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03.02.2015

13:32 Uhr

Joachim Gauck zum Islamismus

„Wir verteidigen uns“

Bundespräsident Joachim Gauck fordert mehr Anstrengung im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus. Auch Deutschland solle sich „stark und ideenreich“ einbringen, um „Verständnis und Frieden zu fördern.“

Bundespräsident Joachim Gauck ist auf Staatsbesuch in Tansania. In Daressalam wurde er von Bürgern und vom Präsidenten des Landes, Jakaya Mrisho Kikwete (r.), begrüßt. dpa

Bundespräsident Gauck in Tansania.

Bundespräsident Joachim Gauck ist auf Staatsbesuch in Tansania. In Daressalam wurde er von Bürgern und vom Präsidenten des Landes, Jakaya Mrisho Kikwete (r.), begrüßt.

DaressalamBundespräsident Joachim Gauck hat größere internationale Anstrengungen im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus gefordert. Er könne sich vorstellen, „dass im Zuge internationaler Konferenzen diejenigen zusammenkommen, die auf Frieden orientiert sind“, sagte er am Dienstag nach einem Treffen mit dem tansanischen Präsidenten Jakaya Mrisho Kikwete in der Handelsmetropole Daressalam.

Jede der großen Religionen, auch der Islam, könnte Vertreter entsenden, „die an Frieden und Ausgleich interessiert sind“. Deutschland könne stärker als bisher seine Erfahrungen zur Bewältigung solcher Konflikte einbringen.

Gauck erinnerte an die Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn von 2001, bei der ein Stufenplan zur Entmachtung der Taliban verhandelt worden war. Manchmal sei es erforderlich, Konfliktparteien in ein ganz anderes Umfeld zu bringen. Oft seien schon die Mittel, die man aufwende, um eine solche Konferenz zu organisieren, ein friedenstiftender Akt.

Radikale Islamisten: Kampf im Namen Gottes

„Gotteskrieg“

In vielen muslimisch geprägten Staaten bestimmen radikalislamische Gruppierungen unterschiedlicher Ausprägung oft im Verbund mit dem jahrelang dominierenden Terrornetzwerk al-Qaida zunehmend das politische Geschehen. Instabile und korrupte Regierungen werden der Lage vielerorts nicht mehr Herr, während die selbst ernannten Gotteskrieger sich ausbreiten und Vermögen anhäufen.
Quelle: afp

Syrien

Der Staat wurde seit dem Beginn des Aufstands gegen Staatschef Bashar al-Assad im März 2011 mehr und mehr zum Tummelplatz radikaler Islamisten. Im daraus entstandenen Bürgerkrieg sind mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbundene Kämpfer ebenso aktiv wie die libanesische Hizbollah-Miliz und die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis). Wer an welcher Stelle gegen wen kämpft, ist vielfach kaum zu durchschauen.

Irak

In dem Land, das vielen Beobachtern nach langjährigem US-Engagement zuletzt als leidlich stabil galt, zeigte sich in den vergangenen Tagen, über welche enormen Mittel Isis verfügt. Innerhalb weniger Tage eroberten die Dschihadisten weite Gebiete im Norden des Landes und rückten auf die Hauptstadt Bagdad vor. Inzwischen wurden sie zwar gestoppt. Isis könnte aber angesichts eines geschätzten Milliardenvermögens noch lange durchhalten.

Libyen

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Frühjahr 2011 kommt in dem Land vor allem der Osten nicht zur Ruhe. Radikalislamische Gruppen wie die Ansar-al-Scharia-Miliz kämpfen dort gegen Regierungstruppen - und seit einiger Zeit auch gegen Einheiten des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar, der die Islamisten auf eigene Faust bekämpft.

Ägypten

In dem Land haben sowohl die Hamas als auch die Hizbollah Verbündete. Zudem greifen auf der Sinai-Halbinsel und in Großstädten Dschihadisten immer wieder Sicherheitskräfte an. An den neuen Staats- und Ex-Armeechef Abdel Fattah al-Sisi, der die Muslimbruderschaft seines Vorgängers Mohammed Mursi verbieten ließ, richtet sich die Erwartung, dass nun vorerst wieder Ruhe einkehrt.

Nigeria

Im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes kämpft die Gruppe Boko Haram für einen islamistischen Staat. Bei zahllosen Anschlägen auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen wurden seit dem Jahr 2009 tausende Menschen getötet. Für internationale Empörung sorgte zuletzt vor allem die Entführung von fast 300 Schülerinnen durch Boko Haram im April.

Somalia

In dem Bürgerkriegsland führt die Shebab-Miliz seit Jahren einen blutigen Kampf gegen die Regierung. Eine funktionierende Staatsgewalt im gesamten Land gibt es nicht. Auch im benachbarten Kenia, dessen Armee sich am Kampf gegen die Shebab beteiligt, häufen sich Anschläge der Islamisten. Sie bekannten sich etwa zu einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Hauptstadt Nairobi mit 67 Toten im September und erst am Montag zu dem Angriff auf den Küstenort Mpeketoni mit 49 Todesopfern.

