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19.04.2014

09:42 Uhr

Joachim Sauer wird 65

„Der Professor“ statt der Kanzlerin-Gatte

Er ist Deutschlands „First Husband“ – aber er tritt nicht als Ehemann der Kanzlerin in Erscheinung: Joachim Sauer lebt sein eigenes Leben als Chemieprofessor und Privatmann an Merkels Seite. Am Ostersamstag wird er 65.

Selten öffentlich an der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Ehemann Joachim Sauer, hier bei der Eröffnung der 100. Bayreuther Festspiele in Bayreuth. dpa

Selten öffentlich an der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Ehemann Joachim Sauer, hier bei der Eröffnung der 100. Bayreuther Festspiele in Bayreuth.

BerlinAngela Merkel steigt aus der Limousine, schreitet sogleich die Stufen des Weißen Hauses empor und hält plötzlich inne. Sie hat etwas vergessen: ihren Mann. Der eilt um die Karosse herum, um noch zeitgleich zur Treppe zu kommen, wo Michelle und Barack Obama zum Empfang bereitstehen.

Das war 2011, als der Präsident die Kanzlerin mit der Freiheitsmedaille der USA auszeichnete, und es war einer der seltenen Fälle, in denen Joachim Sauer seine Frau begleitete. Für sie ein ungewohnter Moment. Meistens steht sie allein auf großer Bühne.

Der Chemieprofessor scheut die Öffentlichkeit und will auch als First Husband nicht in deren Licht treten. Interviews außerhalb seines Fachbereichs lehnt er für gewöhnlich ab. Und auch während besagter USA-Reise hält er sich von mitreisenden Journalisten fern.

Fakten zur Kanzlerin

A wie Abflug bis F wie fotografisches Gedächtnis

A wie Abflug: Die Flüge der Kanzlerin gehen fast immer in Tegel ab. Allerdings vom militärischen Teil, Avenue Jean Mermoz, praktisch gegenüber des Terminals für den Publikumsverkehr. Den Sicherheitscheck übernimmt die Bundeswehr, ansonsten das gewohnte Bild: Die Aufgeregten rennen schnell noch mal aufs Klo, die Raucher pumpen sich die Lungen voll Nikotin.

B wie Bodyguards: Für die Sicherheit der Kanzlerin ist auch auf Reisen gesorgt. Männer und Frauen des Bundeskriminalamtes passen auf, dass nichts passiert. Sie tun das mit bewundernswerter Geduld, bleiben auch bei großem Stress immer höflich. Was schon eine Leistung ist, wenn plötzlich im Ausland Horden von Journalisten auf die Kanzlerin zustürzen.

F wie fotografisches Gedächtnis: Im Flugzeug bekommen die mitreisenden Journalisten immer auch ein Briefing durch die Kanzlerin. Merkel hat dabei alle wichtigen Aspekte im Kopf. Was schon zu der Vermutung geführt hat, sie müsse über ein fotografisches Gedächtnis verfügen.

H wie Hintergrundgespräch bis P wie Parade

H wie Hintergrundgespräch: Eine gute Gelegenheit, mit der Kanzlerin auf Reisen auf Tuchfühlung zu gehen. Ein Dutzend Journalisten, Merkel, ihr außenpolitischer Berater Christoph Heusgen, der Regierungssprecher, sowie eine Chefin oder ein Chef vom Dienst des Bundespresseamtes quetschen sich im Flugzeug in einen geschätzt fünf Quadratmeter großen Besprechungsraum. Auf dem Hinflug geht es dabei meist um die Vorbereitung aufs Reiseziel, auf dem Rückflug werden auch innenpolitische Themen angesprochen.

J wie Joachim Sauer: Merkels Ehemann ist selten bei Reisen dabei. Warum sollte er auch, schließlich hat er seinen eigenen Job. Der Professor für physikalische und theoretische Chemie an der Humboldt-Universität gilt national und international als einer der besten Wissenschaftler im Bereich der Quantenchemie und ist selber oft unterwegs. Zuletzt war er im Juni mit dabei, als seine Frau im Weißen Haus in Washington von US-Präsident Barack Obama die „Medal of Freedom“ überreicht bekam.

K wie Kanzlermaschine: Eine der „Kanzlermaschinen“ ist die Konrad Adenauer. Früher flog ein Airbus A 310 unter diesem Namen, seit März ist es ein Airbus A 340. Die alte „Konrad Adenauer“ ist aber immer noch ganz flott und bleibt wohl bis 2013 im Dienst. Mitte Oktober nutzte Merkel diese Maschine bei ihrer Reise nach Vietnam und in die Mongolei, weil die Landebahn in Ulan Bator für den A 340 zu kurz gewesen wäre. Bei der Reise machte die Maschine ohnehin was mit. Von 78 Stunden Reisedauer wurden 34 im Flugzeug verbracht.

