mit Inhalt zu füllen, die vor seiner Wahl von politischer Seite an ihn heran getragen worden waren. Gauck redete über seine Lieblingsthemen Freiheit und Verantwortung und versprach dabei zu helfen,  die Kluft zwischen Politik und Bürgern zu verringern. Gauck sieht dafür gute Chancen, nachdem er in den vergangenen Wochen von vielen Menschen ermuntert worden sei, die Präsidentschaftskandidatur anzunehmen. Das gebe ihm Hoffnung, eine Annäherung zwischen Regierenden und Regierten hinzubekommen.

Video

Gaucks Rede in voller Länge

Video: Gaucks Rede in voller Länge

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Gauck muss die heutige Wahl als großes Glück empfunden haben. Denn für ihn schließt sich in gewisser Weise auch ein Kreis. In seiner Ansprache erinnerte er an seine erste freie Wahl zur DDR-Volkskammer am 18. März vor 22 Jahren. Wie alle Ostdeutschen habe er damals “endlich Bürger sein dürfen“. Kein Wunder also, dass er den Tag damals mit dem heutigen in eins setzt und sagt: „Was für ein schöner Sonntag.“

Für Gauck passt einfach alles zusammen - auch im Sinne seiner Idee von Freiheit und Verantwortung. Beides gehört für ihn untrennbar zusammen. Das schwingt auch fast in jedem Satz mit, den Gauck im Plenum des Bundestages sagt. An sein Freiheits-Erlebnis vor 22 Jahren will er denn auch anknüpfen, wenn er sagt, dass er sich als Präsident die Welt und das Land nicht denken könne ohne Freiheit und Verantwortung.

Kommentare (67)

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Account gelöscht!

18.03.2012, 17:02 Uhr

Sie freue sich darauf, von ihm „Anregungen zu bekommen“, sagt Merkel.
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Welche Anregungen erwartet sie denn? Die, dass sie aufhören soll, Deutschland zu zerstören? Die, dass sie aufhören soll, Europa zu einem sozialistischen Zentralstaat zu machen?
Es wird jedenfalls spannend, denn mit Gauck ist es vorbei, dass das das Präsidialamt behadelt wird, als wäre es Merkels Vorzimmer
Ob Gauck ein guter Präsident wird, muß man abwarten.
Geben wir ihm die Chance.
Aber bedenken wir auch, niemand kann allen alles Recht machen

Ich ahbe die Abstimmung gesehen. Merkel saß die ganze Zeit da mit einem Gesicht, als hätte man ihr die Wurst vom Brot geklaut
Sie konnte nicht verbergen, dass diese BuPrä-Wahl nicht ihr Gefallen fand

Der_Emigrant

18.03.2012, 17:10 Uhr

Ich bin Stasiopfer und lebe in den USA. Ich habe damals nur einen winzigen Beitrag fuer die DDR-Opposition geleistet und mit der Schreibmaschine die verbotenen "Umweltblaetter" abgeschrieben, weils keine Kopierer gab. Nun, der neue Praesident sagte, man solle "unser Land" sagen. Das ist nicht mehr moeglich, dafuer ist es schon zu sehr gegen die Wand gefahren. Ich habe D. wegen Auslaenderkriminalitaet verlassen und fand im Netz auch noch Gleichgesinnte. Gauck mag besser sein wie der Vorgaenger, nur wird er farblos bleiben muessen, denn alles, was nicht Rot ist in D., ist automatisch braun.

roterkaufmann

18.03.2012, 17:14 Uhr

Wie schafft es dieser Gauck eigentlich stets als Bürgerrechtler bezeichnet zu werden, obwohl er bis Herbst 1989 nachweislich in keiner Oppositionsgruppe aktiv war? Tatsächliche Bürgerrechtler wie Lietz und Tschiche belegen sogar, dass Gauck 1988 diese sogar ganz im Sinne der DDR-Führung ausgebremst habe und einen "Kirchentag von unten" verhindert hat. Sicherlich hatte Gauck stets seine eigene Meinung zur DDR. Öffentlich hat er diese aber erst so spät geäußert, als im letztlich nicht mehr viel passieren konnte. Damals wie heute war Gauck stets staats- und obrigkeitsnah. Er wird daher schwerlich ein Präsident des Volkes werden können.

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