Pakistan

Vor allem in der unwegsamen Bergregion im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan sorgt die Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) für Angst und Schrecken. Zuletzt griffen TTP-Kämpfer den Flughafen in der südlichen Metropole Karachi an und töteten 38 Menschen. Die Armee startete daraufhin eine Großoffensive gegen Stellungen von Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern.

Afghanistan

Seit der Entmachtung der dort herrschenden Taliban im Herbst 2001 sind in dem Land ausländische Soldaten unter Nato-Führung stationiert. Regelmäßig verüben die Islamisten dennoch blutige Anschläge mit vielen Toten. Der internationale Kampfeinsatz läuft zum Jahresende aus, danach soll es Unterstützungsmissionen geben. Viele Beobachter zweifeln allerdings an langfristiger Stabilität für das Land.

Allgemein

In der Region sorgen vor allem die Palästinenserorganisation Hamas und die Hizbollah für Unruhe, die allerdings nicht als klassische Terrororganisationen zu betrachten sind, sondern als politische Gruppen mit handfesten territorialen Interessen. Die Hamas wurde in als von internationalen Beobachtern recht freien Wahlen im Gaza-Streifen stärkste Kraft, wurde aber international nicht anerkannt. In der jüngsten Bildung einer Einheitsregierung sieht Israel einen neuen Schlag für die Friedensgespräche. Die vom Libanon aus agierende schiitische und mutmaßlich vom Iran finanzierte Hizbollah bedroht dort das multireligiöse politische System.

„Es sieht aus wie Ausstellen eines Schecks, tatsächlich ist es aber eine gute und sinnvolle Aktivität, Verständnis und Frieden zu fördern.“

Deutschland habe „darüber hinaus die Verpflichtung, in den internationalen Organisationen uns stark und ideenreich einzubringen“, ergänzte Gauck kurz vor Beginn der Internationalen Sicherheitskonferenz in München. Vor fast genau einem Jahr hatte er dort gefordert, die Bundesrepublik solle sich bei der Verhinderung und Lösung von Konflikten „früher, entschiedener und substanzieller“ engagieren.

Zum Auftakt seiner fünftägigen Tansaniareise lobte der Bundespräsident nun das militärische Engagement der dortigen Regierung in Südsudan und im Kongo. Dies sei ein gutes Beispiel, „um den Feinden von Frieden zu sagen: Wir verteidigen uns.“

Gauck betonte die Bedeutung wirtschaftlichen Erfolgs zur Verhinderung islamistischer Gewalt. „Viele dieser terroristischen Aktivitäten werden ja ausgeübt von Menschen, die völlig hoffnungslos sind. Desorientiert, aber auch hoffnungslos, weil sie keine Zukunftsperspektive im eigenen Land erkennen können“, sagte er.

Tansania, eines der ärmsten Länder der Welt, gilt als politischer und wirtschaftlicher Stabilitätsanker in der Region.

Angesichts der Bedrohung durch Terrorgruppen wie der Boko Haram in Nigeria oder der Al-Shabab in Somalia steht für Gauck die Unterstützung von Menschenrechten und Pressefreiheit, aber auch das Zusammenleben von Christen und Moslems im Mittelpunkt der Reise.

Auf der zu dem Land gehörenden Touristeninsel Sansibar gab es in den vergangenen Jahren Anschläge extremistischer Islamisten auf Kirchen und Priester.

Am Mittwoch will Gauck an einer Sitzung des „Friedensrates religiöser Führer in Sansibar“ teilnehmen.

Von

dpa

Kommentare (9)

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Herr Joly Joker

03.02.2015, 14:04 Uhr

ich fürchte, dass es nicht mehr lange dauert. Dann sind Lübkes Sprüche vergessen und ein Gauck wird die zeitspanne von einem Dummspruch zum nächsten.

Frau Marina Damino

03.02.2015, 19:12 Uhr

Ich verstehe das alles nicht. Vor einigen Wochen haben uns die Medien gesagt diese Spinner von Pegida dramatisieren alles. Und jetzt werden genau die Themen aufgenommen und diskuttiert?
Das Widerspricht ja völlig der bisherigen Meldungen, dass die Pegida mit den unbegründeten Ängsten der Bevölkerung spielt!

Herr Wolfgang Trantow

03.02.2015, 20:25 Uhr

Hr. Gauck lügt vorsätzlich. er ist mit der Islamunterstützer Nr. 1, wie Frau Merkel und Hr. Wulff. Alle Pegidagegner wollen den Islam mit der Scharia usw., Viele Frauen in Deutschland sind auch dafür!

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