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10.01.2017

10:47 Uhr

Joachim Gauck

„Herzog hat das Selbstverständnis Deutschlands geprägt“

Roman Herzog war von 1994 bis 1999 Deutschlands Staatsoberhaupt. Nun ist der 82-jährige ehemalige Bundespräsident gestorben. Die Todesnachricht erfüll Nachfolger Joachim Gauck mit tiefer Trauer.

„Mit Sachverstand, Klugheit und großer Lebenserfahrung trat Herzog für unser Land und seine freiheitliche Verfassung ein.“ AP

Joachim Gauck

„Mit Sachverstand, Klugheit und großer Lebenserfahrung trat Herzog für unser Land und seine freiheitliche Verfassung ein.“

BerlinBundespräsident Joachim Gauck hat seinen mit 82 Jahren gestorbenen Amtsvorgänger Roman Herzog als „markante Persönlichkeit“ mit „vorwärtsstrebendem Mut“ gewürdigt. Das Staatsoberhaupt der Jahre 1994 bis 1999 habe „das Selbstverständnis Deutschlands und das Miteinander in unserer Gesellschaft geprägt und gestaltet“, betonte Gauck in einem Kondolenzschreiben an Herzogs Witwe, Alexandra Freifrau von Berlichingen.

Die Todesnachricht erfülle ihn mit tiefer Trauer. „Mit Sachverstand, Klugheit und großer Lebenserfahrung trat er für unser Land und seine freiheitliche Verfassung ein. Als Minister, als Präsident des Bundesverfassungsgerichts und als Bundespräsident waren ihm die Bürger- und Freiheitsrechte niemals nur abstrakte Begriffe.“

Roman Herzog – Stationen seines Lebens

In Landshut geboren

Roman Herzog wurde am 5. April 1934 in Landshut geboren. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaft und promovierte zum Dr. jur.

Eigener Lehrstuhl

Er lehrte zunächst in München, ab 1965 auf einem eigenen Lehrstuhl an der Freien Universität in Berlin und ab 1969 in Speyer.

Weg in die Politik

1970 trat Herzog der CDU bei. Er leitete die rheinland-pfälzische Landesvertretung in Bonn, trat 1978 als Kultusminister in die Stuttgarter Landesregierung ein. 1980 übernahm er das Amt des Innenministers.

Am Verfassungsgericht

1983 ging er als Vizepräsident ans Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe und übernahm 1987 das Amt des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts.

Bundespräsidentenwahl

1994 wurde Roman Herzog zum Bundespräsidenten gewählt, wobei er sich im dritten Wahlgang gegen Johannes Rau durchsetze.

Berliner Rede

Berühmt machte ihn das Wort vom „Ruck“, der durch Deutschland gehen müsse. In einer Rede im Hotel Adlon hatte er 1997 mit diesem Begriff mehr Reformbereitschaft und Änderungswillen angeregt und dadurch eine Diskussion geprägt, die noch viele Jahre andauern sollte.

Als Präsident a.D.

Nach dem Ende seiner Amtszeit blieb Roman Herzog wissenschaftlich und publizistisch tätig. Im Jahr 2000 leitete er den Konvent zur Erarbeitung der EU-Grundrechte-Charta und legte die Empfehlungen der Herzog-Kommission für die zukünftige Parteienfinanzierung vor.

Herzog privat

Roman Herzog ist evangelisch. 1959 heiratete er die Hauswirtschaftslehrerin Christiane Krauß, die am 19. Juni 2000 verstarb. Sie widmete sich an der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose erkrankten Menschen und gründete die nach ihr benannte Christiane-Herzog-Stiftung. Das Ehepaar hatte zwei Söhne. Roman Herzog heiratete ein zweites Mal: Alexandra Freifrau von Berlichingen.

Quelle: Bundespräsident.de

Herzog habe „Reformbereitschaft angemahnt“ und zugleich „für die Bewahrung des Bewährten“ gestanden. „Sein vorwärtsstrebender Mut verband sich mit einer charmanten Skepsis. Diese Mischung war ebenso unverwechselbar wie sein unabhängiger Geist und seine Liebe zum klaren Wort“, schrieb Gauck. „Mit diesen Eigenschaften trug er viel zur Verständigung zwischen Bürgern und Politik bei und erwarb sich Respekt und große Sympathie bei ungezählten Menschen.“

Von

dpa

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