P wie Parade In vielen Ländern wird die Kanzlerin mit militärischen Ehren empfangen. Merkel muss dann die Ehrenformation an Soldaten abschreiten, besonders ergiebig war das in Kenia, wo der Paradeweg über 100 Meter lang war. Manchmal geht es auch schneller, bei Zeremonien am Flughafen etwa. Oder wenn das Wetter schlecht ist.

R wie Reisepass bis U wie Unternehmer

R wie Reisepass: Wird auch auf Kanzlerreisen benötigt. Die Mitarbeiter der Kanzlerin verfügen in der Regel über Diplomatenpässe. Darüber hinaus sitzen alle Reisenden wie auf normalen Flügen auch mit gerunzelter Stirn gebeugt über irgendwelchen Einreiseformularen.

S wie Steffen Seibert: Der Regierungssprecher ist bei Auslandsreisen immer dabei. Meist twittert er die Ankunft in einem fremden Land schon, wenn die Maschine noch ausrollt und hält auch danach Journalisten wie Internet-Gemeinde auf dem Laufenden. Siehe auch C und D.

U wie Unternehmer: Ab und an nimmt die Kanzlerin neben den Journalisten auf ihre Auslandsreisen auch eine Wirtschaftsdelegation mit. Deren Mitglieder verhandeln dann vor Ort, manchmal geht der Schuss nach hinten los. So bei der Afrika-Reise Merkels im Juni, als Meldungen über die geplante Lieferung von Patrouillenbooten nach Angola für Schlagzeilen sorgten.

Y wie Yellow Press bis Z wie Zahlungsanweisung

Y wie Yellow Press: Der Glamour-Faktor bei Merkel-Reisen ist eher gering. Die Boulevardpresse kommt nicht so zum Zuge. Dass sie auch Glamour kann, zeigte Merkel aber im schicken langen Abendkleid beim Staatsbankett in Washington mit Gästen wie Thomas Gottschalk und Jürgen Klinsmann.

Z wie Zahlungsanweisung: Ein weitverbreitetes Missverständnis ist, dass Journalisten auf Reisen von Angela Merkel für lau mitreisen dürfen. Flug und Hotel zahlt jede Redaktion selbst.

Er kam zu keiner der bisher drei Vereidigungen seiner Frau als Bundeskanzlerin, wo er eines der begehrtesten Motive von Fotografen gewesen wäre. Und es gibt es kaum öffentliche Äußerungen von ihm. Ganz zu schweigen von einer Homestory zum Geburtstag. Am 19. April wird er 65 Jahre alt.

Prof. Dr. Sauer hat sein eigenes Leben. Er ist ein weltweit renommierter Quantenchemiker, der in Prag geforscht, in Kalifornien gearbeitet hat und seit mehr als 20 Jahren an der Berliner Humboldt-Universität lehrt. Allein den Titel seiner Habilitationsschrift „Quanten-chemische Untersuchungen aktiver Zentren und adsorptiver Wechselwirkungen von Siliciumdioxid- und Zeolithoberflächen“ versteht nur ein kleiner Teil der Bevölkerung überhaupt. Persönliches, Vorlieben, Abneigungen sind kaum bekannt. Nur, dass er Opernfan ist, das weiß man. Und während die große Koalition gerade die Rente mit 63 durchsetzt, will Sauer nach Informationen der „Berliner Zeitung“ (Samstag) mindestens bis 68 weiterarbeiten.

„Professor Sauers Stelle wurde regulär um ein Jahr verlängert, bis September 2015“, teilte die Berliner Humboldt-Universität (HU) dem Blatt mit. „Danach wird er für zwei Jahre eine Forschungsprofessur an der HU innehaben.“ In Rente geht Sauer demnach frühestens 2017. Bis dahin solle er im Forschungsbereich „Molekulare Einblicke in Metalloxid/Wasser-Systeme“ arbeiten und sich der „strukturellen Evolution“ widmen.

Merkel lernte ihn Anfang der 80-er Jahren an der Ostberliner Akademie der Wissenschaften kennen, wo er die junge Physikerin bei ihrer Doktorarbeit betreute. Seit 1998 sind sie – jeweils in zweiter Ehe – verheiratet. Er hat zwei Söhne aus erster Ehe.

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